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Wie es an der Südumfahrung weitergeht

An allen Abschnitten in Pirna wird gebaut, Corona konnte dem Projekt kaum etwas anhaben. Die nächsten großen Ereignisse stehen schon bevor.

Südumfahrung-Baustelle auf dem Sonnenstein: Arbeiter fügen die Stahlteile für die Gottleubatal-Brücke zusammen.
Südumfahrung-Baustelle auf dem Sonnenstein: Arbeiter fügen die Stahlteile für die Gottleubatal-Brücke zusammen. © Thomas Möckel

Die Bauarbeiten an der Pirnaer Südumfahrung, die die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH derzeit errichten lässt, gehen trotz der Corona-Krise weiter sichtbar voran. Laut der Deges mussten die Bauleute in der Hochzeit der Pandemie zwar gelegentlich mit kleineren Einschränkungen kämpfen, doch die am Bau beteiligten Firmen und deren Mitarbeiter arbeiten weitgehend störungsfrei an vielen Bauwerken gleichzeitig.

Erforderliche Absprachen und Planungsrunden in den vergangenen Monaten fanden vom Homeoffice oder von den weit verstreuten Büros aus - beispielsweise in Berlin, Erfurt, München, Stuttgart, Dresden, Salzburg, Prag und Dortmund - per Videokonferenz statt. 

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Nach Aussage von Bauoberleiter Ulrich Gawlas gelang es auf diese Weise, die weiteren Pläne soweit zu aktualisieren, dass die Arbeiten am Streckenbau, an den Brücken sowie am Tunnel weitergeführt werden konnten. Inzwischen ist auch schon wieder mehr Normalität eingekehrt. Sächsische.de gibt einen Überblick über den aktuellen Stand.

Feistenberg/Autobahnzubringer

Im Bereich zwischen der Zehistaer Straße und dem Pirnaer Autobahnzubringer schreiten die Arbeiten weiter sichtbar voran. Fachleute arbeiten daran, die Südumfahrung an den Autobahnzubringer anzubinden. Weil eine der Auf- und Abfahrten künftig unter dem Autobahnzubringer hindurchführt, ist die Trasse auf knapp 100 Metern vorerst verschwunden.

Der Verkehr wird derzeit über die sogenannte Nordumfahrung von und zur Autobahn geleitet. In der Baugrube, um die die Schleife herumführt, entsteht das Brückenbauwerk für die Unterführung. Die Bauleute sind derzeit mit Schal-, Bewehrungs- und Betonarbeiten beschäftigt. 

Die Unterführung wird in offener Bauweise errichtet - links und rechts je ein Widerlager, darauf kommt am Ende ein Betondeckel. Läuft alles wie geplant, wird das Brückenbauwerk im Herbst geschlossen. Darüber führt später wieder der Autobahnzubringer, er soll im kommenden Jahr auf die alte Route zurückverlegt werden. 

Weiter unten, in Höhe des Lindigt-Gutes, errichten die Fachleute eine weitere Unterführung, durch die später ein Wirtschaftsweg führt, damit die Landwirte weiterhin auf gewohntem Weg ihre Felder erreichen können. Bedingt durch den schlechten Untergrund wird diese Brücke auf Bohrpfähle gegründet, die tief im Boden verankert sind. Zwischen dieser Unterführung und dem Autobahnzubringer liegt der bereits fertiggestellte Fledermaustunnel. 

Beidseits der künftigen Trasse ins Tal wurden auch schon die Bohrpfähle für die Lärmschutzwand in den Boden eingebracht sowie die Stahlstützen für die Wände einbetoniert. Zwischen den Pfosten werden später die Betonelemente der Lärmschutzwand an der Nordseite eingefädelt und auf der Südseite die Zäune für die Fledermauswände befestigt. Ein Großteil der Betonelemente ist bereits fertig - hergestellt in einem Fertigteilwerk bei Bautzen.

Seidewitztal

Die Brücken über die Seidewitz sowie über die Zehistaer Straße nebst dazugehörigem Kreisverkehr sind schon seit geraumer Zeit fertig, ebenso der Damm zwischen den Brücken. Bauleute errichten auf dieser Strecke auf der Nordseite - jene Seite, die zu den Wohnhäusern zeigt - ebenfalls eine Lärmschutzwand aus Beton sowie Glas- und Kunststoffelementen. Sie wird ab der Straßenoberkante drei Meter hoch sein. 

Kohlbergtunnel

Am Kohlberg laufen die Vorbereitungen für den Tunnelbau, die Südumfahrung wird auf einer Länge von 300 Metern durch den Berg führen. Bauleute sichern die Baugrube, heben Erdreich aus und befestigen mit Beton und speziellen Stahlnägeln die sogenannte Voreinschnittwand. Der Tunnelanschlag - Beginn der bergmännischen Arbeiten - ist laut Gawlas noch im September geplant. Weil das Gestein im Kohlberg sehr mürbe ist, kann der Tunnel nur langsam in aufwendiger Weise gebaut werden, ständig muss der Bereich gesichert werden, ehe es weitergeht. Die Arbeiten werden sich voraussichtlich weit über zwei Jahre hinziehen. 

Die Tunnelbauer haben schon vor einiger Zeit direkt neben der Baustelle eine kleine Stadt mit Unterkünften und eigener Werkstatt errichtet. Dort steht auch eine Betonmischanlage, der Beton für den Tunnel wird direkt vor Ort hergestellt. Das erspart lange Transportwege und entlastet die Anwohner vom Transportlärm, da die Tunnelbaustelle rund um die Uhr läuft. 

Gottleubatal/Sonnenstein

Für die 916 Meter lange Gottleubatal-Brücke werden derzeit die Pfeiler 20, 30, 50 und 60 hochgezogen. Die Pfeiler sind alle durchnummeriert, das Widerlager am Kohlberg ist die 10, das Widerlager am Sonnenstein die 100, dazwischen liegen acht Pfeiler. Das Widerlager am Kohlberg sowie die Pfeiler 20, 30 und 40 stehen alle westlich der Rottwerndorfer Straße, die anderen östlich. Der Pfeiler 70 wird mit einer Höhe von über 60 Meter der höchste sein. 

Auf dem Sonnenstein sind Anfang August unterdessen die ersten Stahlteile für die Gottleubatal-Brücke eingetroffen, sie kamen nachts per Tieflader aus Prag über die Autobahn nach Pirna. Die Stahlteile werden in Werken in Tschechien und Ungarn vorgefertigt. 

Im sogenannten Taktkeller an der Hangkante zur Viehleite schweißen die Arbeiter die einzelnen Elemente zu stählernen Hohlkästen zusammen - sie bilden die Grundkonstruktion für die Brücke, auf der später die Fahrbahn ruht. Überwiegend ziehen spezielle Roboter die Schweißbahnen. Sämtliche Nähte werden im Anschluss geröntgt, um zu prüfen, ob sie einwandfrei sind. 

Voraussichtlich ab Dezember dieses Jahres soll die Brücke dann vom Sonnenstein aus über die Pfeiler in Richtung Kohlberg verschoben werden. Dieser Vorschub dauert voraussichtlich anderthalb Jahre. 

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Die 3,8 Kilometer lange Südumfahrung, die vom Autobahnzubringer bis zur B 172 auf dem Sonnenstein führt, soll 2023 komplett fertig sein.

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