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Wie die neuen Glocken aussehen

In Originalgröße ist das Geläut ab Sonntag zu bestaunen. Eine Ausstellung führt durch 800 Jahre Kirchengeschichte.

Von Tina Soltysiak

An je einem durchsichtigen Faden hängen die drei neuen Kirchenglocken für St. Pankratius in der alten Kirchschule in Tragnitz von der Decke herab. „Es sind Holzmodelle im Maßstab 1:1“, erzählt Katja Schulze, Pfarrerin der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Altenhof-Leisnig-Tragnitz. Das Gotteshaus wird umgebaut. Die alten Klangkörper sind ausgebaut, die neuen Glocken werden deutlich kleiner und leichter, da sie aus Bronze sind.

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Geschaffen hat die Modelle und die darauf befindlichen Motive die Künstlerin Maria Ondrej aus Machern. „Sie fährt nächste Woche in die Glockengießerei und übergibt die Motive“, erzählt Katja Schulze. Allerdings werden zunächst aus Kostengründen nur zwei Glocken in Auftrag gegeben. Die größte hat eine Höhe und einen Durchmesser von 100 Zentimetern, spielt den Ton „es“ und ist mit dem Auge Gottes verziert. Die mittlere Glocke ist jeweils 13 Zentrimeter kleiner, wird den Ton „g“ erzeugen und hat den gekreuzigten Heiland als Motiv. „Die Künstlerin hat sich dabei an den Malereien unserer Jugendstil-Fenster orientiert. Den Gekreuzigten schon fast in einer Siegerpose zu zeigen, ist aber auch typisch für die Romanik. So spiegeln sich die verschiedenen Epochen, in denen sich St. Pankratius verändert hat, wider. Das ist schön“, so Katja Schulze.

Die kleine Dorfkirche steht seit 800 Jahren. Dieses Jubiläum feiert die Gemeinde eine Woche lang. Den Auftakt bildet am Sonntag um 9.30 Uhr ein Festgottesdienst. Im Anschluss wird die Ausstellung in der ehemaligen Kirchschule eröffnet. Verteilt auf vier Räume können sich Besucher auf eine Reise durch die Kirchengeschichte begeben. „Der Kirchenvorstand hat mit Unterstützung von Bürgern, die alte Fotos und Dokumente zur Verfügung gestellt haben, eine tolle Ausstellung zusammengetragen“, sagt Katja Schulze.

Neben den Modellen der drei Kirchenglocken sind unter anderem originale Deckenplatten von 1904 aufgestellt, ebenso Schieferplatten vom Turmdach, Abdeckungen der Dachspitze über der Sakristei, die Klöppel der Bochumer Klangstahlglocken von 1924, der Antriebsmotor der ausrangierten mittleren Glocke von 1965 sowie die Siegel der Kirchgemeinde und Rechnungen der Kirche zu Tragnitz von Trinitatis aus den Jahren 1673 bis 1721.

Bereits vor den Pforten der Kirchschule wächst ein Stück Geschichte in den Himmel. Derzeit sind Bauarbeiter mit der Installation der Kirchturmspitze beschäftigt, die dem Vorbild von 1904 folgt. „Wir sind mit den Bauarbeiten wirklich gut in der Zeit“, lobt Pfarrerin Katja Schulze. Einige Dachgauben sind bereits fertig, Halterungen für das Glockengeläut ausgebessert. Der Termin für die Produktion der Klankörper steht seit Anfang der Woche auch fest: „Am 22. August werden die Tragnitzer Kirchenglocken gegossen“, ergänzt sie.

Ein Video zum Prozedere findet sich auf www.youtube.de, Stichwort „Die Maus Spezial – Glockengießen“.