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Wie ein Bäcker Lebensmittel rettet

Markus Thonig aus Wilthen beteiligt sich an einer Aktion, von der Produzenten und Kunden profitieren. Er ist damit nicht der Einzige im Landkreis Bautzen.

Von Katja Schäfer
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Der Wilthener Bäckermeister Markus Thonig zeigt ein Beispiel dafür, wie viele Backwaren Kunden zum kleinen Preis bekommen können, wenn sie die App „Too good to go“ nutzen. Die Aktion soll Lebensmittelverschwendung vermeiden.
Der Wilthener Bäckermeister Markus Thonig zeigt ein Beispiel dafür, wie viele Backwaren Kunden zum kleinen Preis bekommen können, wenn sie die App „Too good to go“ nutzen. Die Aktion soll Lebensmittelverschwendung vermeiden. © Steffen Unger

Bautzen. Ein Brot, sechs Brötchen, ein Hörnchen und drei Stück Kuchen legt Markus Thonig auf die Ladentheke seiner Bäckerei. Um die neun Euro bezahlen Kunden normalerweise dafür. Doch in dem Wilthener Geschäft können sie all diese Backwaren schon für 3,50 Euro einpacken. Wenn sie zu Ladenschluss kommen und zuvor eine spezielle App genutzt haben.

Dieses Programm, das auf dem Smartphone installiert werden kann, soll Lebensmittel vor der Abfalltonne retten. „Too good to go“ heißt die App; was wörtlich übersetzt „Zu gut, um zu gehen“ heißt. Der Einfachheit halber sagen viele Nutzer kurz TGTG. „Wir setzen uns für eine Welt ein, in der produzierte Lebensmittel auch konsumiert werden“, erklärt Franziska Lienert vom TGTG-Team. Ihren Aussagen nach werden in Deutschland jährlich 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Um dieser Verschwendung zu begegnen, wurde ein Konzept entwickelt, das Gaststätten, Bäcker, Fleischer und anderen Anbieter mit den Kunden vernetzt. Die kostenlose App vermittelt überproduzierte Lebensmittel zu reduzierten Preisen.

Mit Ressourcen sparsam umgehen

„Ich habe in der Fachpresse davon gelesen und fand das sofort eine gute Sache“, erzählt Markus Thonig. Der 36-Jährige führt die alteingesessene Wilthener Bäckerei seit zehn Jahren, beschäftigt in Backstube und Laden fünf Leute und bildet derzeit einen Lehrling aus. Ihm ist es wichtig, mit Ressourcen sparsam umzugehen. Und er achtet darauf, möglichst viele Rohstoffe aus der Region zu beziehen „Es muss nicht alles über zig Kilometer gekarrt werden“, sagt der Bäckermeister. Mehl kauft er zum Beispiel bei der Rätze-Mühle in Spittwitz. Das Getreide dafür wächst bei Bautzen.

In seiner Bäckerei bleibt oft was übrig. Warum er nicht einfach weniger bäckt, begründet Markus Thonig so: „Ich weiß ja nie, wie viele Leute kommen und was sie kaufen. Außerdem soll auch der letzte Kunde noch etwas Auswahl haben.“ Bisher spendete der Bäckermeister das Unverkaufte meist der „Tafel“, die Bedürftige versorgt. „Dorthin gebe ich jetzt etwas weniger“, räumt er ein. Denn die TGTG-Aktion, an der er sich seit Februar beteiligt, wird gut angenommen. Von den zehn Portionen, die die Bäckerei pro Woche anbietet, gehen fünf bis sechs weg. „Davon profitieren beide Seiten. Der Kunde bekommt Backwaren preiswerter und wir nehmen damit wenigstens noch etwas Geld ein“, kommentiert Markus Thonig, der rund 20 verschiedene Brote, 20 Brötchensorten und diverse Kuchen bäckt – allerdings nicht jeden Tag alle. Er findet das Ganze zudem eine gute Möglichkeit für Leute, die zwar gern beim Bäcker kaufen wollen, denen die normalen Preise aber zu hoch sind.

Um die Hälfte billiger

Die Sache funktioniert so: Die Anbieter, die in der App vertreten sind, geben an, wie viele Portionen sie am Abend verbilligt verkaufen. Eine Portion soll maximal die Hälfte des Originalpreises kosten; durchschnittlich drei Euro. Die Bäckerei Thonig bietet Tüten mit Brot, Brötchen und süßen Teilchen für 3,50 Euro an, die Nordsee-Filiale im Bautzener Kornmarktcenter drei verschiedene Snacks wie Backfisch-Baguette, Salat und eine Sushi-Box für 2,90 Euro. Die Kunden kaufen und bezahlen per App und können sich die Waren zum Ladenschluss abholen. Sie wissen allerdings vorher nicht, was genau sie bekommen. Das hängt davon ab, was übrig ist.

Die Wilthener Bäckerei und Nordsee im Kornmarktcenter sind gegenwärtig die einzigen in der Bautzener Gegend, die sich an „Too god to go“ beteiligen. Im Landkreis sind außerdem noch die Bäckerei Gnauck in Ottendorf-Okrilla und Nordsee im Lausitz-Center in Hoyerswerda mit von der Partie. Die bisherige Resonanz stellt sie zufrieden. Die Bautzener Nordsee-Filiale hat letztes Jahr 287 Portionen gerettet, dieses Jahr waren es allein bis Mitte April schon über 450, berichtet Susanne Pfalzer von der Marketing-Abteilung des Unternehmens. Marlon Gnauck, dessen Bäckerei in Ottendorf-Okrilla seit drei Monaten bei der Aktion mitmacht und pro Tag zwei Portionen anbietet, konnte schon rund 70 mit Backwaren gefüllte Tüten abgeben. „Es wird von den Leuten gut angenommen“, ist der Chef zufrieden.

Auch Markus Thonig hat es nicht bereut, sich bei TGTG angemeldet zu haben. „Es wäre gut, wenn mehr Anbieter in der Region mitmachen, damit diese gute Sache noch bekannter wird“, sagt er.