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Wie die WBG Weißwasser schöner macht

Die Altersdemografie und Klimaschutz bereiten Probleme, aber das Unternehmen klotzt bei den Investitionen.

Wohnqualität bestimmt Lebensqualität. Nach dem Richtfest im Mai soll das teilweise zurückgebaute Gebäude in der Humboldtstraße 2 bis 6 in Weißwasser bis Jahresende bezugsfertig sein – als modernes Stadthaus. Rund 1,6 Millionen Euro investiert die
Wohnqualität bestimmt Lebensqualität. Nach dem Richtfest im Mai soll das teilweise zurückgebaute Gebäude in der Humboldtstraße 2 bis 6 in Weißwasser bis Jahresende bezugsfertig sein – als modernes Stadthaus. Rund 1,6 Millionen Euro investiert die © Joachim Rehle

Risikofaktor Nr. 1 in Weißwasser bleibt die Bevölkerungsentwicklung. Das erklärte jetzt Petra Sczesny in der jüngsten Sitzung des Stadtrats. Der Altersdurchschnitt der Mieter der Wohnungsbaugesellschaft mbH Weißwasser (WBG) liege derzeit bei 60 Jahren. Nach der sogenannten ersten Leerstandswelle im Zuge der Abwanderung vieler junger Menschen sei in Anbetracht der Alterung nun mit einer zweiten Welle zu rechnen. „Hinzu kommt die Verunsicherung durch den klimapolitischen Kurs der Bundesregierung und die zunehmende europäische und bundesdeutsche Regulierungswut“, erklärte die Geschäftsführerin der WBG.

Teilrückbau wertet auf

Nachdem im Januar im Stadtrat der obligatorische Jahresbericht der Stadtwerke Weißwasser GmbH (SWW) vorgestellt wurde, war jetzt der WBG-Jahresbericht fällig. Darin forderte Petra Sczesny, den Stadtumbau konsequent weiterzuführen. Aktuell habe das Unternehmen einen Leerstand von 20 Prozent zu verkraften. Seit dem Jahre 2000 musste die Gesellschaft in der Folge des noch nicht überwundenen Strukturwandels über 3.100 Wohnungen vom Markt nehmen. Und in Anbetracht der weiteren Entwicklung werde man nicht umhinkommen, den Bestand weiter zu verkleinern. Bis 2025 sollen, dem Rechnung tragend, 320 Wohneinheiten abgerissen werden. Gerade bereite man den Leerzug der Bertolt-Brecht-Straße 23 bis 30 vor, in der es über 55 Prozent Leerstand gibt. Der Abrissbagger rückt 2022 an. Wie in der Görlitzer und der Humboldtstraße sollen über 100 Wohnungen durch Teilrückbau wegfallen und die verbleibenden Wohnflächen saniert werden. Zwar sei der Teilrückbau wesentlich teurer, jedoch ein gutes Instrument zur Aufwertung der Wohnquartiere.

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Anfang 2020 überarbeitete die WBG ihre Rückbaukonzeption. Dazu müsse aber, wie Petra Sczesny im Stadtrat einforderte, das Stadtentwicklungskonzept bis 2030 fortgeschrieben werden. Der in der Vergangenheit geführte intensive Dialog zum Stadtumbau habe sich ausgezahlt. Deshalb freue sie sich, dass die AG Stadterneuerung wiederbelebt wurde. Nicht nur der Stadtumbau müsse überdacht werden, sondern ebenso die Infrastruktur einschließlich der Ver- und Entsorgungssysteme. „Noch laufen die Lausitzer Kraftwerke einige Jahre, aber schon jetzt ist Planungssicherheit zu schaffen, wie wir nach dem Kohleausstieg unsere Wohnungen beheizen werden“, erklärte sie. Man sei an dem Thema dran, es werde aber einen langen Atem brauchen.

