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Wie Döbelner Schüler eine Demo in Athen erleben

Vier Gymnasiasten diskutieren in Griechenland mit Politikern. Über manche ihrer Antworten staunen die jungen Leute.

Von Cathrin Reichelt

Wütende Gewerkschafter und Kommunisten in Volksfeststimmung erleben vier Döbelner Gymnasiasten und ihre Lehrerin in Athen. „Die Gewerkschafter waren sehr aufgebracht, haben gegen die Troika und für den EU-Austritt demonstriert“, erklärt Friedhelm Finsterbusch. Die beiden größten Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes in Griechenland hatten zu der Veranstaltung aufgerufen. Hintergrund waren unter anderem Einschränkungen der Arbeitnehmerrechte, Lohnkürzungen bis zu 15 Prozent und großer Stellenabbau. Auch die Kommunisten sind mit den Zuständen in ihrem Land unzufrieden. „Aber irgendwie waren sie volksnäher. Sie haben laute griechische Musik gespielt und es gab einige Stände“, erzählt der Zehntklässler.

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Eigentlich waren er, Richard Wintsche (18), Ahmed Shah (18), Matti Simon (16) sowie Deutsch- und Geschichtslehrerin Sieglinde Kastner für ein Projekt der TU Chemnitz nach Athen gereist. In dem geht es um die Finanz- und Schuldenkrise in der Eurozone aus Sicht deutscher und griechischer Parlamentsabgeordneter.

Die Demonstrationen haben die Fünf aber besonders beeindruckt. „Ich war positiv schockiert, wie wenige Polizisten dort waren“, meint Sieglinde Kastner. Es habe keine handgreiflichen Auseinandersetzungen gegeben, und niemand in den Demonstrationszügen habe Alkohol getrunken. Die Schüler hatten einen anderen Blick auf das Geschehen. So seien die Demonstranten durch ein nobleres Viertel gelaufen. Die sogenannten Schönen und Reichen hätten sich davon aber überhaupt nicht beeindrucken lassen, sondern ihre Einkäufe fortgesetzt, als gäbe es die Demo gar nicht.

Vorurteile abbauen

Nach ihrer Reise hat sich die Sicht der Gymnasiasten auf Griechenland relativiert. Und der Ausflug hat bei der kleinen Gruppe bewirkt, was sowohl deutsche als auch griechische Politiker in ihren Ländern erreichen wollen: Sie wünschen sich, dass die Vorurteile gegenüber dem jeweils anderen abgebaut werden. Die jungen Leute haben Interviews mit Christos Stavros Dimas und Dimitris Katsoudas geführt. Beides Vertreter der neuen Demokratie. „Sie waren sehr offen und freundlich“, meint Richard. „Die Antworten sehr vernünftig und rational“, ergänzt Matti. „Sie haben den Medien vorgeworfen, dass sie ihre Macht für reißerische Artikel ausnutzen“, sagt Ahmed. Beide Politiker hätten verurteilt, was die griechische Presse über Angela Merkel geschrieben hat. Die Deutsche sei eine gute Bundeskanzlerin und in Europa eine Vorreiterin. Den Schülern sei deutlich geworden, dass die Griechen keineswegs faul seien, aber sehr unter der Staatskrise leiden. Ihnen stehe weniger Geld zur Verfügung, es gäbe eine hohe Jugendarbeitslosigkeit, viele Obdachlose und zahlreiche verlassene Häuser. Die Unterstützung der EU sei notwendig. Aus der Gemeinschaft auszutreten, wäre ein Rückschritt, seien sich die Politiker sicher.

Die Interviews haben die Schüler in englischer Sprache geführt und auf Tonband aufgenommen. Das werten sie in den kommenden Wochen aus und fassen ihre Eindrücke in einer Präsentation zusammen. Zur Vorführung an der Technischen Universität sind auch zwei Minister eingeladen.