merken
PLUS Sachsen

Wie die Viren das Riechen verändern

Ein Dresdner Forscher hat eine Befragung von Corona-Infizierten mitinitiiert, die Hinweise auf die Wege der Viren im Körper geben soll.

© Daniel Karmann/dpa (Symbolfoto)

Trockener Husten und Fieber gelten als typischste Anzeichen für eine mögliche Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2. Zuletzt tauchte immer wieder ein mögliches weiteres Symptom auf: der plötzlich auftretende teilweise oder vollständige Verlust von Riech- und Schmecksinn. Nun gibt es dazu eine weltweite Onlinebefragung unter Betroffenen. Mitinitiator ist der Dresdner Mediziner Thomas Hummel.

Die Ergebnisse sollen dabei helfen, die Symptome der Infektion von anderen Atemwegserkrankungen abzugrenzen. An dem Projekt sind über 500 Wissenschaftler, Klinikärzte und Patientenvertreter aus 38 Ländern beteiligt. „Natürlich kann solch eine Befragung nicht der Ersatz für eine Studie sein“, sagt Hummel. Der Professor leitet das Interdisziplinäre Zentrum für Riechen und Schmecken am Dresdner Universitätsklinikum. Aber sie könnte erste Hinweise geben. 

TOP Deals
TOP Deals
TOP Deals

Die besten Angebote und Rabatte von Händlern aus unserer Region – ganz egal ob Möbel, Technik oder Sportbedarf – schnell sein und sparen!

Parallel dazu testet und befragt das Dresdner Forschungsteam Patienten mit Covid-19 auch direkt. Dabei wurde von einigen bereits ein Verlust von Riech- und Schmecksinn geschildert. „Bei der Mehrzahl der Fälle ist das eine vorübergehende Einschränkung“, erklärt der Arzt. Manchmal bleibt die Beeinträchtigung auch bestehen.Womit das zusammenhängt, das wollen die Wissenschaftler herausfinden. Vieles deutet auf eine neuronale Veränderung hin, eine Beteiligung des Nervensystems. 

Welche Bereiche genau betroffenen sind, das ist unklar. Die Riechschleimhaut in der Nasenhöhle, der Riechkolben im Gehirn oder doch ganz andere Hirnareale. Bisher gibt es noch keine breit angelegte Studie, die diese Art von Beeinträchtigung als klares Anzeichen für eine Infektion mit Sars-CoV-2 belegt. 

Thomas Hummel engagiert sich im Globalen Konsortium für chemo-sensorische Forschung, kurz GCCR. Dort entstand die Idee für die Umfrage. Die internationalen Riech- und Schmeckforscher wollen herausfinden: Ist der Verlust des Geruchssinns ein häufiges Symptom? Geht er mit einem Schmeckverlust einher? Wie lange halten die Symptome an? Die Teilnehmer sollen dabei ihre Riech- und Schmeckfähigkeit mithilfe von Computerskalen abschätzen und Fragen zu ihrer Symptomatik, Gesundheit und zum Lebensstil beantworten.

Weiterführende Artikel

Corona: Nichts schmecken kann dauern

Corona: Nichts schmecken kann dauern

Viele Corona-Patienten klagen über den Verlust ihres Geruchs- und Geschmackssinns. Mediziner wissen mittlerweile mehr über das Symptom.

Hummel ist an einem weiteren internationalen Projekt beteiligt, das dem Mechanismus von Covid-19 auf der Spur ist. Beim „Smelltracker“ testen Teilnehmer zu Hause ihre Riechwahrnehmung. Der Verlust des Riechvermögens lässt sich so frühzeitig feststellen. „Die Teilnehmer wählen selbst fünf Düfte aus“, erklärt er. Das können zum Beispiel Shampoo, Zimt oder Knoblauch sein. „Alle paar Tage riechen sie daran und füllen online einen Fragebogen aus.“ Für Stockholm wurde eine erste Erhebung mit 2.400 Teilnehmern bereits ausgewertet. Es zeigt sich ein Zusammenhang zwischen dem Riechdefizit und der Entwicklung der Corona-Infektionen in der Stadt. (jam)​

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.

Mehr zum Thema Sachsen