merken
PLUS

Wie die Mutter, so der Sohn

Der überwiegende Teil der Erzieher in den Kindertagesstätten und Horten der Region sind noch immer Frauen. Doch mittlerweile entdecken mehr und mehr Männer den Beruf für sich. Sie entscheiden sich aus unterschiedlichen Beweggründen bewusst für einen sozialen Beruf. Im Nieskyer Ortsteil See arbeiten bereits zwei Männer in vermeintlichen „Frauenberufen“. Bei Kindern und Kolleginnen sind sie beliebt. Denn gerade für den Nachwuchs von Alleinerziehenden ist es toll, in Kita und Hort männliche Bezugspersonen zu haben.

© André Schulze

Von Alexander Kempf

Wenn Matthias Mucke die Jungen und Mädchen in der Kita Sonnenland beruhigen möchte, behilft sich der Auszubildende mit einem Kunstgriff. Der junge Mann greift dann zur Gitarre. Das sorgt für offene Ohren und offene Münder. „Als ich das erste Mal zur Gitarre gegriffen habe, waren die Kinder überrascht. So leise habe ich sie noch nie erlebt“, erzählt der angehende Erzieher. Die handgemachte Musik beruhigt die Kinder.

Anzeige
Unschlagbare Schnäppchen bei NORMA
Unschlagbare Schnäppchen bei NORMA

Weihnachten rückt immer näher - dafür hat NORMA günstige Angebote für Jeden. Klicken Sie hier und lassen Sie sich von den vielfältigen Angeboten überraschen.

Es gibt ruhigere Arbeitsplätze als eine Kindertagesstätte. Dennoch hat für Matthias Mucke früh festgestanden, dass er Erzieher wird. Schon in der neunten Klasse ist er nach einem Praktikum davon überzeugt. „Ich hätte keine Alternative gewusst“, sagt der 20-Jährige. Ihm gefällt es, zu sehen, wie die Jungen und Mädchen sich weiterentwickeln. Er erlebt so tolle Momente, erzählt er. Etwa wenn die Kinder plötzlich das erste Mal einen Stift in der Hand halten.

Der Auszubildende greift in der Kita regelmäßig zu Stift und Papier. „Ich schreibe mir viel auf, um meine Arbeit zu reflektieren“, sagt Matthias Mucke. Die Ausbildung zum Erzieher absolviert er berufsbegleitend, um mehr Praxiserfahrung zu sammeln. Gemeinsam mit einer erfahrenen Kollegin kümmert er sich derzeit um zwölf Kinder im Krippenalter. „Die Kleinen brauchen mehr Geduld und Zeit. Man muss ihnen mehr Hilfestellung geben“, erklärt der Auszubildende. Musizieren gehört für ihn genauso zum Alltag wie Windeln wechseln. Ein Problem sei das nicht, versichert Matthias Mucke. „Bis jetzt hat der Beruf nur schöne Seiten.“

Die Liebe zum Beruf ist Matthias Mucke wohl in die Wiege gelegt worden. Seine Mutter arbeitet ebenfalls als Erzieherin. Mit ihr tauscht er sich oft über die Arbeit aus. Dass er als Mann einen Beruf lernt, der von Frauen dominiert wird, ist für ihn nie ein Problem gewesen. Nur manchmal setzen seine Kumpels kleine Spitzen und nennen ihn Kindergärtner. Aber das sei nie böse gemeint und werde schnell gekontert.

„Der Beruf des Erziehers ist sehr vielseitig“, sagt Matthias Mucke. Wenn er in zweieinhalb Jahren ausgelernt hat, kann er sowohl Kleinkinder als auch Jugendliche betreuen. Den theoretischen Teil seiner berufsbegleitenden Ausbildung absolviert er in Bautzen an der Sorbischen Fachschule für Sozialpädagogik. In seinem Jahrgang sind schon sieben von 28 Schülern Männer. Der Beruf sei unter Männern deutlich beliebter als früher.

In der Kita Sonnenland in See ist Matthias Mucke der einzige Mann inmitten von 13 Kolleginnen. Wünscht er sich nicht manchmal ein männliches Vorbild? Er schüttelt den Kopf. „Ich kann mir bei den Frauen viel abschauen“, sagt der Auszubildende. Und doch wirkt er allein durch seine Stimme ganz anders auf die Kinder. Für Leiterin Doreen Proske ist er eine Bereicherung. „Ein junger Mann, der auch noch Gitarre spielen kann, den gebe ich nicht gerne her“, sagt sie. Gerade für die Jungs sei Matthias Mucke toll, weil er mit ihnen nicht nur Fußball spiele, sondern auch ein Ohr für ihre Probleme habe.

Bei Kindern und Eltern ist Matthias Mucke sehr beliebt. Fehlt er, wird auch mal nach ihm gefragt. Er hat ein Händchen für Kinder, sagt Matthias Mucke selbst. „Und das muss man auch haben.“ Scheinbar trifft der junge Mann aus Sandschenke genau den richtigen Ton. Nicht nur auf seiner Gitarre.