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Wie die Halbendorfer Wasserskianlage Corona trotzt

Nach der Zwangspause steckt der Betreiber der Wake & Beach-Anlage den Kopf nicht in den Sand.

Ob es doch noch ein guter Sommer geworden ist, weiß man erst im Oktober.
Ob es doch noch ein guter Sommer geworden ist, weiß man erst im Oktober. © Joachim Rehle

Das verflixte siebente Jahr. Für André Böhme hätte es kaum schlimmer kommen können. Wegen der Corona-Beschränkungen hat der Betreiber der Wake & Beach-Anlage am Halbendorfer See gut und gerne sechs Wochen verloren. Und das in einem Saisongeschäft, in dem im Sommer für den Winter mitverdient werden muss. Saisonstart ist eigentlich zu Ostern, für die Wakeboarder meist schon eine Woche eher.

Im vorigen Jahr wurde daraus wegen schlechten Wetters nichts. 2020 war zwar im April „ein Bombenwetter“, aber wegen der Corona-Verfügungen an eine Öffnung nicht zu denken. „Das treibt einem schon die Tränen in die Augen“, sagt der Unternehmer. In der Zeit der Zwangspause sei viel Geld liegengeblieben, was durch die Soforthilfen des Bundes nicht auszugleichen ist. Aber, so fügt er hinzu, „den Kopf in den Sand stecken, das bringt nichts.“

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Also hat er die Ärmel hochgekrempelt. Sinnbildlich jedenfalls.
Inzwischen ist Sport im Freien und damit der Wassersport wieder erlaubt, wenn auch mit Einschränkungen. So dürfen maximal 20 Wakeboarder für zwei Stunden auf den See. Um das zu koordinieren, könne man nicht einfach so vorbeikommen, sondern müsse sich vorher anmelden. Gleich am ersten Wochenende nutzten viele Berliner die Gelegenheit, weil die Anlagen dort noch nicht öffnen durften. Die Hauptstädter waren hellauf begeistert.

Gastronomie vorerst mit Selbstbedienung

Da hatte noch nicht mal das Restaurant von Wake & Beach geöffnet. Mittlerweile ist es das. Aber weil er seinem Personal nicht zumuten wolle, bei der Hitze den ganzen Tag eine Maske zu tragen, hat André Böhme die Gastronomie auf Selbstbedienung umgestellt. Das sei für die Gäste eine Umgewöhnung. „Der Urlaubsmodus geht mit Selbstbedienung zum Teil verloren“, das ist ihm bewusst. Dennoch hätten die Gäste Verständnis dafür. Das Restaurant ist derzeit nur am Wochenende geöffnet, während der Ferien dann auch unter der Woche. Zudem gibt es einen Imbiss.

Zwei große Hochzeiten wurden wegen der Corona-Beschränkungen abgesagt. Ein Paar kommt aus Irland nicht raus. Die Beiden werden 2021 heiraten. Das andere Paar aus Bayern hat abgesagt, weil die dortigen Regeln schärfer sind als hier. Im Gegenzug gingen Anmeldungen für Hochzeiten im kleineren Rahmen ein, denen anderswo abgesagt wurde. Das sei zwar gut für’s Geschäft, aber mit enormem Stress verbunden. „Wir müssen in zwei Wochen auf die Beine stellen, wozu wir sonst ein halbes Jahr Vorlauf haben“, begründet André Böhme.

Normalerweise beschäftigt er einen Pool von bis zu 30 Mitarbeitern, davon zwei in Vollzeit, die meisten an den Wochenenden oder als Nebenjobber. Statt im April stellt er sie erst zum 1. Juli ein. Und dann auch „nur in einer abgespeckten Variante“. Es sei schwer, für ein Hauptgeschäft von nur drei Monaten Fachkräfte zu kriegen. Der Personalwechsel mit einem Skigebiet in Österreich könnte die Lösung sein. Zu der 2019 angeschobenen Kooperation ist es wegen Corona bisher nicht gekommen.

Er hofft nun auf seine polnischen Saisonkräfte. Fünf Germanistik-Studenten aus Breslau hatte er im Vorjahr beschäftigt. Sie würden bei ihm auch die deutsche Umgangssprache lernen, sagt er schmunzelnd. Von seinen Gästen kommen mittlerweile an die 20 Prozent aus Polen, zwischen fünf und zehn Prozent aus Tschechien. Tendenz steigend. Es zahle sich aus, dass er auf Messen in Breslau und Prag Flyer in der dortigen Landessprache verteilt.

Trotz wochenlanger Zwangspause blickt André Böhme mit Zuversicht auf die neue Saison am Halbendorfer See.
Trotz wochenlanger Zwangspause blickt André Böhme mit Zuversicht auf die neue Saison am Halbendorfer See. © Joachim Rehle

Investitionen sind auf Eis gelegt

Am Freitag wird der Aqua Park bei Wake & Beach eröffnet. Wegen der Vergabe der Westen und Neoprenanzüge müssen sich größere Gruppen vorher anmelden. Eine Maske muss in dem Freigelände niemand tragen. Und für die Einhaltung der Abstandsregeln ist jeder selbst verantwortlich. Dass 2020 viele Menschen in Deutschland Urlaub machen wollen, zeige sich an der steigenden Zahl der Anfragen. Die Feriencamps finden – wegen der Unterbringung im jeweils eigenen Zelt – statt und sind ausgebucht. Für die nur zwei Absagen fand sich schnell Ersatz. Während der Ferien wird die Anlage nicht erst 13, sondern schon 10 Uhr öffnen, wobei die Vormittage den Anfängern vorbehalten sind.

Eigentlich wollte André Böhme in der Wake & Beach-Anlage weiter investieren. In der vorigen Woche fand dazu ein abschließendes Gespräch mit der Gemeinde Schleife statt. Bauarbeiten sind nur außerhalb der Saison im Frühjahr und im Herbst möglich. Aber ob das angesichts der langen Zwangspause und der dadurch bedingten fehlenden Einnahmen in diesem Jahr überhaupt etwas wird, kann er noch nicht sagen. Was er vorhat, da lässt sich André Böhme noch nicht in die Karten schauen. Er verrät nur so viel, dass er die Angebote für Familien erweitern möchte. Für die Zusammenarbeit mit der Gemeinde sei er dankbar. „Wir fühlen uns hier gut aufgehoben“, bekräftigt er. Froh ist der Betreiber der Wassersport-Anlage, dass alle seine Werbepartner weiterhin an Bord sind. Etliche haben von sich aus gefragt, ob es ihm hilft, wenn sie eher zahlen. Was für eine Geste!

Jetzt wünscht er sich erst einmal einen schönen Sommer und viele nette Gäste. Und er hofft, dass es doch noch zu der ankündigten Förderung des Freistaats für Kultur- und Tourismusprojekte kommt.

www.wakeboard-halbendorf.de

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