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Wie die Stadt das Baumfällen am Löbauer Berg verteidigt

Im Wald gelten andere Regeln als in Parks, heißt es im Rathaus. Und die Allee an der Auffahrt sei nie bewusst angelegt worden.

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Von Gabriel Wandt

Welche Gedanken haben sich die Verantwortlichen gemacht, als sie sich für das Schlagen der Schneise an der Honigbrunnen-Auffahrt entschieden haben? Darüber sprechen die Menschen in Löbau noch immer, und nach wie vor dominiert viel Unverständnis diese Gespräche. Mitarbeiter der Stadtverwaltung haben jetzt im Gespräch mit der SZ ausführlich ihre Sichtweise auf die Dinge erklärt – die Aktion verteidigt und dargelegt, warum das großflächige Fällen notwendig gewesen sei. Der Landkreis hatte vorige Woche mehrere Gesetze angeführt, gegen die verstoßen worden wäre. Die SZ dokumentiert nun die Argumente der Stadt Löbau.

Warum musste die Schneise am Berg so groß ausfallen, wie sie jetzt ist?

Mitarbeiter der Sachbereiche Umweltamt und Liegenschaften, die ihre Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, sind überzeugt, dass es keine andere Möglichkeit gegeben habe. Die Sicherheit an der Auffahrt habe wieder hergestellt werden müssen. Bei einem Baum beginne bereits im mittleren Alter die Altersphase, in der der Baum schon geschwächt sei und schnell zur Gefahr werden könne. Vor Ort sei entschieden worden, etwa zwölf Meter links und rechts der Straße die Bäume zu fällen. Damit soll verhindert werden, dass die nächststehenden Bäume beim Umfallen die Straße erreichen. Dass die Bäume, die jetzt die äußere Reihe bilden, nun ihrerseits umfallen können, davon gehen die Stadtbediensteten nicht aus. Sie würden in einem funktionierenden Verbund stehen, in dem die Bäume sich gegenseitig Sicherheit gäben. Die Bäume entlang der Rodelbahn seien zudem nicht so krank, als dass von ihnen Gefahr ausgehe.

Warum wurden nicht nur einzelne kranke Bäume entfernt?

Das aufwendige und teure Zurückschneiden oder Fällen einzelner Bäume werde nur in Parks praktiziert, wo Bäume mit größerem Abstand und ganz bewusst gepflanzt werden. Dort komme es auf jeden einzelnen Baum an. Das gelte am Berg nicht, denn dort befinde sich ein Waldgebiet, das zur Bewirtschaftung da sei. Zudem ist man im Löbauer Umweltamt sicher, dass Bäume, die einzeln stehen geblieben wären, nicht mehr genug Nährstoffe aus dem Boden hätten saugen können: Es hätten die umliegenden Bäume gefehlt, die Wasser aus größeren Tiefen mit ansaugen: Einzelne Bäume an diesem Standort würden verdursten, heißt es.

Warum konnte der Anblick nicht erhalten bleiben, so wie er immer war?

Der Anblick ist gar nicht immer so gewesen, darauf legen die Mitarbeiter der Stadt großen Wert. Im Gegenteil: Selten in der Geschichte sei der Berg so sehr bewaldet gewesen wie heute. Das würden auch alte Ansichten zeigen. Zudem rühre der Name Schafberg daher, dass dort einst großflächig Weideland gewesen sei, wo kaum Bäume standen. Und auch an der Auffahrt habe es immer wieder Einschläge gegeben.

Warum wird die verschwundene Allee nicht wieder neu angelegt?

Solche exakten Wiederaufforstungen seien in einem Wirtschaftswald nicht vorgesehen – und auch nicht nötig. In wenigen Jahren würde der Wald dort von selbst nachwachsen. Die Stadtmitarbeiter sind überzeugt, dass sich die Löbauer schon sehr bald über das frische Grün und die Natur an dieser Stelle freuen werden. Zudem seien in der Verwaltung keine Unterlagen bekannt, dass die Allee irgendwann einmal bewusst angelegt worden wäre.

Warum wurde keine Rücksicht

auf den Erholungswert genommen?

Eben weil es sich beim Berg aus Sicht der Stadt um einen Wirtschaftswald handelt, in dem Bäume nach einem gewissen Zeitraum geerntet würden. Das passiere im üblichen Rhythmus: Eine Generation pflanze Bäume, eine spätere ernte diese dann.

Warum wurden Naturschutz und Denkmalamt nicht vorher befragt?

Die Mitarbeiter von Stadt und Sachsenforst haben die Bäume selbst begutachtet. Wäre ihnen ein schützenswerter Einzelbaum aufgefallen, hätten sie die Untere Naturschutzbehörde gefragt, versichern sie. Ansonsten aber berufen sie sich auf forstwissenschaftliche Grundlagen, nach denen die Gefahren durch Bäume und die entsprechenden Merkmale aufgeschrieben sind, sowie das Sächsische Naturschutzgesetz, das Bäume im Wald sowie an Straßen von den geschützten Landschaftsbestandteilen ausnimmt beziehungsweise nicht als Eingriffe in Natur und Landschaft wertet. Diese Sicht des Gesetzgebers sei eine Reaktion auf zunehmende Stürme und sich häufende Schäden, auf die reagiert werden müsse.

Warum wird der Vorwurf verneint,

zu leichtfertig abgeholzt zu haben?

Die Stadtmitarbeiter betonen, das Wohl der Bäume im Blick zu haben. In der Vergangenheit habe es von Löbauern immer wieder Forderungen gegeben, am Berg Bäume abzuholzen: So etwa 2013 an der Fernsehturmstraße, wegen Hornissennestern. Die Stadt hat aber entschieden, die Bäume stehen zu lassen und lediglich die Wanderer gebeten, die Straßenseite zu wechseln und so mögliche Angriffe der Tiere zu vermeiden.