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Über Nacht berühmt

Vor drei Jahren hat Bäckermeister Stefan Richter aus Kubschütz über Facebook an den Discounter Lidl geschrieben – ein Brief mit ungeahnten Folgen.

© Uwe Soeder

Von Jana Ulbrich

Kubschütz. Zum Probieren für die Kunden gibt es heute mal veganen Apfelkuchen. Stefan Richter hat den Teig aus Dinkelmehl gerührt, nur mit ganz wenig Rohrzucker, dafür mit Honig, vielen Äpfeln und Zitrone. Der Kuchen schmeckt köstlich. So etwas bekommt man nicht im Supermarkt. Und auch nicht dieses herrliche Landbrot mit Sauerteig und Dinkel, nicht das Vollkornbrot aus altem Champagnerroggen vom Feld ganz in der Nähe und nicht diese unwiderstehliche Eierschecke, wie sie nur ein richtig guter Handwerker backen kann.

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Ein Großproduktions-Automat kann das nämlich nicht. Das hat Stefan Richter, Bäckermeister aus dem kleinen Dörfchen Kubschütz bei Bautzen, vor drei Jahren in einem offenen Brief an den Discounter Lidl geschrieben. Der Supermarktriese hatte ihm und allen anderen da gerade in einer Werbekampagne erklären wollen, was ein gutes Brot sei. Das hat den Bäckermeister zornig gemacht. Stefan Richter ist einer, der sein Handwerk liebt, der noch mit Leib und Seele bäckt, traditionell und nicht mit Fertigteiglingen aus China.

Ungeahnte Folgen

Den Brief an Lidl – ein nicht ganz ernst gemeintes Bewerbungsschreiben mit sehr ernstzunehmendem Inhalt – hat er auf seine Facebook-Seite gestellt und damit einen Hype ausgelöst. Der Brief wurde tausendfach geteilt. Journalisten riefen an, standen mit Kameras und Mikrofonen vor der Tür des kleinen Kubschützer Bäckerladens. In regionalen und überregionalen Zeitungen hat man über ihn berichtet, das Fernsehen hat ihn als Gesprächspartner in Talkshows eingeladen. Quasi über Nacht kannte ganz Deutschland seinen Namen.

Stefan Richter lächelt: „Da sieht man mal, welche Macht solche Medienkampagnen haben“, sagt der 38-Jährige. Auch heute, drei Jahre später, sprechen ihn Kunden und Kollegen noch darauf an. „Die Aktion“, sagt er, „hatte zwar ungeahnte Folgen, aber im Grunde nur positive.“ Selbst Kubschützer, die ihn kennen, hätten plötzlich einen ganz anderen Blick auf ihn und seine Arbeit gehabt, erzählt er. Er hat viele neue Stammkunden gewonnen. Und auch neue Kooperationspartner. Ein Landwirt aus der Nähe hat ihn angerufen. Seitdem bäckt er mit den alten Getreidesorten, mit Champagnerroggen, Dinkel, Emmer und Hafer. „Durch die große Aufmerksamkeitswelle hatte ich die Chance, mit vielen Leuten zu reden“, sagt er. Und viele würden jetzt auch viel bewusster zum echten Handwerkerbrot aus dem Bäckerladen greifen – auch wenn das eben nicht mit Discounter-Preisen mithalten kann.

Viel Zuspruch bekommen

Von Lidl übrigens hat er keine Antwort auf sein „Bewerbungsschreiben“ bekommen. Das habe er auch nicht erwartet, sagt Stefan Richter. Und darum sei es ihm auch nicht gegangen. „Viel wichtiger ist es doch, dass ich das Thema ins Gespräch gebracht habe“, findet er. Weit über 1 000 Leute hätten auf seiner Facebook-Seite diskutiert, auch untereinander: So schreibt zum Beispiel jemand aus Hamburg, in seiner Stadt gebe es leider keine traditionellen Bäcker mehr. Darauf antwortet ein anderer: Das stimmt nicht, er solle doch mal zum Bäcker Sowieso fahren und schickt gleich die Adresse mit. „Das ist doch toll“, sagt Stefan Richter. „Das hat mich eigentlich am meisten gefreut.“

Auch von seinen Berufskollegen hat er viel Zuspruch bekommen. Im ganzen Bäckerhandwerk hat sich etwas bewegt, erzählt Richter. Es scheut sich inzwischen keiner mehr zu sagen, dass man ein gutes Brot aus guten regionalen Zutaten und ohne chemische Tricksereien auch zu einem guten und für alle auskömmlichen Preis verkaufen muss.

Den köstlichen veganen Apfelkuchen könnte er ruhig öfter backen, sagt die Kundin, die ihn gerade gekostet hat. Stefan Richter schmunzelt: Da muss er sich fix das Rezept aufschreiben, ehe er noch vergisst, wie er das heute früh gemacht hat.