SZ +
Merken

Wie ein DDR-Schaltkreis Technisat die Zukunft sichert

Die Strategie von Technisat, kräftig in Forschung und Entwicklung zu investieren, ist voll aufgegangen.

Teilen
Folgen

Von Katlen Trautmann

Ein kleiner Schaltkreis entschied noch in der Wendezeit einen Wirtschaftswettlauf. In den 1980er Jahren lieferten sich DDR und BRD ein Rennen um das digitale Satellitenradio. Damit lässt sich Radio in CD-Qualität empfangen. Die Deutsche Bundespost entwickelte die Technologie. Die DDR-Führung hatte zwar kein Interesse am grenzenlosen Empfang von Westsendern–- ein Radiogerät sollte aber in den Export gehen.

Das Zentrum für Wissenschaft und Technik des Kombinats Rundfunk und Fernsehen in Dresden baute 1988 den ersten Schaltkreis für die Massenfertigung. „Der Schaltkreis war Weltspitze“, sagt Patentinhaber Jürgen Beuthner.

Die Dresdner Arbeitsgruppe bot 1990 dem Unternehmer Peter Lepper aus Daun (Bundesland Rheinland-Pfalz) ihr Wissen an. „Wir wollten unbedingt weg aus dem der Treuhand unterstellten Betrieb“, erinnert sich Ingenieur Beuthner.

Unternehmer Lepper, bis dahin unterwegs in Edelstahlröhren und Satellitenschüsseln, gründete zum 1. Juli 1990, dem Tag der Währungsreform die Technisat Digital GmbH für die 21 Ingenieure und Techniker in Dresden. Ihre Mitgift, Know-How und Schaltkreis, erlaubte die Entwicklung des Empfangsgerätes. Zwischen 1992 und dem Abschalten der Frequenzen 1999 kam eine sechsstellige Zahl Geräte in den Handel. Das Radiogerät hat einen Ehrenplatz im Technischen Museum München.

Technisat sprang auf den Zug der Folgetechnologien (Astra) auf und etablierte sich als Anbieter von Autoradios sowie Navigationssystemen und Premium-Fernsehgeräten. Im Jahr 2005 brachte die Firma als erstes Unternehmen weltweit einen Fernseher auf den Markt, der sämtliche Empfangsarten kombiniert. Bei Set-Top-Boxen ist das Unternehmen mit 40Prozent Anteil Marktführer. Diese Zusatzgeräte bereiten alle Signale für den Fernseher – unabhängig von dessen Bauart – auf.

Jürgen Beuthner, heute Geschäftsführer des Dresdner Standorts, bewertet die Fernsehsparte trotz ihres geringeren Volumens als Garantie für die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Technisat. „Diesen Schwerpunkt können wir selbst steuern. Mit Aufträgen der Automobilbranche kann jederzeit Schluss sein“, sagt der Manager.

Kontakt zu Stiftung Warentest

Die Technisat-Mannschaft legt Wert auf Bedienfreundlichkeit und Produktexpertisen und beweist damit Sinn fürs Geschäft. „Wir halten ständig Kontakt mit der Stiftung Warentest und haben uns zu Herzen genommen, dass viele Leute ihren Fernseher nicht bedienen können“, sagt Beuthner.

Eine intuitiv zu nutzende Fernbedienung wurde entwickelt. In einem modernen Messlabor testen die Dresdner, wie viel Strahlung ihre Geräte abgeben und ob sie sich durch andere Sender – zum Beispiel Handys – stören lassen. In Arbeit ist ein DSL-Internetanschluss für die Set-Top-Boxen. Er macht Internetfernsehen auf Großgerät möglich.

Für solche Forschungen wurde vorige Woche das Dresdner Forschungszentrum für 7,5 Millionen Euro erweitert. Es soll bis 2010 zum bedeutendsten Firmenstandort mit dann 350 Beschäftigten entwickelt werden (die SZ berichtete vor einer Woche). „Alle Standorte des Unternehmens sind dann davon abhängig“, sagte Technisat-Geschäftsführer Friedhelm Flamm. Mit dem Neubau hat sich die Firmenfläche am westlichen Stadtrand von Dresden fast verdoppelt.

„Die Strategie von Technisat, kräftig in Forschung und Entwicklung zu investieren, ist voll aufgegangen“, lobt Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD). Beuthner bekräftigt den Optimismus tatkräftig. Gerade hat er vierzehn neue Mitarbeiter eingestellt.