SZ +
Merken

Wie die Monarchs Kiel zerlegen

Die Dresdner Footballer revanchieren sich haushoch für die Hinspielniederlage – und öffnen vor der Partie ihre Kabinentür.

Teilen
Folgen
© Matthias Rietschel

Von Alexander Hiller

Es muss ziemlich viel richtig gelaufen sein in der Vorbereitung auf dieses wegweisende Spiel. Die American Footballer der Dresden Monarchs fegten nach der knappen Vorwochenniederlage in Kiel (30:35) im direkten Rückspiel am Sonnabend nun wie ein Sturm über die Hurricanes aus Norddeutschland hinweg.

Im Heinz-Steyer-Stadion gelang dem Team von Cheftrainer John Leijten eine mehr als eindrucksvolle Revanche: 56:14 (35:0) demontierten die Sachsen ihren vor sieben Tagen noch siegreichen Gegner. Damit stehen die Monarchs in der Tabelle der Nord-Staffel der zweigleisigen German Football League (GFL) mit 5:3 Punkten vorerst auf Rang drei – hinter Meister Braunschweig (6:0) und den Berlin Rebels (7:1).

Das Geheimnis des deutlichen Erfolgs dürfte zum einen in den richtigen Schlüssen aus der Hinspielniederlage liegen. Zum anderen an der optimierten Vorbereitung der Gastgeber. Fotograf Matthias Rietschel konnte die Gastgeber bis in die Stadienkatakomben und in die eigentlich zu engen Kabinen begleiten. „Zweieinhalb Stunden vor der Partie treffen wir uns, 90 Minuten vor dem Anpfiff machen sich die Ersten warm“, erklärt Assistenz-Coach Thomas Stantke. Kurz vor dem Anpfiff und nach dem routinemäßigen Pass-Check der Schiedsrichter kommt das gesamte Team – also knapp 50 Männer – noch einmal zu einer kurzen Teambesprechung in eine der beiden alten Kabinen im Trakt unter der maroden Steintribüne zusammen. Derber Schweiß umhüllt die Athletenleiber in ihren Football-Uniformen.

Laut ist es trotz der Fülle in den auch zur Decke hin beengten Räumen nicht. Konzentrierte Stille. Die nur John Leijten zerschneidet. Für letzte taktische Anweisungen ist es freilich da schon zu spät. Vielmehr appelliert Leijten auf engstem Raum in einer Brandrede noch einmal an die Stärken, an den Zusammenhalt des Teams. „Eine Motivationsrede“, nennt Stantke die Ansprache. Auf dem Feld schart Kirk Benson dann seine Mitspieler im Kreis um sich, redet nochmals eindringlich auf sie ein. Man könnte es auch schreien nennen. Das Adrenalin hochpushen. Huddle heißt das in der Football-Sprache.

Offenbar haben alle die richtigen Worte gefunden. Der Auftakt vor über 2 600 Zuschauern könnte nicht besser laufen. Zur Halbzeit führen die Gastgeber bereits uneinholbar mit 35:0. „Wir haben sowohl in der Offense als auch in der Defense alles richtig gemacht, diesmal die Schwachstellen der Kieler eiskalt ausgenutzt“, sagt Thomas Stantke.

Der Trainerstab der Sachsen hat diese Defizite der Norddeutschen offenbar ausgiebig via Video aufgearbeitet und das eigene Spiel genau drauf abgestimmt. Das Ergebnis der Auswertung ist ein eindrucksvolles. Auch eine Ansage an die Konkurrenz um die begehrten Play-off-Plätze eins und zwei, die in der K.-o.-Runde um die deutsche Meisterschaft zunächst Heimrecht garantieren.

Am kommenden Wochenende gastieren die Dresden Monarchs dann beim Titelverteidiger Braunschweig. „Das wird nicht das wichtigste Spiel der Saison“, betont Thomas Stantke die eigene Außenseiterrolle, „aber wir wissen spätestens jetzt, dass wir die auch ärgern können.“