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Wie Diebe das Pfarramt plünderten

Noch Tage nach dem Einbruch ist Rothenburgs Pfarrer Daniel Schmidt erschüttert. In der SZ erzählt er, wie er alles erlebte.

Pfarrer Daniel Schmidt zeigt am Rothenburger Pfarramt das Fenster, durch das die Diebe in sein Büro eingedrungen sind. Um zum Fenster zu kommen, stellten sie ein in unmittelbarer Nähe gefundenes Rosengitter an die Hauswand.
Pfarrer Daniel Schmidt zeigt am Rothenburger Pfarramt das Fenster, durch das die Diebe in sein Büro eingedrungen sind. Um zum Fenster zu kommen, stellten sie ein in unmittelbarer Nähe gefundenes Rosengitter an die Hauswand. © André Schulze

Dass es Daniel Schmidt selbst erwischt, hat sich der Pfarrer der evangelischen Kirchgemeinde Rothenburg so nicht vorstellen können. Doch nun ist es passiert. In der Nacht zum Freitag drangen unbekannte Diebe in das Büro des Pfarrers im Pfarramt ein. „Sie nutzten dafür ein gefundenes Rosengitter, stiegen auf diesem zum Fenster empor und hebelten es auf“, beschreibt der Pfarrer den Tathergang nach polizeilichen Ermittlungen. Das geschah alles leise, denn weder die Familie Schmidt noch andere Bewohner des Pfarrhauses haben von den Einbrechern etwas mitbekommen. „Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man weiß, dass nachts fremde Leute im Haus umherschleichen und sich am Eigentum anderer vergreifen, sagt der Pfarrer .

Das aufgebrochene Fenster führt direkt in das private Arbeitszimmer im Erdgeschoss. Dort hatten es die Diebe auf die Sammlung des 40-Jährigen abgesehen. Der hobbymäßige Sportschütze lagert in diesem Raum, der zu seiner Dienstwohnung gehört, in einem verschlossenen Schrank seine Luftdruckwaffen. Das Vorhängeschloss wurde geknackt und drei Luftgewehre sowie sieben Luftpistolen samt Munition entwendet.

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Das ist ärgerlich, aber was den Rothenburger noch mehr wurmt ist, dass auch seine dort ausgestellte Sammlung an Taschenuhren den Dieben in die Hände fiel. „Alle 62 Stück haben sie mitgenommen, wobei ein Teil davon Replikate sind. Für mich hat diese Sammlung, die ich über Jahre zusammengetragen habe, vor allem einen hohen ideellen Wert“, berichtet der Pfarrer. Denn sie hat einen hohen Sammelwert, da Schmidt komplette Sätze an Taschenuhren in den Setzkästen aufbewahrte. „Zudem ist es für meine Gäste immer ein Hingucker gewesen, wenn sie meine Uhrensammlung im Büro entdeckten.“

Nicht alle Luftdruckwaffen haben die Einbrecher mitgenommen.
Nicht alle Luftdruckwaffen haben die Einbrecher mitgenommen. ©  André Schulze

Glück im Unglück hatte der Pfarrer damit, dass die Diebe sich nicht auch noch seinen Laptop geschnappt haben. „Den hatte ich in meiner Wohnung. Sonst wäre er sicherlich auch mit weg gewesen.“ Die Vermutung wird gestützt dadurch, dass Freitagfrüh die Tasche für diesen Computer verschwunden war.

Der Spurensuche nach, mussten sich die oder der Einbrecher einen anderen Fluchtweg suchen. Denn das angestellte Rosengitter war vom Fenster abgerutscht und die Unbekannten wollten beziehungsweise konnten mit ihrer Beute nicht zwei Meter in die Tiefe springen. Also suchten sie über das Pfarramt den Weg ins Freie und flüchteten über den Hof. Dabei fiel ihnen die Kollekte in die Hand, die sie auch noch mitgehen ließen. Rund 300 Euro sollen in ihr gewesen sein, sagt der Pfarrer.

Er vermutet, dass die Eindringlinge bei ihrer Tat gestört wurden, sonst hätten sie noch mehr aus dem persönlichen Besitz des Pfarrers weggeschleppt. „Ein Nachbar fährt jeden Morgen um halb drei auf Arbeit. Kann sein, dass das Motorgeräusch die Einbrecher vertrieben hat“, schlussfolgert Daniel Schmidt.

In den leeren Setzkästen befand sich die Sammlung von 62 Taschenuhren.
In den leeren Setzkästen befand sich die Sammlung von 62 Taschenuhren. ©  André Schulze

Die Kriminalpolizei hat bereits am Freitag Spuren gesichert und die Ermittlungen aufgenommen. Wobei, großen Sachschaden haben die Einbrecher nicht hinterlassen, sowohl was das aufgebrochene Fenster als auch den Schrank betrifft. Beides wurde noch am Freitag repariert.

Pfarrer Schmidt beschäftigt nun die Frage: Wie schützt man sich davor? Diese will er mit dem Gemeindekirchenrat beraten. Die Fenster im Erdgeschoss zu vergittern, hält er für keine Lösung. Schließlich wirbt die Kirche mit ihrer Offenheit. Dann eher in Alarm- und Überwachungstechnik investieren. Aber die kostet zusätzliches Geld, das bisher nicht vorgesehen ist.

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