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Wie ein Dreiseithof nicht abgerissen wurde

Eine Olbersdorfer Familie hat gerettet, was eigentlich gar nicht zu retten war - mithilfe eines besonderen Geldhahns. Den können auch andere anzapfen.

Klaus Rothe (l.) erzählt dem Sächsischen Umweltminister Thomas Schmidt (CDU), wie die Familie mit Fördermittel-Hilfe einen historischen Hof gerettet hat.
Klaus Rothe (l.) erzählt dem Sächsischen Umweltminister Thomas Schmidt (CDU), wie die Familie mit Fördermittel-Hilfe einen historischen Hof gerettet hat. © Matthias Weber/Montage: SZ-Bildstelle

Da staunt der Herr Staatsminister aber: Als Klaus Rothe ihm die Fotos von seinem Hof zeigt, wie der in den 1990er Jahren ausgesehen hat, schüttelt Thomas Schmidt (CDU) beinahe ungläubig den Kopf. Thomas Schmidt ist Sachsens Minister für Umwelt und Landwirtschaft. Am Montag ist er nach Olbersdorf gekommen, weil er sehen will, was aus den Fördermitteln wird, die über sein Ministerium im ländlichen Raum so verteilt werden. 

In Olbersdorf bekommt er davon tatsächlich viel zu sehen: Einen riesengroßen Dreiseitenhof, das Herrenhaus mit der Jahreszahl 1833 überm sandsteinernen Türstock denkmalgerecht saniert, die Scheune daneben als Urlauberpension mit Ferienwohnungen ausgebaut, der Hof mit alten Granitsteinen neu gepflastert. Junge Eltern und ihre Kinder, die alle hier wohnen.

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Klaus Rothe, emeritierter Zittauer Hochschulprofessor, und sein Sohn haben diesen Herrenhof mit allem, was dazugehört, gerettet. Seit 19 Jahren bauen sie hier in Olbersdorf. Dabei war das historische Ensemble eigentlich gar nicht zu retten. In den 1980er Jahren war der historische Hof auf Staatsgeheiß leer gezogen worden. Er sollte der Braunkohle-Förderung weichen. Als der Tagebau nach der Wende stoppte, fiel das Grundstück ins Eigentum der damaligen Bergbaugesellschaft LMBV. Eine Sanierung sei nicht mehr zumutbar, so stand es in einem Gutachten. Der Abriss stand felsenfest. Hätte die Denkmalschutzbehörde nicht jahrelang hartnäckig gekämpft, stünde der Hof wahrscheinlich schon längst nicht mehr.

So aber war man bei der LMBV nach jahrelangem Streit mit den Denkmalschützern wahrscheinlich heilfroh, als im Jahr 2000 Familie Rothe auf der Matte stand, die sich augenscheinlich in die abrissreifen Reste des Anwesens verliebt hatte. "Viele haben uns damals für verrückt erklärt", schmunzelt Klaus Rothe, der Senior. Heute wohnt die Familie im Herrenhaus - drei Generationen unter einem Dach. So wie es seit Jahrhunderten üblich ist auf dem Dorf. Und nicht nur Familie Rothe hat Platz in dem riesigen Haus, den haben auch noch zwei weitere junge Familien und ein Ehepaar, die hier alle zur Miete wohnen. Und in der Scheune nebenan wohnen heute Feriengäste.

"Ohne Fördermittel", sagt Klaus Rothe, "wäre das aber alles nicht gegangen". Die Familie hat mit Zuschüssen aus dem Leader-Programm gebaut, das für die Entwicklung in ländlichen Regionen gedacht ist. Dieser Geldtopf füllt sich aus dem Landwirtschaftsfonds der Europäischen Union und wird über Schmidts Ministerium verteilt. Das Besondere daran ist: Wer das Geld bekommt, entscheiden nicht Ministerialbeamte, sondern lokale Gremien vor Ort. 

Genutzt werden kann es für alles, was der Entwicklung im ländlichen Raum dient - und was sonst in keine Förderprogramme passt. Nicht nur für öffentliche, sondern auch für private Vorhaben, steht das Geld zur Verfügung: Wenn aus alten Scheunen neue Ferienwohnungen werden zum Beispiel oder in alten Umgebindehäusern neuer Wohnraum für junge Familien entsteht. 

Allein im Zittauer Gebirge standen seit 2014 und noch bis 2020 fast zehn Millionen Euro als Budget zur Verfügung. Fast die Hälfte der Anträge auf einen Zuschuss aus diesem Topf kommen von privaten Investoren. Auch Familie Rothe will noch einmal einen Antrag stellen: Sie will jetzt das dritte Gebäude im Ensemble, ebenfalls eine riesengroße Scheune, in Angriff nehmen. Es soll eine Art "Coworking Space" entstehen - Arbeitsräume für Selbstständige und Kleinstunternehmer, kleine Werkstätten und Lagermöglichkeiten für Material und Maschinen.

Am Mittwoch startet die nächste Leader-Förderrunde. Insgesamt stehen noch einmal 1,6 Millionen Euro zur Verfügung. Bis zum 18. Oktober können Anträge gestellt werden. Nähere Informationen finden Sie hier.

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