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Wie es im Kulturhaus weiter geht

Das Großröhrsdorfer Kulturhaus ist schon seit zwei Jahren dicht. Nun kämpft der Nachbar in Bischofswerda ums Überleben.

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Von Ingolf Reinsch

Im Großröhrsdorfer Kulturhaus strichen die Betreiber schon 2010 die Segel. 2011 wurde das Insolvenzverfahren über die Kulturhausgesellschaft eröffnet. Das geht jetzt dem Ende entgegen. Das Kulturhaus ist schon seit über zwei Jahren dicht. Nun kämpft auch das Bischofswerdaer Kulturhaus ums Überleben. Über 1 000 Besucher kamen jüngst zum Nachtflohmarkt ins Kulturhaus Bischofswerda. Ein klares Zeichen, dass es im Kulturhaus weitergeht. Auch, wenn die wirtschaftliche Lage schwierig und Geschäftsführer Peter Siebecke schwer krank ist. Lutz Schmidt, Steuerberater aus Dresden, ist von Peter Siebecke für die Zeit seiner Abwesenheit als Vertreter bevollmächtigt worden – als Privatmann, wie er betont. Auf SZ-Anfrage gibt er Auskunft, wie es weitergeht.

Was ist dran an Gerüchten, das Kulturhaus sei pleite?

Nach übereinstimmender Aussage von Peter Siebecke und Lutz Schmidt nichts. Das Kulturhaus habe Zahlungsschwierigkeiten; die Vermögenswerte übersteigen aber bei Weitem die Verbindlichkeiten. Außenstände von reichlich 7 000 Euro, die eine Veranstaltungsagentur kürzlich öffentlich machte, sollten nun beglichen sein. Lutz Schmidt: „Das Geld lag auf dem Geschäftskonto bereit. Mit der Inhaberin der Agentur wurde vereinbart, dass sie das Geld am 22. März im Lastschrifteneinzugsverfahren abruft.“

Durch Veranstaltungsabsagen sind dem Haus Einnahmen weggebrochen. „Bis zum Sommer wollen wir die Ausfälle durch neue Veranstaltungen kompensieren“, sagt Lutz Schmidt. Gemeinsam mit der Hausbank, der Kreissparkasse Bautzen, arbeite man an einer „Konzeptionierung“, das heißt einem Projekt- und Qualitätsmanagement fürs Kulturhaus.

Es gibt Kritik an der Qualität von Veranstaltungen. Was soll sich ändern?

Besucher des Kulturhauses beanstandeten in der Vergangenheit wiederholt Service- und Veranstaltungsqualität. Das Kulturhaus habe „extremen Nachholbedarf“ bei Service und Freundlichkeit, räumt Lutz Schmidt ein. „Wir werden das Personal schulen, damit es professionell handelt.“ In einem Fall werde es auch eine personelle Veränderung geben.

Wie knallhart muss die Leitung

des Hauses rechnen?

Mieten für Veranstalter müssen die Kosten decken. Das waren sie vor der Rückkehr Peter Siebeckes als Geschäftsführer im vergangenen Jahr oft nicht. Das ist ein Grund, warum das Kulturhaus in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten ist. Besucher früherer T

Welche Veranstaltungen finden im

Kulturhaus noch statt?

Am Sonnabend gab es eine Ü 30-Party. Nun stehen momentan nur das Kabarett „Fettnäpfchen“ am 13. April und „The Australian Bee Gees Show“ am 29. November im Veranstaltungskalender. Ziel ist es, das Haus wiederzubeleben – auch mit neuen Veranstaltungen, insbesondere für die Generation zwischen Mitte 30 und 50 Jahren. Lutz Schmidt: „Wir möchten vom Image des Schlagertempels wegkommen, ohne dieses Genre ganz zu verbannen.“ Es laufen Gespräche mit Künstlern und Agenturen für künftige Veranstaltungen.

Wie geht es mit der Gaststätte des

Kulturhauses weiter?

Sie bleibt vor allem fürs Catering bei Veranstaltungen im Haus erhalten, empfiehlt sich aber auch für Familien- und Betriebsfeiern sowie andere Events. Tägliche Öffnungszeiten sind nicht geplant. Ab dem Frühsommer soll es einmal in der Woche, voraussichtlich donnerstags, eine After-Work-Party geben für Leute, die nach Feierabend mit anderen feiern möchten. Das Rammenauer Fitnessstudio Sport Live ist aus der Betreibergesellschaft der Gaststätte ausgestiegen. Deren Geschäftsanteile erwarb Lutz Schmidt. Jürgen Neumann, Geschäftsführer des Sport Live, nannte auf SZ-Anfrage zwei Gründe: „Unsere Gewinnerwartungen haben sich nicht erfüllt. Und wir konzentrieren uns jetzt verstärkt auf Veranstaltungen in Rammenau.“