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So starten die Kitas aus der Corona-Pause

Größere Gruppen, räumliche Trennung, Schutzmasken für die Eltern - Sächsische.de beantwortet die wichtigsten Fragen zum Kitabetrieb im Kreis Bautzen.

Bei der Kindertagesstätte Glückskäfer der Volkssolidarität in Bautzen spielen die Kinder jetzt schon in voneinander getrennten Gruppen. Ab kommendem Montag wird es weitere Einschränkungen in den Kitas geben.
Bei der Kindertagesstätte Glückskäfer der Volkssolidarität in Bautzen spielen die Kinder jetzt schon in voneinander getrennten Gruppen. Ab kommendem Montag wird es weitere Einschränkungen in den Kitas geben. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Ab kommendem Montag ist ein „eingeschränkter Regelbetrieb“ in den Kitas wieder möglich. Das hat die sächsische Regierung am Mittwoch beschlossen. Kernpunkt sind feste Gruppen mit denselben Erziehern. Sächsische.de beantwortet die wichtigsten Fragen dazu und erklärt, was das für die Einrichtungen, die Kinder und deren Eltern im Landkreis Bautzen bedeutet.

Wie werden die Kinder jetzt betreut?

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Die Betreuung soll in festgelegten Gruppen und durch dasselbe Personal stattfinden. Das hat zur Folge, dass die Gruppen größer werden und sich dadurch mehr Erzieher um dieselben Kinder kümmern. So planen es Annett Fahland, Leiterin der Kindertagesstätten beim Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) und Romy Pietsch, Geschäftsführerin des Kreisverbandes der Volkssolidarität. Beide Träger zusammen betreiben knapp 30 Kindertagesstätten im Landkreis Bautzen.

"Es wird wahrscheinlich so sein, dass ab Montag Kinder zusammen betreut werden, die bislang nicht in in einer Gruppe waren, weil sie meist zur selben Zeit gebracht werden oder ihre Zimmer nebeneinander liegen", sagt  Romy Pietsch. Die Außenflächen werden voneinander abgegrenzt sein, sodass sich eine Gruppe in einem bestimmten Areal bewegt. Das könne natürlich wechseln, damit die Kinder nicht auf bestimmte Aktivitäten verzichten müssten, überlegt sie.

Bei der Awo könnte es so aussehen: "Vielleicht wechseln sich die Gruppen tageweise ab. Das müssen wir von Kita zu Kita entscheiden und haben unsere Planungen noch nicht abgeschlossen", sagt Annett Fahland.

Was bedeutet das für das Kita-Personal?

Um die Kinder einer neuen größeren Gruppe werden sich mehrere Erzieher kümmern. Anders seien gerade die Randzeiten, also früher Morgen und später Nachmittag, nicht abzudecken, erklärt Romy Pietsch. "Es wird nicht ein Erzieher jeden Tag von früh bis spät für dieselben Kinder da sein. Das Personal haben wir gar nicht." Dem kann Annett Fahland nur zustimmen. "Das können wir uns auch gar nicht leisten. Viele unserer Mitarbeiter sind in Teilzeit beschäftigt. Auch wir werden unsere Erzieher in größeren Gruppen einsetzen."

Je nach Räumlichkeiten, Anzahl der Kinder und des Personals in den Einrichtungen wird es unterschiedliche Lösungen geben. "Je kleiner die Einrichtung, desto schwieriger ist es, weil wir dort an räumliche und personelle Grenzen stoßen." Und die Urlaubszeitt sei auch nicht mehr weit. "So einfach wie es sich liest, ist es jedenfalls nicht."

Wie werden die Kitas geöffnet sein?

Theoretisch sollen die Kitas zu den gewohnten Zeiten geöffnet sein. Die sächsische Regierung räumt hier aber ein: Es "werden örtlich Einschränkungen der Betreuungszeiten erforderlich sein, insbesondere hinsichtlich der Tagesrandzeiten, da ansonsten das Konzept der stabilen Gruppen nicht gewährleistet werden kann", heißt es auf den Internetseiten des Kultusministeriums.

Davon wird die Awo voraussichtlich Gebrauch machen. In den Einrichtungen der Volkssolidarität wolle man abwarten, wie sich die Situation ab Montag entwickelt. Derzeit sind die Kitas im Rahmen der Notbetreuung bis 16 Uhr geöffnet, sagt Romy Pietsch. "Möglicherweise wird das hier und da so bleiben. Das hängt auch vom Bedarf der Eltern ab. Wir wollen auf jeden Fall um 6 Uhr öffnen, weil wir jetzt merken, dass es vielen Eltern wichtig ist."

Wie werden die Hygiene-Regeln umgesetzt?

Kinder, die mit Sars-Cov-2 infiziert sind, dürfen die Kita nicht betreten. Wer Symptome der Erkrankung Covid-19 zeigt, dem könne der Zugang verweigert werden, heißt es vom Kultusministerium. Bei den Awo-Einrichtungen ist geplant, dass Eltern ihre Kinder am Eingang verabschieden und wieder in Empfang nehmen. Kita-Mitarbeiter bringen die Kinder in ihre Gruppen und wieder zum Eingang.

In den Kitas der Volkssolidarität sollen Eltern ihre Kinder weiterhin selbst in die Gruppen bringen und müssen dabei eine Atemschutzmaske tragen. Je nach Räumlichkeiten sollen die Kinder einer Gruppe immer denselben Eingang ins und aus dem Gebäude nutzen. Handtücher und Bettbezüge werden häufiger gewaschen als bisher. Das Zähneputzen ist wegen der hohen Ansteckungsgefahr bereits seit einiger Zeit gestrichen.

Was bedeutet das für die Kinder?

Trotz aller Freude auf die Rückkehr der Kinder machen sich die Kita-Mitarbeiter Gedanken, sagt Romy Pietsch. "Diese Freude ist getrübt. Es wird kein normaler Kita-Alltag sein, und die Kinder sind am meisten betroffen." In den vergangenen Jahren seien die Kinder immer mehr zu Freiheit und Selbstständigkeit erzogen worden. Das werde nun stark eingeschränkt. "Da gehen wir ein ganzes Stück zurück."

Auch Annett Fahland sieht eine ganz andere Art der Arbeit auf ihre Mitarbeiter zukommen. "Das wird sehr strukturlastig und wir werden die Kinder deutlich weniger in ihrer Selbstständigkeit fördern können."

Worauf müssen die Eltern achten?

Dass es auch für die Eltern eine schwierige Zeit ist und bleibt, wissen sowohl Annett Fahland als auch Romy Pietsch. "Da sind wir auf das Verständnis und die Rücksicht der Eltern angewiesen, etwa falls ihre Kinder vorübergehend nicht bei den gewohnten Erziehern sind." Zudem müssen die Eltern morgens bestätigen, dass ihre Kinder gesund sind.

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Bei der Awo wird es wahrscheinlich Übergabehefte für die Kommunikation zwischen Eltern und Erziehern geben. Beide Träger bemühen sich darum, diese Situation bestmöglich zu meistern. Annett Fahland sagt aber auch: "Wir werden die Eltern nicht in einer Sicherheit wiegen, die es de facto nicht gibt."

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