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Freital

Wie ein Architekt Freitals Zentrum plant

Hardy Wolf muss die Balance zwischen Einkaufen, Wohnen und Arbeiten finden. Und er macht ein Versprechen.

Hardy Wolf ist Spezialist für die Planung von Wohnhäusern. Nun geht es um ein Stadtzentrum für Freital.
Hardy Wolf ist Spezialist für die Planung von Wohnhäusern. Nun geht es um ein Stadtzentrum für Freital. © Andreas Weihs

Wenn Hardy Wolf aus seinem Büro schaut, erblickt er ein Einfamilienhaus, Hecken und ein Fichtenwäldchen. Trubel und Verkehr einer Stadt sind an der Freitaler Burgwartstraße weit weg. Doch genau hier entscheidet sich die Zukunft des Stadtzentrums mit. Wolf ist Architekt und im Auftrag des Investors Günter Herms und dessen Unternehmen HD Investitions- und Verwaltungs GmbH zuständig für die Planung des Projektes Sächsischer Wolf.

Aus planerischer Sicht steckt das Vorhaben noch in den Kinderschuhen. Offiziell gestartet ist Wolf am 7. November vergangenen Jahres. Damals gab der Freitaler Stadtrat grünes Licht für die Aufstellung eines Bebauungsplanes. In dem wird die gesamte Gestaltung des Areals Sächsischer Wolf geregelt. Festgelegt werden unter anderem Gebäudeformen und -größen, Gestaltung von Ein- und Ausfahrten, die Anzahl der Parkplätze, die Nutzungsarten von Gewerbeeinheiten, die Grünflächengestaltung. Gut ein Jahr dauert das Verfahren - wenn es gut läuft.

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Fertige Entwürfe hat Hardy Wolf deshalb noch keine auf dem Tisch liegen. Aber er hat viele Ideen und natürlich die Vorgaben des Investors und der Stadt. "Eines kann ich versprechen: Es wird keine Bebauung wie zwischen dem Dresdner Hauptbahnhof und dem Kulturpalast geben", sagt Wolf.

Fest steht, dass auf dem rund 21.500 Quadratmeter großen Grundstück zwei große Gebäudekomplexe gebaut werden sollen. Ein Gebäuderiegel wird straßenbegleitend an der Poisentalstraße/Dresdner Straße entstehen, also um die Ecke herum errichtet. Das Erdgeschoss soll etwa 5.500 Quadratmeter groß werden und vor allem für Einzelhandel, Dienstleistungen und Gastronomie zur Verfügung stehen. Die Vermarktung ist bereits angelaufen, aber erst wenn fest steht, wer Gewerbeeinheiten mieten möchte, beginnt die konkrete Planung in Abstimmung mit den zukünftigen Ladenbetreibern. 

Im Gespräch  ist ganz konkret ein Drogeriemarkt, zudem geht es um Nahversorgung. "Wir werden hier keinen zweiten Weißeritzpark bauen. Das Stadtzentrum wird kein Einkaufszentrum." Deshalb haben die zwei Obergeschosse, in denen teilweise Wohnungen aber unter anderem auch Büros und Praxen entstehen sollen, wesentlich kleinere Grundflächen. Der Komplex verjüngt sich demnach nach oben hin. Keinesfalls werde man höher bauen, als die in Sichtweite liegenden Gründerzeitbauten es sind, versichert Wolf. "Zudem will ich mich an die für Freital typische Optik halten, also Sockelzone, Erdgeschosse, Obergeschosse. Ich staple nichts übereinander und lasse keine gesichtslosen Gebilde bauen." 

Kindergarten mit Dachspielplatz

Das zweite Gebäude entsteht zurückgesetzt im hinteren Grundstücksbereich nahe der Weißeritz, der Giebel soll zum Fluss hin zeigen. Auch hier soll die Erdgeschossfläche größer sein, als die zwei darüberliegenden Etagen. In diesem Haus könnte Platz für einen Kindergarten geschaffen werden, mit Spielfläche auf dem Flachdach. Beide Gebäude, das ist Wolf wichtig, werden so angeordnet, dass sie den Blick zum Windberg nicht komplett verstellen. "Der Windberg muss von der Dresdner Straße aus weiter zu sehen sein", bekräftigt der Architekt.

Zwischen den beiden Häusern entsteht der Stadtplatz. Es soll ein Areal für Passanten werden, auf dem im Sommer die Tische und Stühle von Restaurants stehen. Vom Stadtplatz aus, der keine Konkurrenz zum nahe gelegenen Neumarkt werden soll, führt eine Brücke über die Weißeritz zum sogenannten Becker-Gelände. Dort haben die Umweltdienste Becker noch ihren Firmensitz, Garagen und Werkstätten, teilweise wird hier noch Abfall umgeschlagen. Doch das ist bald endgültig vorbei. In Freital-Wurgwitz hat das Unternehmen bereits einen neuen Betriebshof eingerichtet, schrittweise wird das Geschäft verlagert. Vorgesehen ist, dass nur das Becker-Bürogebäude stehen bleibt und weiter von der Firma genutzt wird. Alles andere kommt weg. An der Stelle entsteht ein neues Wohnviertel mit mehreren Stadthäusern. Diese werden ebenfalls von Hardy Wolf geplant.

Stadtrat muss neu entscheiden

Das Stadtzentrum und Wohngebiet nun in einer Hand liegen, war so nicht absehbar. Die HD war beim Bieterwettstreit um den Sächsischen Wolf einem Unternehmen aus Sachsen unterlegen, der RTLL-Gruppe. Doch wegen uranhaltiger Altlasten im Boden des ehemaligen Industriegebietes stellte RTLL neue Forderungen an die Stadt. Es ging um eine Beteiligung in Millionenhöhe bei der Entsorgung des kontaminierten Erdreichs. Der Stadtrat entzog RTLL schließlich den Zuschlag und vergab die Aufgabe, ein Stadtzentrum zu errichten, an Günter Herms und seine HD-Gruppe. Das war im Mai 2019. Kürzlich aber hob das Kommunalparlament alle Beschlüsse dazu wieder auf. Das soll den Weg freimachen für Verhandlungen zwischen RTLL, HD und der Stadt.

Hardy Wolf plant dessen ungeachtet weiter am Stadtzentrum. In den nächsten Wochen wird es darum gehen, den Zentrumsbau gründlich zu prüfen. Zahlreiche Behörden und Institutionen müssen ihr Einverständnis dazu geben: die Landestalsperrenverwaltung, der Energieversorger, die Telekom, die Naturschützer, das Landesamt für Straßenbau und Verkehr, die Landeshauptstadt Dresden und alle umliegenden Gemeinden sowie die Archäologen - um nur einige zu nennen. Es ist eine lange Liste, die Architekt Wolf abarbeiten muss.  

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Hardy Wolf lebt und arbeitet seit vielen Jahren in Freital. Er studierte in den Achtzigerjahren in Dresden, wollte anschließend sogar promovieren. Die Wende kam dazwischen und der Architekt arbeitete zunächst an Forschungsprojekten der Technischen Universität mit. 1993 machte er sich selbstständig. Eines seiner ersten Projekte war der Bau des damaligen Saab-Autohauses an der Coschützer Straße in Freital. 1995 plante er die Sanierung des Freitaler Stadtkulturhauses. Hardy Wolf ist vor allem Wohnungsbauplaner sowohl für Sanierungs- als auch für Neubauprojekte. Dass es nun um ein ganzes Stadtviertel geht, macht ihn nicht nervös. "Das ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Mein Team und ich freuen sich auf diese Herausforderung."     

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