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Corona-Krise: So wollen Vereine im Rödertal überleben

In Radeberg, Ottendorf und Wachau ruht der Ball. Trainiert jetzt jeder Kicker für sich allein?

Dietmar Rösler (56), Trainer des Fußballvereins TSV Wachau musste durch die Corona-Pandemie das Vereinsgelände schliessen.
Dietmar Rösler (56), Trainer des Fußballvereins TSV Wachau musste durch die Corona-Pandemie das Vereinsgelände schliessen. © René Meinig

Zuletzt gab es für den Wachauer Dietmar Rösler einen Indoor-Termin. Er hatte seine Spieler aufgefordert, bei einem Spaßvideochat mitzuwirken. Die Resonanz: Von den über 20 Spielern der ersten Mannschaft seines Klubs, des Fußball-Kreisoberligisten TSV Wachau, beteiligten sich nur eine Handvoll. 

Für den 56-jährigen Rösler war dieser Videochat Neuland. Aber notwendig, um zu schauen, wie es während der Coronavirus-Pandemie mit der Fitness seiner Hobbykicker bestellt ist. Denn natürlich ruht auch bei den Freizeitkickern seit Wochen der Spielbetrieb, ist die heimische Sportstätte dicht.  Das sei „eine komische Zeit“ meint Rösler, der seit rund zwanzig Jahren die erste Mannschaft trainiert. An Training sei aufgrund der Ausgangsbeschränkungen gar nicht zu denken. Er hoffe, dass sich seine Spieler fit hielten. Irgendwie jedenfalls. Manche sehe er durchs Dorf joggen. „Die laufen oft an meinem Haus vorbei“. Vermutlich, um ihm zu zeigen, dass sie es ernst meinen, mit dem Erhalt ihrer körperlichen Physis. 

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"Geisterspiele sind keine Option"

Sicher gibt es in der Gesellschaft Bereiche, die das Coronavirus deutlich härter trifft als den Sport. Doch einfach ist die Zeit auch für die Klubs in der Region nicht. „Unser Vereinsleben ist im Moment am Boden“, erklärt Robert Zukowski, der Vorstandsvorsitzende des TSV Wachau. Rund 230 Mitglieder hat der Verein. Neben der knapp 170 Mitglieder umfassenden Fußballabteilung mit den drei Männer- und fünf Jugendteams kann man beim TSV auch in den Abteilungen Badminton, Volleyball und Gymnastik sporteln. 

In der Geschäftsstelle des Westlausitzer Fußball-Verbandes steht in diesen Tagen das Telefon nicht still. Geschäftsstellenleiter Gojko Sinde ist bei den im Verband organisierten 80 Vereinen gefragt. Wollen doch alle wissen, wie und vor allem wann der Spielbetrieb weitergeht. Denn in den deutschen Spielordnungen ist ein Saisonabbruch nicht geregelt. Seit dem 13. März ruht auch in den unteren Amateurfußballligen der Ball. In der Vorwoche, am 1. April, "kein Aprilscherz", hatten sich die Landesverbände des Deutschen Fußball Bundes darauf verständigt, den gesamten Spiel- und Trainingsbetrieb ab der viertklassigen Regionalliga bis auf weiteres auszusetzen. Diese Perspektive unterscheidet sich grundlegend von der im Profifußball, wo die Spielzeit mit Geisterspielen zu Ende gebracht werden soll. „Geisterspiele sind aber für unseren Amateurfußball keine Option“, so Geschäftsstellenleiter Sinde. Er  hofft darauf, dass Ende April „einige der Einschränkungen aufgehoben werden“, so dass man vielleicht daran denken könne, die begonnene Spielzeit 2019/20 noch zu einem Ende zu bringen.

Skepsis, was Saisonabschluss angeht

Auch bei den Fußballern des FV Ottendorf-Okrilla ist man gespannt, wie es weitergeht. Marko Haubold ist Trainer der ersten Mannschaft des Kreisligisten. Seine Spieler hielten sich mit Jogging fit, erklärt der Coach. Mehr gehe derzeit nicht. Ob man die Saison überhaupt beenden werde, das wisse er nicht. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wohl eher nicht, gibt er sich skeptisch. Beim SV Einheit Radeberg bedauert man ebenfalls, dass man in diesen Tagen keinen Sport mehr ausüben kann. „Ist schade, leider nicht zu ändern“, meint Geschäftsführer Heinz Geißler. Der rund 80-Mitglieder zählende Verein hat neben einer Altherren-Fußballmannschaft noch eine-Frauen-Gymnastikgruppe. Tischtennis und Volleyball kann man dort auch spielen. Geißler findet, dass in dieser Zeit „der Sport nicht wichtig ist“ Es gebe während der Corona-Krise weitaus schwierigere Probleme, die man lösen müsse. 

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Mittlerweile gibt es Vereine, die ihren Mitgliedern den monatlichen Beitrag erlassen respektive diesen zurückzuerstatten. Beim TSV Wachau sei an eine Aussetzung der Mitgliedsbeiträge vorerst nicht gedacht, erklärt Vereinschef Zukowski: "Wir setzen da auf die Solidarität unserer Mitglieder". Schließlich habe der Klub trotz der angeordneten Zwangspause Unkosten. Wer jedoch darauf bestehe, bekomme den Beitrag zurückerstattet, so Zukowski weiter. Der froh ist, dass der Freistaat den Sportvereinen jüngst signalisierte, dass die Pauschale für die ehrenamtlich tätigen Übungsleiter in Höhe von 40 Euro monatlich weitergezahlt wird. Ist für den TSV Wachau, einem von rund 25000 gemeinnützigen Vereinen in Deutschland, in dieser Zeit ein kleiner Hoffnungsschimmer. 

Hoffen auf Normalität

Auch für Trainer Dietmar Rösler. Der sich Gedanken um den mentalen wie körperlichen Zustand seiner Schützlinge macht. Ist ja ein Vorurteil, das ein in den unteren Fußballligen tätiger Fußballtrainer keine Arbeit hat, wenn es keinen Fußball gibt. Und so wie der Wachauer Rösler Fußball versteht, muss man sich auch ums Team kümmern, wenn es bis auf weiteres kein Mannschaftstraining gibt. Er überlegt, ob er seine Spieler daheim aufsuchen ihnen Fitnesstipps geben soll. Denn eines sollen sie auf gar keinen Fall: zunehmen! Nicht auszudenken, wenn da, sollte es demnächst wieder losgehen, mancher übergewichtig zum Training erscheine, so Rösler. Der doch mit seinem Team, dem derzeitigen Tabellensiebten der Kreisoberliga, noch einiges vor hat, ins Kreispokalfinale will. Rösler selbst macht sich um seinen körperlichen Zustand keine Sorgen. „Bin total ausgelastet“, lacht er. Seine Frau arbeite im Homeoffice, er werde intensiver in der Hausarbeit eingespannt. "Es wäre dennoch schön, wenn das Vereinsleben bei der TSV Wachau bald wieder in gewohnten Bahnen abliefe."

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