merken
PLUS

Zittau

Wie die Hirschfelder ihre Schwimmhalle retten wollen

Die Einrichtung in Zittaus größtem Ortsteil könnte geschlossen werden. Doch es formiert sich immer mehr Widerstand. Nun wollen auch mehrere betroffene Schulen darüber sprechen.

Das Becken der Schwimmhalle in Hirschfelde.
Das Becken der Schwimmhalle in Hirschfelde. © Archivfoto: Matthias Weber

Seit 40 Jahren gibt es in Hirschfelde eine Schwimmhalle. Die Hirschfelder wollen sie gern mindestens noch mal so lange nutzen. Doch das ist nicht sicher: Die mögliche Schließung der Hirschfelder Einrichtung ist ein Punkt im bereits beschlossenen Sparkonzept der Stadt Zittau. Gegen das Aus der Schwimmhalle regt sich immer mehr Widerstand.

Demo im Wasser

Eigentlich ist Wolfgang Wauer Stadtbad-Gänger. Doch wenn eine Schwimmhalle geschlossen werden soll, dann ist ihm der Ort egal. Dann kämpft er auch für Hirschfelde. So wie am Samstag mit der Aktion "Bahnen ziehen gegen die Schließung der Schwimmhalle in Hirschfelde". Es gehe ja nicht nur um den eigenen Nutzen, so Wauer.

Wir helfen Händlern der Region

Corona ist bedrohlich. Für die Gesundheit, aber auch für Händler und Gewerbetreibende vor Ort. Hier können Sie helfen – und haben selbst etwas davon.

Es sei eine spontane Idee gewesen, sagt der DJ und Stadtrat, die auf sehr großes Echo stoße. Bei der Aktion geht es darum, dass die Leute mit ihrer Anwesenheit ihre Verbundenheit mit der Halle zeigen. Sie zahlen an dem Tag den normalen Eintritt, und können dann die eine oder andere Bahn ziehen.

Mit den Besucherzahlen wollen Wauer und seine Fraktionskollegen von den Freien Unabhängigen Wählern (FUW) die anderen Stadträte vom Erhalt überzeugen. Im Februar soll im Stadtrat voraussichtlich noch mal über das Sparkonzept diskutiert werden.

Wolfgang Wauer, selbst ausgebildeter Rettungsschwimmer, hat vor allem das Schulschwimmen im Blick. Derzeit nutzen zehn Schulen aus dem Kreis die Hirschfelder Halle für den Schwimmunterricht. Wie eine Studie der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) aus dem Vorjahr zeigt, können immer weniger Kinder sicher schwimmen. Auch die Zahl der Todesfälle durch Ertrinken sind zuletzt wieder gestiegen, 2018 waren es insgesamt 504 Fälle - seit 2007 der zweithöchste Wert. "In dieser Situation kann man das Schulschwimmen doch nicht weiter einschränken", meint Wauer.

Gleichzeitig sollen auch die Sportvereine mit der Hirschfelder Halle eine Anlaufstelle behalten, findet Wauer. Dabei erhält er nach eigener Aussage nicht nur Unterstützung von den Hirschfelder Schwimmern, sondern auch von Zittauer Schwimmvereinen. Die Stadtverwaltung dagegen argumentiert, dass die Halle über das Schulschwimmen hinaus zu schlecht ausgelastet ist. Außerdem stehen wieder Investitionen an, die zwar nicht direkt aus der Stadtkasse, sondern vom Stadtkonzern SBG kommen, aber die Gewinnausschüttung des Konzerns an die Stadt schmälern.

- Aktion "Bahnen ziehen gegen die Schließung der Schwimmhalle in Hirschfelde" findet am 1. Februar von 10 bis 17 Uhr statt.

- Eintritt: 4 Euro (2-Stunden-Karte) oder 5 Euro (Tageskarte)

Bereits 3.500 Unterschriften

Die Idee für eine Unterschriftenaktion wurde im September 2019 bei der 650-Jahr-Feier von Dittelsdorf geboren. Petra Koziol von der Dittelsdorfer Bäckerei Koziol nahm sich dem an, kopierte Unterschriftenlisten und legte diese an verschiedenen Stellen aus. Neben der Bäckerei Koziol auch in mehreren Hirschfelder und Dittelsdorfer Geschäften. 

Rund 3.500 Unterschriften kamen bisher zusammen, die ersten 650 übergab Petra Koziol im November an Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm). Auch auf die Märkte nehme sie die Listen mit, berichtet sie und stoße überall auf Zustimmung. "Ach ja, das ist gut. Die können ja nicht alles zumachen", bekommt sie oft zu hören. 

Auch am Samstag bei der Aktion in der Schwimmhalle werden die Unterschriftenlisten ausliegen. Außerdem wird die Bäckerei Bratwürste sponsern und den Verkaufserlös dem Kinderschwimmen der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) spenden.

Der Erhalt der Hirschfelder Halle ist auch in ihrem eigenen Interesse: Petra Koziol nimmt an einem Aqua-Jogging-Kurs teil, Enkeltochter Mia ist beim DLRG-Schwimmen dabei. 

Auch Gespräche auf politischer Ebene

Neben der Aktion am Samstag und der Unterschriftensammlung will Hirschfeldes Ortsbürgermeister Bernd Müller (FUW) auch auf politischer Ebene weiter diskutieren. Er fordert ein gemeinsames Gespräch der Ortschaftsräte mit Zittaus OB. "Proteste helfen durchaus, aber wir müssen gleichzeitig überlegen, welche Maßnahmen nötig sind, um die Halle noch besser auszulasten", findet Müller.

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Ist das Schulschwimmen gesichert?

Am Erhalt der Schwimmhalle Hirschfelde hängt der Unterricht vieler Kinder - auch aus Löbau und dem Oberland. Nun gab es ein Treffen aller Beteiligter.

Ein Gesprächstermin steht schon fest: Am 3. März treffen sich Vertreter verschiedener Schulen, der Stadt Zittau und des Landkreises Görlitz im Rathaus von Ebersbach-Neugersdorf, um über die Zukunft des Schulschwimmens zu sprechen.

Mehr Nachrichten aus Löbau und dem Oberland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umgebung lesen Sie hier.