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Wie die Natur die Wolle färbt

Eine junge Tadschikin absolviert im Biosphärenreservat ein freiwilliges Jahr. Dabei lernt nicht nur sie viel dazu.

© Uwe Soeder

Von Kerstin Fiedler

Gesund und Fit

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Königswartha. Ganchina Tavakalova ist eine fröhliche junge Frau. Sie war jetzt im „Treffpunkt“ Königswartha, wo sich die Seniorinnen treffen. Dieses Mal ging es um das Thema Wolle. Margarethe Pötschke, die die Veranstaltungen organisiert, ist froh, einen guten Kontakt zur Naturschutzstation östliche Oberlausitz zu haben. Dank der Angebote in der Umweltbildung waren Mitarbeiter von dort schon öfter zu Gast. Doch dieses Mal ist es ein bisschen anders.

Ganchina Tavakalova kommt nämlich aus Tadschikistan und absolviert jetzt in Deutschland ein Freiwilliges ökologisches Jahr in der Naturschutzstation in Förstgen. Sie lebt eigentlich in einem Dorf im Pamirgebirge. Dort haben noch viele Menschen Deutsch gesprochen, ihre Großmutter war sogar Deutsch-Lehrerin. „Ich habe in der Schule und von Nachbarn Deutsch gelernt“, erzählt Ganchina Tavakalova. Und so studierte sie dann Deutsch und Germanistik. Doch sie wollte sich verbessern, wollte die Sprache dort lernen, wo sie gesprochen wird. Also durchsuchte sie das Internet nach Möglichkeiten, wo in Deutschland sie eine Chance hätte. Ein Jahr lang war sie Au Pair in Stuttgart. „Das war eine Familie mit einem Kind“, erzählt sie und muss bei der Erinnerung an den schwäbischen Dialekt lachen. Während ihres Studiums hat sie dann bereits 2012 über einen Austauschdienst in Sachsen-Anhalt gelernt. Doch es reicht ihr nicht, denn sie möchte noch besser werden. Außerdem will sie noch ihren Master-Studiengang in Deutschland absolvieren. Wo das sein wird, weiß sie noch nicht. Ihr Ziel ist es, Lehrerin oder Dolmetscherin zu werden.

Als Lehrerin ausprobieren

Allerdings weiß sie, dass ihr ihre jetzige Aufgabe in der Umweltbildung sehr gut gefällt. „Ich habe hier sehr viel über die Natur gelernt“, sagt sie. Die Unterschiede zwischen ihrem Heimatland und Deutschland seien ziemlich groß. „Jetzt ist das Gebirge bei uns ganz weiß, es ist richtiger, sehr kalter Winter. Im Herbst sind die Bäume golden“, erzählt sie von zu Hause. Dafür ist es im Sommer auch richtig schön warm und trocken, sagt sie. Die große Tafel mit verschiedenen Wollproben in Natur-Farben hat Ganchina Tavakalova gestaltet. Dazu musste sie lernen und ausprobieren, welche Pflanze welche Farbe liefern kann, wie lange die Pflanze dazu kochen muss oder wie dann die Reste durch ein Baumwolltuch gegossen werden, um den Sud gemeinsam mit der Wolle weiterzukochen. Die Wolle kommt von den Moorschnucken, mit denen die Mitarbeiter Flächen im Biosphärenreservat pflegen. „Diese Wolle eignet sich sehr gut zum Filzen“, weiß Ganchina Tavakalova mittlerweile. Das Arbeiten mit Wolle kennt sie schon von ihrer Großmutter. „Die hat aber nur mit Chemie gefärbt. Hier ist es mit Naturmaterial viel besser“, sagt sie. Ihre Mutter hat dann mit der gefärbten Wolle gestrickt. Das Thema Wolle ist ihr Projekt beim Freiwilligen ökologischen Jahr, das sie seit Mai 2017 in Förstgen für anderthalb Jahre absolviert. „Ich finde es dort toll, weil alle Mitarbeiter so nett sind“, sagt sie. Und sie kann sich an den Projekttagen eben auch gut als Lehrerin ausprobieren. Schließlich hat sie nach ihrem Studium auch schon als Deutsch-Lehrerin in Duschanbe, der Hauptstadt Tadschikistans, gearbeitet.

Zu Hause im rund 5 000 Kilometer entfernten Pamirgebirge war Ganchina Tavakalova schon drei Jahre nicht mehr. Ihre Mutter ist Hausfrau, weil sie keine Arbeit mehr nach dem Bürgerkrieg gefunden hat. Der Krieg begann, als Ganchina 1991 geboren wurde, und ging bis 1997. Der Vater hatte als Lehrer gearbeitet. Von den drei Schwestern ist die jüngste erst sechs Jahre, sie selbst ist die Älteste. „Meine Schwestern wollen auch alle studieren. Nur wer Wissen hat, kann auch Geld verdienen“, sagt Ganchina Tavakalova. Aber den Kontakt hält sie trotzdem in die Heimat. Wozu gibt es das Internet, Whatsapp und Skype? In Mücka, wo sie mit zwei weiteren Tadschiken wohnt, die bereits seit 2016 im Biosphärenreservat arbeiten, ist das Internet ziemlich gut. Außerdem lebt eine Cousine in Bonn. Vor Ort wird sie auch von den Mitarbeitern eingeladen. „Die sorbische Sprache und Kultur war völlig neu für mich. Aber sorbisch ist ja eine slawische Sprache, also dem Russischen ähnlich“, sagt sie.

In ihrer Freizeit liest sie viel, auch englische Bücher. Sie ist oft im Internet unterwegs. Und sie tanzt gern. Nicht etwa moderne Tänze, sondern die traditionellen Tänze ihrer Heimat. „Das ist fast wie Sport“, sagt Ganchina Tavakalova.

www.foerderverein-oberlausitz.de