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Wie die Zukunft von Mühlrose aussieht

Beim Bürgerdialog gibt es viele Fragen – und längst nicht auf alles eine Antwort. So manchem geht es viel zu langsam.

© Constanze Knappe

Von Constanze Knappe

Mit großem Interesse betrachtet Robert Koitschka den Entwurf des Bebauungsplans für den neuen Standort von Mühlrose. Der 36-Jährige würde dort gern ein Haus bauen für sich, seine Freundin und den elf Wochen alten Sohn. Obwohl das in den Plänen alles schon recht gut aussieht, bleibt der Mühlroser dennoch skeptisch. Die geplatzte Abstimmung des Gemeinderats Trebendorf über den Grundlagenvertrag zur Umsiedlung seines Heimatdorfs hat ihn vorsichtig gemacht. Dennoch ist er zum Bürgerdialog in den Saal der Gaststätte „Zur Erholung“ nach Mühlrose gekommen. Erstmals wird dort nach monatelanger Vorarbeit der aktuelle Bearbeitungsstand der Pläne öffentlich vorgestellt.

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Sie wünsche sich so schnell wie möglich eine Umsiedlung, erklärt Liesbeth Fabian. Schließlich habe es schon vor fünf Jahren losgehen sollen. „Wir wollen endlich wissen, woran wir sind“, sagt die 74-Jährige energisch. Das Gezerre an den Nerven sei schwer genug. Sie werde ja auch immer älter. Sie selbst ist in Mühlrose geboren. Mit ihrem Sohn André (52), der in seinem Elternhaus wohnt, möchte Liesbeth Fabian wissen, wie es weitergeht.

Enger Zeitplan für die Umsiedlung

Die Gemeinde Schleife hat zum Bürgerdialog eingeladen. Vertreter der Verwaltung, von Behörden, vom Regionalen Planungsverband, der Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) und die Planer erklären, wie die Umsiedlung von Mühlrose vonstattengehen soll. Der Zeitplan ist eng: Im Januar 2019 soll der Grundlagenvertrag unterschrieben werden und im April in Kraft treten. Danach wird die Leag mit der Erschließung des für den neuen Standort von Mühlrose vorgesehenen Geländes beginnen. Ab Sommer 2020 können dort die ersten Häuser gebaut werden. 2024 soll die Umsiedlung von Mühlrose abgeschlossen sein. In einer Umfrage der Leag hatte sich im vorigen Herbst ein großer Teil der Einwohner für den Umzug nach Schleife entschieden.

36 Interessenten für Grundstücke

Wie TAGEBLATT vorab von Leag-Umsiedlungsmanager Martin Klausch erfuhr, leben die 200 Einwohner in Mühlrose auf 60 Grundstücken. Nach jetziger Kenntnis wollen 28 Eigentümer am neuen Standort bauen, dazu acht Interessenten, die bislang Mieter waren. „Manche warten noch ab. Das ist verständlich“, sagt er. Die Leag selbst wird zwei Gebäude mit insgesamt sechs Mietwohnungen errichten und diese auch betreiben. Eine Entschädigung bekommen auch jene Eigentümer, die sich nicht an der Gemeinschaftslösung beteiligen, sich ihre Zukunft in Trebendorf, Weißwasser oder anderswo einrichten wollen.

Sobald die ersten Häuser stehen, geht es an den Ersatzbau kommunaler Einrichtungen wie Vereinshaus und Schwimmbad. Ersteres habe Priorität, damit am neuen Standort schnellstmöglich wieder ein dörfliches Gemeinschaftsleben entsteht, erklärt Thomas Penk, bei der Leag ebenfalls für die Umsiedlung zuständig. Anders als zu Zeiten von Vattenfall wird die Leag allerdings nur das entschädigen, was sie tatsächlich in Anspruch nimmt. Daran lässt das Unternehmen keinen Zweifel.

