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Wie die Kriminalität ganze Familien trifft

Siebenmal sind ein Zittauer und seine Angehörigen in den letzten drei Jahren Opfer von Dieben geworden.

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Von Thomas Mielke

Eine unglaubliche Diebstahlsserie haben der Zittauer Falko Krüger und seine Familie in den letzten drei Jahren über sich ergehen lassen müssen. Ein Haus wurde ausgeräumt, zwei Autos und ein Fahrrad sind gestohlen worden, mehrfach wurde versucht, die Pkw der ganz normalen Familie zu rauben. Der bisherige Höhepunkt: Am 11. November verschwand der weiße Dienstwagen Krügers. Er ist Geschäftsführer des Medienvertriebs Löbau-Zittau. Die Einzelheiten:

Diebe versuchen, zwei Autos der Familie zu stehlen

Die Nachbarn hatten es 2009 gesehen, ihre Beobachtungen Falko Krüger erzählt und ihn damit gewarnt: Ein Mann wäre vor dem Haus der Krügers in Zittau-Nordwest aus einem Auto gestiegen und hätte den weißen Passat der Familie fotografiert. Trotzdem dauerte es noch drei Monate – dann erst waren die Schlösser des Autos zerstochen. Warum die Täter den Wagen nicht kurz geschlossen bekamen und mitnahmen, bleibt unklar. Rund 500 Euro Schaden kostete die Reparatur. Nur wenige Wochen später stellte das Autohaus erneut eine Rechnung in ähnlicher Größenordnung aus. Diesmal waren die Türschlösser und die Zündung des weißen VW Touran von Krügers Eltern zerstört. Der Van stand dort, wo auch immer der Passat parkt. Krüger vermutet, dass die Diebe das Auto am Ende doch nicht mitnahmen, weil der Tank fast leer war. Bei diesen Taten ist die Polizei fündig geworden: Ein Tscheche versuchte, die Autos zu stehlen. Er wurde 2010 in Bautzen wegen mehrerer Diebstähle verurteilt.

Unbekannte räumen den Schwiegereltern das Haus aus

Im April 2012 brachen Diebe in das Haus von Krügers Schwiegereltern in Mittelherwigsdorf ein. Am heller lichten Tag wurde die verschlossene massive Haustür aufgebrochen. Die Diebe warteten ab, bis das Paar mal nicht zu Hause ist. Daraus zieht Krüger den Schluss: „Das Haus muss beobachtet worden sein.“ Die Diebe gingen professionell vor und nahmen nur Wertgegenstände mit. Der gesamte Schmuck inklusive wertvoller Erbstücke, Bargeld, eine Digicam und anderes verschwand. Der Schaden belief sich auf rund 10 000 Euro. Eine heiße Spur von den Dieben hat die Polizei laut Krüger bis heute nicht gefunden.

Familien-Passat vor der Haustür in Zittau gestohlen

Keine zwei Stunden nachdem Krügers Frau den Familien-Passat vor dem Haus in Zittau abgestellt hat, ist das Auto am Abend des 13. Januar dieses Jahres gestohlen worden. „Ich vermute, dass jemand beobachtet hat, dass ich einkaufen gefahren bin“, sagt Falko Krüger, der mit einem anderen Wagen unterwegs war. Als er wiederkam, stand das Auto der Nachbarin auf dem Platz, an dem er den Passat beim Wegfahren noch hatte stehen sehen. Das Auto wurde entwendet, obwohl Krüger nach dem ersten Diebstahlversuch 2009 extra noch einen Totschalter von der Werkstatt hatte einbauen lassen. Das Auto war zu diesem Zeitpunkt rund 10 000 Euro wert. Dass Täter gefasst wurden, ist Krüger nicht bekannt.

Diebe versuchen Auto des Bruders zu stehlen

Wieder rund 500 Euro für zerstochene Schlösser – das ist die Bilanz eines weiteres Diebstahlversuchs im März 2012. Dieses Mal traf es das Auto von Krügers Bruder in Zittau-Süd. Die Diebe haben sogar den eingebauten Totschalter gesucht und das Fach, in dem er versteckt war, herausgerissen. Warum sie den Wagen dann doch nicht mitgenommen haben, bleibt unklar. Bisher sind die Täter nicht geschnappt.

Fahrrad der Schwiegermutter vor Zittauer Kaufland gestohlen

Ebenfalls in diesem Jahr wurde das Fahrrad von Krügers Schwiegermutter am Kaufland an der Zittauer Freudenhöhe gestohlen. „Sie wollte nur schnell Brötchen kaufen“, erzählt der Zittauer. 600 Euro ist das Zweirad wert. Die Krönung war, dass der Dieb zum Kaufland geradelt kam und ein anderes gestohlenes Fahrrad hinterließ. Der Täter konnte nicht ermittelt werden.

Dienstwagen vor dem Liberecer Zoo gestohlen

Vor wenigen Tagen ist Falko Krüger auch noch seinen Dienstwagen losgeworden, den er als Geschäftsführer privat nutzen darf. Er war mit seiner Frau und den beiden Kindern am 11. November zu einem Besuch im Liberecer Zoo gestartet. Sein Bruder und dessen Familie begleiteten sie im eigenen Auto. „Wir waren früh die ersten auf dem Zoo-Parkplatz“, erzählt er. Die baugleichen Octavias der Brüder parkten nebeneinander, der eine weiß, der andere schwarz. Als sie sich die kleinen weißen Tiger angesehen hatten und auf den Parkplatz zurückkamen, ist Falko Krügers Skoda weg. 19 000 Euro war das Auto zu diesem Zeitpunkt wert. Mit dem weißen Octavia verschwanden private Dinge für reichlich 1 000 Euro. Ein VW Touareg und ein Audi A6, die nach den Zoo-Besuch auf dem Parkplatz standen, hatten die Täter offenbar nicht interessiert. „Es musste also unbedingt unser Auto sein“, erzählt Krüger. Warum das so sein könnte, erfuhr er während der dreistündigen Wartezeit bei der Liberecer Polizei. Die Gesetzeshüter sagten ihm, dass die Autos fast ausschließlich zur Ersatzteilgewinnung gestohlen würden. Innerhalb weniger Tage werden sie zerlegt, so dass die Polizei höchstens mal die Rohkarosse eines der verschwundenen Fahrzeuge findet. Und noch etwas sagten die Liberecer Polizisten: 80 Prozent aller Autodiebstählen bei ihnen gehen auf das Konto von Polen.

Familie Krüger hat Glück im Unglück: Die Versicherung hat den Großteil der Schäden in Höhe von 42 000 Euro bezahlt. Ein Gefühl der Ohnmacht und Unsicherheit bleibt bei den Einwohnern des Grenzgebietes dennoch zurück.

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