Wie schon vor Jahresfrist im Stadtrat kritisierte Petra Sczesny jetzt erneut die sogenannte Schwarmstadtstudie, die die Großstädte Leipzig und Dresden analysiert, Bautzen und Görlitz zu den Wachstumsstädten und versteckten Perlen zählt, aber Hoyerswerda und Weißwasser den ausblutenden Regionen zuordnet. Daraus werde geschlussfolgert, dass Investitionen in der Lausitz Geldverschwendung sind. Dem widerspricht die WBG-Chefin auf das Schärfste. „Wir verstehen uns keineswegs als ausblutende Stadt ohne Zukunft oder finden uns gar damit ab“, sagte sie. Umso wichtiger sei es „als Stadt weiter an unserem positiven Image zu arbeiten“ und dafür zu sorgen, dass die Region bei Förder- und Strukturmitteln nicht vernachlässigt wird.

Fast 30 Millionen Euro Investitionen

„Wir wissen alle, dass Weißwasser keine Sahneschnitte ist, aber wir müssen auch nicht Trendstadt sein, um Fortschritte zu erzielen. Wichtig sind und bleiben ein urbanes Lebensgefühl, kulturelle und sportliche Ankerpunkte, qualitätsvolle und wohnliche Quartiere und Kollektivität“, erklärte sie. Die WBG sieht ihre Verantwortung in modernem Wohnraum zu bezahlbaren Preisen. Bis 2025 wird das Unternehmen 29,7 Millionen Euro investieren, davon den Löwenanteil aus eigenen Mitteln.

Neue Fassade am Prof.-Wagenfeld-Ring in Weißwasser. Das Wohngebiet samt Außenanlagen ist eben erst fertiggestellt. Weithin leuchtet die Farbgebung eines stufenförmig zurückgebauten Wohnblocks. 5,5 Millionen Euro ließ sich die WBG die Quartiergestaltung mi
Neue Fassade am Prof.-Wagenfeld-Ring in Weißwasser. Das Wohngebiet samt Außenanlagen ist eben erst fertiggestellt. Weithin leuchtet die Farbgebung eines stufenförmig zurückgebauten Wohnblocks. 5,5 Millionen Euro ließ sich die WBG die Quartiergestaltung mi © Joachim Rehle

Neben der Anpassung an generationsgerechtes Wohnen geht es meist um energetische Maßnahmen. „Wir sollen das Klima retten und soziale Mieten gewährleisten. Aber genau damit stehen wir zwischen den Forderungen der Politik auf der einen und den Ansprüchen und der Leistungsfähigkeit unserer Mieterinnen und Mieter auf der anderen Seite“, erklärte Petra Sczesny. Dass seit dem vorigen Jahr weniger Modernisierungskosten auf die Miete umgelegt werden dürfen, schränke die Refinanzierung von Investitionen weiter ein. Durch steigende Baukosten bei gleichzeitigem Bevölkerungsrückgang würden herkömmliche Kalkulationen für den zweiten Sanierungszyklus nicht mehr aufgehen. „Im Übrigen lehnen die Mieter zunehmend Miet-Erhöhungen wegen baulicher Maßnahmen zum weiteren Klimaschutz ab“, so die Geschäftsführerin der WBG. Nach ihrer Beobachtung „scheint sich perspektivisch ein nicht zu unterschätzendes Konfliktpotenzial aufzubauen“.

Mit 28 Mitarbeitern ist die WBG ein moderner, gut aufgestellter Dienstleister der Wohnungswirtschaft. Aktuell hat das Unternehmen einen Bestand von knapp 3.850 Wohn- und Gewerbeeinheiten und verwaltet außerdem 590 fremde Einheiten. Ab 2021 könnten weitere 240 hinzukommen. Wegen Corona sei mit Verzögerungen bei Instandhaltungs- und Baumaßnahmen zu rechnen, wobei sich die tatsächlichen Auswirkungen noch nicht zuverlässig einschätzen ließen. Trotz allem richte man den Blick in die Zukunft – „optimistisch, entschlossen und zuversichtlich“, versicherte Petra Sczesny.Stadträtin Kathrin Jung (SPD) zeigte sich beeindruckt von dem Vortrag – wie von den Leistungen der WBG als kommunalem Wohnungsunternehmen. Aus ihrer Sicht sei es „wichtig, dass wir die wirklich erfolgreichen Gesellschaften in unserer Stadt immer wieder in den Fokus rücken.“

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