Der Bürgerdialog ist als Form der öffentlichen Beteiligung gedacht. „Es war uns wichtig, beizeiten mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen“, so Bürgermeister Reinhard Bork (parteilos). Wie er sagt, erhoffe sich die Gemeinde Anregungen der Mühlroser, um diese frühzeitig in die Pläne einarbeiten zu können. Bis Jahresende soll der Entwurf stehen, dann in den Technischen Ausschüssen der Gemeinderäte von Schleife und Trebendorf diskutiert und im Februar 2019 öffentlich ausgelegt werden. Ab Juli soll der Plan dann gelten.

„Die Planer haben sich große Mühe gegeben, den Wünschen der Mühlroser zu entsprechen. Ob das in jedem Falle passt, wird man sehen“, sagt Reinhard Bork. Für den neuen Standort wird statt einer Siedlung eine dörfliche Bebauung angestrebt – mit dem Vereinshaus als Ortsmitte. Die Bushaltestelle hätten die Mühlroser am liebsten auch mitten in ihrem neuen Ort.

Fingerspitzengefühl beim Friedhof

Fragen gibt es zum neuen Friedhof von Mühlrose, der neben dem Schleifer Friedhof seinen Platz mit separatem Eingang findet, eine eigene Zufahrt über die Spremberger Straße und zusätzliche Parkflächen erhält. Es sei eines der Themen, die als Erstes anzugehen sind. „Dort müssen Bestattungen stattfinden können, bevor der Friedhof von Mühlrose geschlossen wird“, sagt Thomas Penk. Auch sei die Frage der Umbettung mit sehr viel Fingerspitzengefühl zu behandeln. Nach Aussage der Leag-Vertreter werde es bei Einzelumsiedlungen ebenfalls die Möglichkeit geben, die Grabstelle der Familie mitzunehmen. Allerdings mache das nicht jeder Friedhof mit.

Vom Kreisverkehr am Schulkomplex aus wird es eine Baustraße zu Neu-Mühlrose geben, weil die bisher bestehende Zufahrt nur für 3,5 Tonnen ausgelegt ist und die Gemeinde Schleife nicht über mehrere Jahre den Baulastverkehr dort entlangführen will. Diese Baustraße soll später dauerhaft erhalten bleiben. „Es wäre die kürzeste Verbindung von der neuen Schule zum Schwimmbad“, so der Bürgermeister. Ob Straßenbreiten, Gehwegplanung oder die Erschließung mit Erdgas – die Mühlroser, deren Dorf dem Tagebau weichen soll, haben viele Fragen. Und nicht nur sie. Bürger von Schleife ebenso. Die Anwohner vom Lieskauer und Groß Dübener Weg wollen sich ein Bild davon machen, was sie in ihrer Nachbarschaft künftig erwartet.

Mehr als 80 Interessenten nutzen die Gelegenheit zur Information vor Ort. „Das Interesse ist größer als erwartet“, freut sich Martin Klausch. „Daran sieht man, dass das Thema nicht nur den Mühlrosern wichtig ist“, sagt er. Bei der Leag hofft man, dass der Gemeinderat Trebendorf in seiner Sondersitzung am 5. November dem Grundlagenvertrag zur Umsiedlung zustimmt.

Alles hängt an Kohle-Kommission

Beim Bürgerdialog ist deutlich die Angst der Mühlroser zu spüren, dass doch noch was dazwischenkommt. „Sie haben Angst, dass der Zeitplan nicht eingehalten wird“, stellt Sten Kowalick vom Beirat Umsiedlung in Gesprächen fest. Robert Koitschka hofft, „dass endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden“. Mit Verweis auf die Kohle-Kommission fügt er jedoch hinzu, dass es bis zu deren Entscheidung „noch keinen Sinn macht, sich schon das neue Leben auszumalen“. Auf Nachfrage von TAGEBLATT erklären die Leag-Vertreter Martin Klausch und Thomas Penk: „Wir gehen ganz klar davon aus, dass unser Revierkonzept von 2017, welches den europäischen Klimazielen angepasst ist, so umgesetzt wird. Sollte es nach der Entscheidung der Kohle-Kommission massive Einschnitte geben, kommt alles auf den Prüfstand.“