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Wie ein nichtgebauter Radweg bewegt

Jetzt gibt es eine neue Planung, mit Querung am Ödernitzer Friedhof. Dort muss die Straßenseite gewechselt werden.

Von Carla Mattern

Die Mitglieder des Ödernitzer Ortschaftsrates trauten ihren Ohren kaum. Was ihre Ortsvorsteherin und Stadtkämmerin Beate Hoffmann berichtete über das Projekt Radwegbau zwischen Ödernitz und Niesky, das klang für die Ödernitzer erst einmal wie ein Aprilscherz. Vor der Sitzung des Ortschaftsrates hatte sich Beate Hoffmann die neuesten Informationen aus dem Bauamt geholt. Der Radweg wird nicht durchgängig auf einer Straßenseite entlanggeführt. In Höhe des Ödernitzer Friedhofes müssen die Radfahrer künftig die Straße queren. Damit das möglichst ungefährlich ist, soll dort eine sogenannte Querungsinsel gebaut werden. Zum einen, damit die Radler in der Mitte der Straße bei Bedarf sicher warten können, zum anderen, um die Autofahrer durch die Einengung zum langsamfahren zu bringen.

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Das war für die Ortschaftsräte wegen der Straßenquerung nicht nachzuvollziehen. Sie hatten aber auch von der amtierenden Fachbereichsleiterin Technische Dienste, Barbara Giesel, Ende August etwas ganz anderes gehört. Die Frau aus dem Rathaus hatten sich die Ortschaftsräte Klaus Wilde, Helmut Wiesner und Annelie Henoch zum Ortstermin nach Ödernitz eingeladen. Denn in einem sind sie sich einig: Geduldig auf den Bau des Radwegs warten, das wollen sie auf keinen Fall länger.

Auch viele Ödernitzer sehen das so, wie sich bei der Einwohnerversammlung im Juni bei der Feuerwehr in Ödernitz gezeigt hatte. Dort hatten viele ihrem Ärger Luft gemacht und ihre Sorgen ganz konkret angesprochen. Denn die Ortsverbindung zwischen Niesky und seinem Ortsteil nutzen viele Schüler, manche kommen sogar aus Särichen und Kodersdorf. Ältere Einwohner sieht man eher selten radeln, denn auf der schmalen und kurvenreichen Straße fahren viele Autofahrer schnell. Ausgefahrene Bankette und Löcher am Straßenrand machen es den Radlern zusätzlich schwer, im Zweifelsfall den Autos auszuweichen.

Doch immerhin hatte Barbara Giesel bei der Einwohnerversammlung im Juni informiert, dass die Stadt Niesky endlich eine Förderquelle gefunden hat und sie den Radwegbau nicht komplett selbst zahlen muss. Der Radweg Ödernitz-Niesky ist als Fortsetzung des Einsiedel-Rundwegs angemeldet. Für Radwege von überregionaler touristischer Bedeutung wie dem Einsiedel-Rundweg gibt es eine bis zu 75-prozentige Förderung. Und diese Woche sagte Beate Hoffmann zu, dass sie das notwendige Geld auch im kommenden Jahr im Stadthaushalt einplanen wird.

Trotzdem trauten die Ortsräte den Worten nicht. Denn noch im Sommer war von einer anderen Wegführung die Rede. So fragte jetzt die Ortsvorsteherin den Projektbetreuer aus dem Bauamt noch einmal nach. Der Grund für die geänderte Aussage ist tatsächlich eine neue Planung. Mit der Agrargenossenschaft als Flächeneigentümerin ist mittlerweile gesprochen. Vom Ortsausgang Niesky wird der Radweg links entlang der Straße bis zum Friedhof geführt. So können auch die neu gepflanzten Bäume stehen bleiben. Dann wechseln Radler auf die gegenüberliegende Seite und kommen am Ortseingang Ödernitz rechts an. „Da gewöhnt sich jeder dran. Wir sollten den Weg gehen, der von allen getragen wird“, sagt Beate Hoffmann. Das sei besser als kein Radweg. Der Bauamtsmitarbeiter habe ihr versichert, dass bis Ende des Jahres die Planung fertiggestellt wird.