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Wie es am Quitzdorfer Stausee weitergeht

Landrat Bernd Lange hofft auf Zusagen schon im Herbst für die Sanierung des Quitzdorfer Areals. Und auch der Freistaat zieht mit.

Noch ist die Finanzierung zwar nicht endgültig geklärt. Inzwischen zeichnet sich aber ab, dass das für die große Sanierungslösung des Stausees Quitzdorf benötigte Geld zur Verfügung gestellt werden kann.
Noch ist die Finanzierung zwar nicht endgültig geklärt. Inzwischen zeichnet sich aber ab, dass das für die große Sanierungslösung des Stausees Quitzdorf benötigte Geld zur Verfügung gestellt werden kann. © André Schulze

Bernd Lange klingt erregt, aber auch erleichtert am Telefon. Gerade hat er mit Staatssekretär Frank Pfeil aus dem sächsischen Umweltministerium gesprochen. Man sei sich einig, so der Landrat, dass für den Stausee Quitzdorf nur die große Sanierungslösung infrage komme. Also nicht nur die Staumauer reparieren und dann den Wasserpegel wieder steigen lassen. Sondern so sanieren, dass den Blaualgen die Lust auf Ausbreitung in dem Gewässer dauerhaft vergeht. „Wir haben dieses Projekt für das Strukturstärkungsgesetz angemeldet und gehen davon aus, dass dies im Herbst so beschlossen wird.“

Dann wird Lange konkret, was denn hinter dem Strukturantrag überhaupt steckt. „Natürlich geht es um die Instandsetzung der Staumauer. Weiterhin aber auch um das Ausbaggern des Sees. Und schließlich um eine Vorsperre, an der schädliche Sedimente aufgehalten werden.“ Dort soll es in Zukunft möglich sein, Ablagerungen auszuräumen, ohne dafür den ganzen See ablassen zu müssen. „Wahrscheinlich wird dies in Form einer Solschwelle geschehen, die bei normalem Pegelstand gar nicht sichtbar ist.“

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Nachdem mit dem Umweltministerium des Freistaates nun Einvernehmen herrscht, müssen laut Landrat schon in Kürze die notwendigen Planungen beginnen. Parallel dazu soll auch die Reparatur der Staumauer erfolgen. Deren schlechter Zustand war schließlich der Ausgangspunkt für das seit dem Frühjahr andauernde Ablassen des Sees. Wie lang sich dann die Komplettsanierung der Talsperre hinziehen wird, vermag Bernd Lange indes nicht zu sagen. Allerdings weiß er die Bevölkerung hinter sich. Bei einer Informationsveranstaltung der Landestalsperrenverwaltung in Kollm hatte sich vor ein paar Monaten die überwiegende Zahl der Teilnehmer gegen die Minimalvariante und für den „großen Wurf“ ausgesprochen. Nach Angaben von Frank Meyer, dem Sprecher des sächsischen Umweltministeriums, gehen grobe Schätzungen davon aus, dass die Kosten dafür bei etwa 20 Millionen Euro liegen werden.

Zuletzt hatten allerdings komplett gegenteilige Gerüchte die Runde gemacht. In einem anonymen und damit nicht nachprüfbaren Schreiben teilte eine angebliche Mitarbeiterin der Landestalsperrenverwaltung der SZ mit, dass es in der Behörde Pläne gab, den Stausee in seiner jetzigen Form aufzugeben. Aus ökonomischen und ökologischen Erwägungen heraus sei das die beste Alternative. Auch konkrete Umsetzungsstrategien habe man bereits besprochen. So solle eine etwa 100 Hektar große Wasserfläche vor der Staumauer für Angler und Vögel belassen werden. Die restlichen etwa 620 Hektar wolle man sich selbst überlassen. Der Vorteil: Im Sediment abgelagerte Phosphat- und Stickstoffverbindungen würden perspektivisch in organischer Masse wie Wald und Auenbruch gebunden werden. Die Rückbesinnung auf die Natur berge überdies ein großes Potenzial für die Naherholung.

Ministeriumssprecher Meyer stellt klar, dass es derzeit keine Überlegungen dieser Art gibt. Lediglich in Variantenuntersuchungen zu Instandsetzungsarbeiten an der Talsperre sei ein temporärer Teilstau für die Zeit von Baumaßnahmen betrachtet worden. Eine dauerhafte Umnutzung könne nicht das Ziel des Freistaates sein. „Die damit verbundene starke Verringerung des Speichervermögens würde die Möglichkeiten einschränken, durch zusätzliche Wasserabgaben aus der Talsperre den Wasserstand der Spree in Trockenzeiten zu erhöhen.“ Darüber hinaus kämen der Talsperre im Zusammenhang mit dem Strukturwandel im Lausitzer Kohlerevier und den damit einhergehenden zusätzlichen Wasserdefiziten wichtige Aufgaben zu.

Das bestätigt auch Bernd Lange. Würden die Tagebaue wegfallen, werde kein Grundwasser mehr für die Spree und die Bundeshauptstadt nach oben gepumpt. Im Moment mache dies etwa ein Drittel der Gesamteinspeisungen in die Spree aus. „Oberflächenwasser wird deshalb noch viel wichtiger. Und der Stausee Quitzdorf gewinnt als Wasserspeicher an Bedeutung. Nicht zu vergessen sei überdies der touristische Aspekt. „In den vergangenen 40 Jahren hat sich in der Natur hier viel entwickelt. Bei einer Verkleinerung des Sees würden sich Flora und Fauna stark verändern.“ Damit auch die Bevölkerung in die Pläne der Großsanierung mit einbezogen wird, regt der Landrat im Oktober eine weitere Info-Veranstaltung an.

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