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Görlitz

Verunsicherte Reisende nach Thomas-Cook-Pleite

In den Reisebüros von Görlitz und Niesky standen heute die Telefone nicht still.  Doch es fehlt an Informationen. Für manche ist es eine Katastrophe.

Symbolbild: Das Logo der Thomas Cook Tochter Condor ist am Tag der Insolvenz des britischen Reisekonzerns Thomas Cook vor einem geschlossenen Schalter auf einem Absperrband zu sehen
Symbolbild: Das Logo der Thomas Cook Tochter Condor ist am Tag der Insolvenz des britischen Reisekonzerns Thomas Cook vor einem geschlossenen Schalter auf einem Absperrband zu sehen ©  dpa

Der Chef vom Görlitzer Reisebüro Urlaubsparadies Ralf Schmidt hat am Montagvormittag keine Zeit, um Fragen der SZ zu beantworten. „Gerade sitzen zwei Leute vor mir, die sehr besorgt und aufgeregt sind und viele Fragen zu ihrer Urlaubsreise haben“, sagt er. In fast allen anderen Görlitzer Reisebüros ist das ähnlich, klingeln ebenfalls am Montagvormittag die Telefone heiß. Anfragen über Anfragen haben Görlitzer zu ihrem gebuchten Urlaub.

Die Hiobsbotschaft wurde am Montagmorgen zur Gewissheit: Der britische Touristikkonzern Thomas Cook hat Insolvenz angemeldet. Zwar seien die kontinentalen und nordischen Gesellschaften nicht von dem Insolvenzverfahren in Großbritannien betroffen, heißt es, aber die Unsicherheit hierzulande ist dennoch groß. Die Insolvenz trifft nämlich auch die deutschen Töchter des Unternehmens.

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„Zurzeit kann man gar nicht viel sagen, nur so viel, die Ungewissheit ist riesig“, sagt Mario Kosubek, Inhaber des Reisebüros Richter in Görlitz. Zwar fliegt die Fluggesellschaft Condor, auch eine Cook-Tochtergesellschaft, derzeit weiter, aber was passiert, wisse niemand, sagt er. Am gestrigen Nachmittag waren online keine Flüge bei dieser Airline zu buchen. Kosubek befürchtet, dass auch hier eine Insolvenz folgt. Mit Informationen kann er den Reisegästen, die bei ihm gebucht haben, nur wenig dienen. „Wir wissen nicht mehr, als das, was Thomas Cook am Montagmorgen in einer knappen Information mitgeteilt hat.“ Es sei auf Notgeschäftsführung umgestellt worden. Die Durchführung von Reisen mit Abreisedatum 23. und 24. September konnte nicht gewährleistet werden. Jeglicher Verkauf von Reisen bei Thomas Cook und Tochtergesellschaften ist gestoppt. Wie Kosubek weiter informiert, würde die deutsche Tochter Thomas Cook mit Sitz in Oberursel jetzt verschiedene Optionen ausloten. Bei einem Scheitern drohen weitere Insolvenzanträge. Mario Kosubek ahnt nichts Gutes. Und auch, dass etliche Görlitzer unter den Urlaubern sind, die ihre gebuchten Ferien nicht antreten können. Er selbst hat nicht sehr viele Reisen mit dem Veranstalter Thomas Cook an Görlitzer verkauft. Einige aber schon.

So wie etliche andere Görlitzer und Nieskyer Reisebüros, die nicht nur ihre eigenen Busreisen verkaufen, sondern Reisen von vielen Touristikunternehmen anbieten. Für Christiane Makosch vom Reisebüro Görlitzer Alternativreisen ist die Pleite von Thomas Cook in Großbritannien „eine Katastrophe“, wie sie sagt. „Es ist schon die zweite Insolvenz, die wir in diesem Jahr abfangen müssen“, sagt sie und erinnert an die Insolvenz der Fluggesellschaft Germania. „Wir sind schockiert, können aber überhaupt noch nicht viel sagen, weil Informationen fehlen“, berichtet sie. Ähnlich geht es Katrin Hille von der Reiseagentur Niesky. „Wir waren schon zeitig im Büro und hatten eine Schlange von Menschen davor befürchtet“, erklärt sie. Die Schlange gab es zwar nicht, aber viele Anfragen von Reisegästen per Telefon. „Die Verunsicherung ist riesengroß“, betont Frau Hille. Vor allem, dass sie selbst den aufgeregten Kunden nicht viel sagen kann, ärgert sie. „Es gab ein kurzes Schreiben vom Konzern, aber überhaupt keine Hinweise, wie wir den Reisegästen jetzt helfen können. Wir müssen der Dinge harren“, sagt sie. „Im Moment ist alles in der Schwebe.“

Katrin Hille und ihr Team haben sich zunächst einen Überblick verschafft, wie viele ihrer Kunden von der Thomas-Cook-Insolvenz betroffen sind. Mit einigen hat sie schon gesprochen, ohne aber konkret helfen zu können. „Die Pleite betrifft vor allem Kunden mit Pauschalreisen“, erklärt sie und hofft, dass die deutschen Cook-Töchter verschont bleiben. „Wir verfolgen die Entwicklung sehr aufmerksam“, betont Katrin Hille.

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Für die Herbstferien in Sachsen, in denen auch Görlitzer und Nieskyer Familien gerne noch mal ins Warme fliegen, vermuten Mario Kosubek, Christiane Makosch und Katrin Hille Probleme, kurzfristig noch sehr viele Reiseangebote verkaufen zu können. Die Kontingente von Thomas Cook fallen weg. „Und nicht jeder, der schon gebucht hat, die Reise wegen der Pleite aber nicht antreten kann, hat sofort das Geld für eine weitere Reisebuchung“, gibt Mario Kosubek zu bedenken. Zwar sind deutsche Pauschaltouristen bei Reiseausfällen über den Reisesicherungsschein abgesichert. Bis sie aber ihr Geld zurückbekommen, können viele Monate vergehen. Christiane Makosch gibt zu bedenken, dass die Insolvenz die Reisebüros selbst auch betrifft: „Natürlich stehen wir unseren Kunden hilfreich zur Seite“, betont sie. Aber für die mehrfache Arbeit, die die Mitarbeiter erledigen, komme kein Reiseveranstalter auf, sagt sie.

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