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Wie die Treuhand Schicksalsmacht wurde

Millionen Menschen im Osten fühlten sich der Anstalt hilflos ausgeliefert. Wie sie biografische Brüche der Wende bewältigten, ist in Weißwasser zu sehen.

Wie die Treuhand die Schicksale von Millionen Menschen beeinflusst hat, zeigt eine Ausstellung ab Mittwoch im Abgeordnetenbüro „Rote Rosa“. Im Bild: Antonia Mertsching und Mitarbeiter Marko Schmidt in einer Diskussionsrunde.
Wie die Treuhand die Schicksale von Millionen Menschen beeinflusst hat, zeigt eine Ausstellung ab Mittwoch im Abgeordnetenbüro „Rote Rosa“. Im Bild: Antonia Mertsching und Mitarbeiter Marko Schmidt in einer Diskussionsrunde. © Joachim Rehle

Weißwasser. Wie das Wirken der Treuhand das Leben vieler Menschen im Osten Deutschlands verändert hat, zeigt eine Ausstellung der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Die Schau ist vom 12. August bis 13. September im Abgeordnetenbüro „Rote Rosa“ von Antonia Mertsching (Die Linke) und in der Stadtwerkstube Rosa-Luxemburg-Straße 17 und 21 (2. Ebene des Boulevards) zu sehen.

Ab dem Wendejahr 1990 sollte die Treuhandanstalt innerhalb kürzester Zeit 9.000 volkseigene Betriebe mit insgesamt 4,1 Millionen Arbeitsplätzen „markttauglich“ machen. Die Betriebe wurden privatisiert oder liquidiert. Millionen Menschen verloren ihren Job. Wie es ihnen dabei erging, wie sie die „Schocktherapie“ überwunden und biografische Brüche bewältigt haben, dem geht die Ausstellung unter dem Titel „Schicksal Treuhand – Treuhand Schicksale“ nach. Es kommen Zeitzeug*innen aus 13 ausgewählten Branchen zu Wort, deren Lebensgeschichte durch das Agieren der Treuhandanstalt unmittelbar beeinflusst wurde. Die meisten Ostdeutschen, das machen die unterschiedlichen Lebenswege deutlich, fühlten sich der Treuhand hilflos ausgeliefert. Sie erlebten deren Wirken als Schicksalsmacht. Als lebensgroße Porträts treten die Befragten den Besucher*innen in der Ausstellung buchstäblich auf Augenhöhe gegenüber und berichten so von ihren Erfahrungen. Über QR-Code können kurze Sequenzen aus ihren Erzählungen angehört werden, in denen sich die damalige Stimmungslage heute noch widerspiegelt.

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Nach 30 Jahren noch unvergessen

Antonia Mertsching freut sich, diese nach ihren Worten „beeindruckende“ Wanderausstellung in Weißwasser zeigen zu können. „Auch 30 Jahre nach der Wende sind die Entbehrungen des damaligen Wirtschaftskollapses nicht vergessen“, begründet die Landtagsabgeordnete der Linken. „Die Ausstellung verbindet die persönlichen Geschichten der Betroffenen mit den politischen Hintergründen.“

Die Stadt Weißwasser stellt nach Aussage ihres Citymanagers dafür die Stadtwerkstube gern zur Verfügung. „Auch in Weißwasser hat der wirtschaftliche Umbruch immense Folgen gehabt, viele persönliche Schicksale sind damit verbunden“, betont Frank Lublow. Man hoffe, mit der Ausstellung alle Generationen der Stadt zu erreichen: die, die es selbst erlebt haben – und die, die damals zu jung oder noch nicht geboren waren. Zudem sollen im September zwei Erzählcafés stattfinden. Interessenten aus dem Raum Weißwasser könnten sich in persönlichem Rahmen über ihre Erfahrungen mit der Treuhand austauschen. Die Termine werden rechtzeitig benannt.

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Anschauen kann man sich die Ausstellung jeweils mittwochs von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 15 Uhr. Wegen der Corona-Bestimmungen ist die Besucherzahl pro Raum auf fünf Personen begrenzt. Bei höherer Nachfrage können sich daher kurze Wartezeiten ergeben. Mund-Nase-Schutzbedeckung ist Pflicht! Für Kleingruppen kann die Ausstellung auch zu anderen Zeiten geöffnet werden.

Interessenten dafür melden sich im Abgeordnetenbüro unter 03576 2162893 – oder per Mail: [email protected]

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