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Wie die Puppen laufen lernten

Angela Klemm arbeitete 15 Jahre im Defa-Trickfilmstudio. Jetzt brachte sie die wundervollen Figuren nach Großenhain.

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Sie machte, dass die Puppen leben. Akkurat und akribisch hat Angela Klemm im Dresdner Trickfilmstudio viele Jahre mit einer kleinen Zahnarzt-Zange Figuren bewegt. Stückchen für Stückchen. Und jede minuziöse Bewegung wurde fotografiert. 24 Bilder für eine Sekunde. Ein ganzes Jahr für 28 Minuten Film.

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Animatorin Angela Klemm an einer Szenerie aus dem Film „Anna, genannt Humpelbein“ aus dem Trickfilmstudio Dresden.Fotos: Brühl
Animatorin Angela Klemm an einer Szenerie aus dem Film „Anna, genannt Humpelbein“ aus dem Trickfilmstudio Dresden.Fotos: Brühl

Doch wie schön diese Zeit bis 1992 war, merkt man der 55-jährigen Dresdnerin noch immer an. Mit Liebe und Hochachtung hat die Animatorin die diesjährige Großenhainer Weihnachtsausstellung im Museum Alte Lateinschule aufgebaut. Heute ist sie Archivleiterin des Deutschen Institutes für Animationsfilm (DIAF), bewahrt das Erbe des nach der Wende geschlossenen Defa-Studios. Auch solche Wunschausstellungen wie die Großenhainer gehören zu ihren Aufgaben: Märchenhaftes und Weihnachtliches war hier gefragt.

Rüstzeug für die Darstellung

Die Puppen und Requisiten, Zeichenfolien und Filmplakate, die Angela Klemm aus Dresden mitgebracht hat, werden vielen Älteren bekannt vorkommen: „Die Weihnachtsgans Auguste“ und „Zwerg Nase“ liefen oft im DDR-Fernsehen. Ebenso „Der gestiefelte Kater“ oder „Zar Wasserwirbel“. „Für so eine Produktion waren viele Bereiche nötig: Schneiderei, Tischlerei, Technik, Malsaal und das Atelier natürlich“, erzählt Angela Klemm. In so einem Studiobereich wurde ausschließlich an einem Film gearbeitet. Die Animatorin zeigt zur Veranschaulichung auf das „Set“ des modernen Stückes „Anna, genannt Humpelbein“.

Ihre Freundin Martina Großer, eine Szenenbildnerin, entwarf diese witzigen, originellen Puppen. „Wenn die Fotos aufgenommen wurden, ging das natürlich ganz langsam vor sich“, so Angela Klemm. „Dann spielte man sich das Gesamte einfach im Kopf vor.“ Ausstattungsfilme nennt sie die Zeichentrick-, Puppentrick- und Flach- oder Silhouettentrickfilme, die auf Infotafeln vorgestellt werden. Von dem großen Aufwand, der da getrieben wurde, erzählen auch ausgestellte Figurenblätter. Da sind Rollen nicht nur gezeichnet und benannt – auch ihr Charakter und Habitus werden beschrieben, um dem Animator Rüstzeug für die Darstellung zu geben.

Auch die Zeichenfolien verraten etwas von der Mühe, die die Aufnahmen machten. Die kamen zum Beispiel bei einem Film mit einem Frank-Kafka-Stoff zum Einsatz. Das „Kleinmiezelige“ hat Angela Klemm allerdings nichts ausgemacht. „Ich bin auch sonst sehr exakt und genau“, sagt sie. Puppenspielerin wollte sie eigentlich werden, das war auch ihr Volontariat vor dem Studium bei den Trickfilmstudios. Den Figuren in einem Trickfilm Bewegung und damit Leben zu geben, war etwas Ähnliches. „Jedem Film sieht man die Handschrift des Animators an“, sagt die Dresdnerin. Ihr Stil war das Romantische.

Angela Klemm freut sich über jede Ausstellung, die neben der Dauerschau in den Technischen Sammlungen Dresden zustande kommt. „Die Puppen sollen nicht in Kisten schlummern“, sagt sie. Seit 1997 ist sie Archivleiterin des DIAF und damit Angestellte eines gemeinnützigen Trägervereins. Sie möchte mit Ausstellungen die Fantasie der Besucher fördern. „Denn Fantasiefiguren können alles“, nennt sie einen wesentlichen Grund, warum sie Spaß an ihrer Arbeit hatte. An circa 25 Produktionen war Klemm beteiligt, über 2000 Filme in verschiedenen Techniken sind insgesamt entstanden. Die Dresdner bewahren  so  ein deutschlandweit  einmaliges  Erbe.