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Radebeul

Wie die Väter, so die Kinder

Familie und Politik: Zur Kommunalwahl kandidieren Väter und Kinder gemeinsam. Kann das gut gehen?

Andreas und Elisabeth Ball wollen für die SPD in den Stadtrat,
Andreas und Elisabeth Ball wollen für die SPD in den Stadtrat, © Norbert Millauer

Coswig. So mancher habe entgeistert auf ihre Kandidatur für den Stadtrat reagiert, erzählt Elisabeth Ball. Nicht, dass ihr das jemand ins Gesicht gesagt habe. Andere hätten es ihr erzählt, dass darüber gesprochen wird. „Dabei ist das doch kein Posten nur für Hochgebildete oder Leute, die etwas zu sagen haben“, erklärt sie. Jeder kann sich um das Amt als Stadtrat bewerben. Und genau das tut die 19-Jährige als eine der jüngsten Kandidatinnen auf der Liste der Coswiger SPD. Gemeinsam mit ihrem Vater, Andreas Ball.

Der Staatsanwalt ist Vorsitzender des Ortsvereins Coswig-Weinböhla. Die Mutter, Cosima Ball, Schatzmeisterin. Klar, dass die Politik da auch in der Familie eine große Rolle spielt. Aber gezwungen wurde sie von niemandem, sich politisch zu engagieren. Seit zwei Jahren ist sie Parteimitglied. „Uns war wichtig, dass junge Leute auf die Liste kommen“, sagt Elisabeth Ball. Und auch wenn sie bisher noch keine Zeit gehabt habe, mal eine Stadtratssitzung zu besuchen, traut sich die 19-Jährige das Amt durchaus zu. „Sonst hätte ich mich ja nicht aufstellen lassen.“ Und dann ist da ja noch der Papa im Hintergrund, der helfen kann, wenn ein Rechenschaftsbericht oder der Haushaltsplan doch unverständlich sind.

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Zurzeit macht Elisabeth Ball ein Freiwilliges Ökologisches Jahr. Danach lässt sie sich zur Physiotherapeutin ausbilden. In Coswig will sie bleiben und würde sich im Stadtrat dafür einsetzen, dass es wieder ein Jugendparlament gibt. „Junge Leute sollten mehr mit einbezogen werden“, findet sie. „Es wäre schön, wenn die Themen nicht nur von der Verwaltung bestimmt werden würden“, ergänzt Andreas Ball. Auch die Stadträte und Bürger sollten mehr eingebunden werden. Als Beispiel nennt er den Flächennutzungsplan. Da wäre eine Bürgerversammlung sinnvoll gewesen. „Das macht sicher mehr Arbeit, aber bringt auch mehr Demokratie.“ Und es baue die Politikverdrossenheit ab, sagt Karl Jungnickel. Der Pfarrer im Ruhestand vervollständigt die Kandidatenliste der Coswiger SPD. In der Vergangenheit ist die Partei mit deutlich mehr Kandidaten ins Rennen gegangen. „Lieber drei Leute, die es ehrlich meinen“, sagt Andreas Ball dazu. Mehr Plätze seien für seine Partei sowieso nicht drin. Das müsse man realistisch sehen, so Ball und hofft auf bessere Zeiten für die SPD. Dass er sich eine neue Partei sucht, kommt für den 47-Jährigen nicht infrage. „Ich bin seit 1989 dabei. Da tritt man nicht gleich aus.“

Anders sieht das bei Familie Werner-Neubauer aus. Thomas Werner-Neubauer ist bei den Grünen ausgetreten, nachdem diese Ja zum Bundeswehreinsatz in Afghanistan gesagt haben. Grüne Themen passen aber nach wie vor am besten zu dem Umwelttechniker. Seit drei Jahren sitzt er im Stadtrat. Seitdem kämpft Werner-Neubauer um jeden Baum. Er setzt sich für mehr Grün in der Stadt ein, fordert mehr Radwege und die Vermeidung von Lärm-, Licht- und Schadstoffemissionen. Sein politisches Engagement hat auch seinen Sohn Fabian angesteckt.

Thomas Werner-Neubauer und sein Sohn Fabian stehen auf der Kandidatenliste der Grünen.
Thomas Werner-Neubauer und sein Sohn Fabian stehen auf der Kandidatenliste der Grünen. © Peggy Zill

Der 18-Jährige kandidiert ebenfalls für den Stadtrat. Er wohnt derzeit noch in Dresden im Internat, gehört zu den Dresdner Kapellknaben und macht gerade sein Abitur. Nur jedes zweite Wochenende ist er zuhause in Coswig. Dann reden Vater und Sohn viel über Politik. „Aber nicht dauerhaft“, sagt Fabian Werner. Die Meinungen gehen auch manchmal auseinander. Der Wahl-O-Mat habe dem Vater empfohlen, Die Partei zu wählen. Der Sohn hatte die meisten Übereinstimmungen mit den Piraten. „Aber in der Lokalpolitik sind die Themen ja auch andere“, sagt Thomas Werner-Neubauer. „Ich fände es schön, wenn die Stadt so grün bleiben würde“, sagt Fabian. Aber auch die Digitalisierung sei eines seiner Themen. W-Lan auf öffentlichen Plätzen sollte auch in Coswig angeboten werden. 

Zeit, das lokalpolitische Geschehen zu verfolgen, hat der Schüler aufgrund der Abiturprüfungen gerade wenig. Und auch den gemeinsamen Wahlkampf können Vater und Sohn kaum betreiben. Sollte das mit dem Stadtrat nicht klappen, kann sich Thomas Werner-Neubauer auch vorstellen, dass sein Sohn einen anderen Posten in der Kommunalpolitik einnimmt, vielleicht Aufsichtsrat in der JuCo wird. Es habe schon lange festgestanden, dass Fabian, sobald er volljährig ist, kandidieren wird. „Wenn ich mir den Stadtrat so anschaue, würden ein paar junge Gesichter ganz guttun“, meint der 55-Jährige. 

Davon finden sich auf der Grünen-Liste einige. Grüne - und SDP - haben mit durchschnittlich 45 Jahren die jüngsten Bewerber. Dass sich 13 Kandidaten für die Stadtratwahl finden, davon war Werner-Neubauer selbst überrascht. Die meisten seien parteilos. Werner-Neubauer hofft auf den Habeck-Effekt. „Zur letzten Wahl sind wir knapp am zweiten Mandat vorbeigeschrammt. Das werden wir dieses Mal hoffentlich schaffen. Wenn wir drei Leute in den Stadtrat bekommen, wären wir sehr zufrieden.“