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Wie die Volkshochschule ins Schwimmen kommt

Wer einen der begehrten Aquakurse will, muss schnell sein. Die Damen der Anmeldung verraten, wie man reinkommt.

Von Daniela Pfeiffer

Da kann man als Dame an der Anmeldung schon ins Schwimmen kommen. Das Telefon klingelt fast minütlich – und gefühlt jeder Zweite fragt nach einem Aquakurs. Zwischendurch gibt’s zwar mal eine Firmenanmeldung zum Pralinenseminar, dann einen Ausländer, der zwei Freunde zum Deutschkurs eintragen lassen will. Aber schon die nächste Anruferin fragt wieder nach einem der Kurse, die die Volkshochschule (VHS) im Neißebad anbietet.

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Da gibt’s einige: Babyschwimmen, Radfahren im Wasser, Aquajogging, Aqua-Zumba, Aqua-Triathlon, Aqua-Gymnastik. Das Problem: Wem erst jetzt ein Programmheft für das Herbstsemester in die Hände fällt, der hat bei Wasserkursen das Nachsehen. Denn es sind die begehrtesten der Volkshochschule. Sobald Anmeldebeginn ist, sind die Listen auch schon voll.

Und Anmeldestart ist nicht etwa erst, wenn die neuen Programmhefte erscheinen, sondern bereits seit Anfang Juli läuft die Onlineanmeldung. „Bei vielen Kursen lassen wir am Ende eines Semester auch schon Listen für das nächste herumgehen, damit diejenigen sich gleich eintragen können, die weitermachen wollen“, sagt VHS-Chef Maik Gloge. „Bei den Wasserkursen geht das nicht, sonst hätten andere nie eine Chance, reinzukommen.“

Bis vor sechs Jahren gab es überhaupt noch keine Aquakurse. Erst als Maik Gloge, der die VHS 2007 übernommen hat, sich 2009 um eine Bahn im Neißebad bemühte, kam buchstäblich Bewegung in die VHS. „Und ich musste wirklich kämpfen. Zum Einen um die Bahnen, zum Anderen aber auch um Kursleiter“, sagt Gloge. Denn wer Wasserkurse leiten will, muss mindestens Diplomsportlehrer, Physiotherapeut oder Sportwissenschaftler sein. Inzwischen bieten zwölf Kursleiter 36 Wasserkurse an.

Viele der Teilnehmer, die sich persönlich anmelden kommen, treffen auf Regina Richter – die gute Seele der Görlitzer Volkshochschule. Sie ist seit 23 Jahren hier, so lange wie keiner ihrer Kollegen. Und sie weiß so manche Episode zu berichten. Auch zu den Wasserkursen: „Wie oft kam die Frage, ob der Schwimmkurs denn hier auf der Langenstraße oder in unserer Außenstelle am Hainwald stattfindet“, sagt sie und muss lachen. Noch finden Schwimmkurse schließlich in Schwimmhallen statt.

Dann klingelt wieder das Telefon. Kollegin Kerstin Riebesam geht ran – eine Anmeldung zum Weinseminar. „Allein würde man es gar nicht schaffen“, sagt Regina Richter, die nebenbei auch noch Buchhaltung und Honorarabrechnung macht. Onlineanmeldung hin oder her – wenn das gedruckte Programmheft ausliegt, geht es richtig los. Dann läutet das Telefon im Minutentakt. „Wir haben aber ein System, das jeden Anruf weiterleitet, auch in die Büros hoch. Deshalb können bis zu sechs, sieben Mitarbeiter gleichzeitig Anmeldungen entgegen nehmen“, sagt Maik Gloge.

Für Kerstin Riebesam und Regina Richter ist das eine Erleichterung. Denn es kommen ja auch viele persönlich vorbei. In der heißen Phase der Anmeldung – und die ist jetzt, wenige Tage vor dem Semesterstart am 8. September – stünden die Leute schon morgens vor neun Uhr Schlange vor der Tür. 1 800 Anmeldungen gibt es für das Herbstsemester schon. „Da kommt man manchmal ganz schön fertig Zuhause an“, sagt Regina Richter. Aber ihre Arbeit mache ihr Spaß, sie sei mit der VHS verheiratet. Von ihren Kollegen bekam sie vor einigen Jahren schon das Goldene Inventarabzeichnen. Keine könnte wohl besser über die Entwicklung der VHS erzählen – vor allem über den Aufschwung in den letzten Jahren. Das Klischee vom eingeschworenen Seniorentrüppchen stimmt längst nicht mehr, sondern es kämen auch viele junge Leute. „Ich schätze, wir haben ein Durchschnittsalter von 40 Jahren“, sagt die 63-Jährige, die so viele Leute kennt, dass sie sich manchmal wundere, wo immer wieder noch neue Kursteilnehmer herkommen. Am Jahresende geht Regina Richter in Rente. So ganz wird sie sich aber auch dann nicht von ihrer VHS trennen und vermutlich auf Stundenbasis weiter in der Anmeldung aushelfen. Schließlich gilt es auch im Frühjahrssemester wieder möglichst jeden, der es wünscht, in einem der Neißebad-Kurse unterzubringen. „Wir haben da ja auch einen besonderen Trick“, verrät sie noch. Wenn im Juni die Kurse fürs nächste Semester feststehen, gibt es einen Stichtag, ab dem man sich schon anmelden kann.