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Wie die Lotzdorfer Meister wurden und vier ihrer Räder verschwanden

Fast einhundert Jahre lang gab es in Lotzdorf Hallenradsport. Bis zur Wende. Einstige Aktive erinnern sich. Teil3

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Von Heinz Schäfer undFriedmar Arnold

Einen Weltkrieg hatten die Lotzdorfer Radsportler in ihrer seit 1899 währenden Historie bereits überstanden. Dann, 1939, begann der Zweite Weltkrieg und brachte auch den Radsport in Lotzdorf zum Erliegen.

Nach Kriegsende im Mai 1945 gingen die Lotzdorfer dann mit vereinten Kräften an den Wiederaufbau ihres traditionsreichen Vereins. WelcheKraft und welcher Elan gehörten dazu, nach dem Chaos praktisch den Neuanfang zu übernehmen. Aber es zeigte sich, dass der Wille und Enthusiasmus der Radsportler Richard Zeibe, Alfred Richter, Walter Schwipps, Willi Forke, Georg Spata und Herbert Beger nicht gebrochen war. Allerdings brauchten sie Unterstützung durch einen starken Partner, der dem Hallenradsport aus den vergangenen Zeiten zugetan war. Die Lösung bot sich durch den Beitritt des Clubs zur Betriebssportgemeinschaft (BSG) Radeberg, der späteren BSG Motor Radeberg, dann der BSG Rafena Radeberg und letztlich der BSG Robotron Radeberg als Sektion Hallenradsport an.

1946 war die Zeit gekommen, als einige Trainer und Übungsleiter in die Sowjetunion verschleppt wurden. Sie waren Flugzeugbauer und Triebwerksspezialisten aus den Flugzeugwerken Deutschlands. Der nächste Rückschlag. Aber Herbert Pietsch übernahm die Sektionsleitung; die Sportfreunde Willi Forke und Herbert Beger kümmerten sich um die Reparaturen am vorhandenen Bestand an Radball- und Kunstfahrrädern und übernahmen auch das Training der Kunstfahrer und Radballspieler. Und auch der sportliche Erfolg kehrte zurück: 1946 gewannen Herbert Beger und Werner Kunath in Leutersdorf wieder einen Preis im Radball.

Fahrraddiebe unterwegs

Neben den positiven Ergebnissen waren 1948 erstmals auch negative zu beklagen: Aus einem verschlossenen Fahrradschrank im Gasthof Lotzdorf wurden von sechs Kunstreigenrädern vier Räder gestohlen. Von den Dieben hat die Sektion bis heute nichts gehört. Die Räder wurden von der Polizei in der Röder gefunden, Laufräder und Schlauchreifen fehlten. Doch trotz des Handicaps konnte der 6er Kunstreigen der Männer an der Meisterschaft der Ostzone in Leipzig teilnehmen. Mit riesigem Erfolg: Sie wurden Meister der sowjetischen Besatzungszone.

1949 wurde dann das 50-jährige Bestehen des Lotzdorfer-Clubs gefeiert. Damit wurde nach dem Krieg erstmals wieder ein Fest der Meister in Lotzdorf veranstaltet. Und findige Organisatoren stellten dafür zwei Zentner Kartoffeln und ein halbes Fass Salzheringe für einen Sektionsschmaus zur Verfügung – keine leichte Sache in dieser Zeit… (wird fortgesetzt)

Der erste Teil dieser Serie ist am Montag, dem 19. Juli, und der zweite Teil am Dienstag, dem 20. Juli 2010 erschienen.