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Bautzen

Neue Wohnungen im Bautzener Zentrum

Anfang 2019 stürzten an der Töpferstraße Teile eines Gebäudes ein. Der neue Eigentümer hat viele Pläne.

René Kieschnick ist Vorarbeiter bei der Firma Baucom und verantwortlich für das Projekt „Zentrum-Garagen“ in der Töpferstraße in Bautzen.
René Kieschnick ist Vorarbeiter bei der Firma Baucom und verantwortlich für das Projekt „Zentrum-Garagen“ in der Töpferstraße in Bautzen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Vorsichtig streicht Roland Zetsch über den Stein des Torbogens. Blaue Farbe ist da zu sehen, die wohl einst kräftig gewesen sein muss – übrig geblieben ist bloß ein Hauch. „Das war wohl eine der ersten Tankstellen in Bautzen“, sagt der Geschäftsführer des Bautzener Bauunternehmens Baucom. „Hier war wohl das Logo der Tankstelle“, erklärt er und deutet auf den Farbschimmer. Er steht vor dem Überrest des Hauses in der Töpferstraße, das Anfang des Jahres plötzlich eingestürzt ist. Dann sagt er: „Diese Säulen, die wollen wir nach Möglichkeit erhalten.“ Auch das geschnitzte Holztor zwischen den Säulen hat einen historischen Wert, aber die Zeit hat deutliche Spuren daran hinterlassen. Ob es zu retten ist? „Das wissen wir noch nicht.“

Das Jahr 2019 war noch gar nicht lange angebrochen, da stürzte im Januar bei einem Sturm ein Teil der ehemaligen Zentrum-Garagen plötzlich ein. Ein Auto wurde unter dem Schutt begraben, die komplette rechte Außenwand des leerstehenden Hauses fehlte auf einen Schlag. Tagelang musste die Straße gesperrt bleiben, ein weiterer Teil des Hauses brach in sich zusammen. Als Roland Zetsch in der Zeitung von dem Einsturz las, hakte er beim Eigentümer nach.

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Kurz darauf gab er bekannt: Die Firma Baucom hat das Areal gekauft. Das war im März. Schon bald rollten die Abrissbagger an und trugen nach und nach den überstehenden Teil des Daches und die oberen Etagen des Gebäudes ab. Nur der hintere, historische Teil der Garagen und ein Teil des Torbogens sind geblieben.

Die Firma Baucom hat in der Zwischenzeit auch das Nachbargrundstück gekauft, das Gelände des Lausitzer Druckhauses. Jetzt stützen Säulen die Überreste der Zentrum-Garagen, der ehemaligen Autowerkstatt. Der Abriss-Schutt ist längst entfernt worden. An diesem sonnigen Tag im Dezember läuft Roland Zetsch nun über den Boden, auf dem einst ein Teil des Hauses stand. Er zeigt auf die historischen Garagen im hinteren Teil des Geländes, rotbraune Tore reihen sich da aneinander. „Es sind immer noch Abstimmungen mit dem Denkmalamt im Gange“, sagt er. „Der Bauzustand der Garagen ist fraglich, viel Potenzial sehe ich da nicht.“

„Hier entsteht Wohnbebauung“, sagt der Geschäftsmann. Schon im Sommer hatte er das bekannt gegeben. Jetzt ist klar: Auch Gewerberäume sind geplant. Wie viele Wohnungen gebaut werden und ob diese verkauft oder vermietet werden, ist noch offen. „Wir gehen pragmatisch an die Sache heran“, erklärt Roland Zetsch. Ende des ersten Quartals 2020 will er erste Entwürfe fertig haben.

Das Gartenhaus ist eine Perle

Vieles ist noch unklar, aber fest steht bereits, dass im Frühjahr erneut die Bagger anrollen werden. Die hinteren Teile des Lausitzer Druckhauses sollen dann abgerissen werden. „Das vordere Haus, parallel zur Straße, wollen wir erhalten“, erzählt der Bauunternehmer. Er zeigt auf eine Dachrinne, die den ersten Abschnitt des Hauses begrenzt. „Dieser Teil wird wahrscheinlich stehen bleiben.“ Gerade prüft seine Firma, ob das Gebäude dafür auch stabil genug ist. Auch bei diesem Haus war zunächst unklar, ob es überhaupt abgerissen werden darf. Dann entschied das Landesamt für Denkmalpflege, dass das Objekt nicht die Denkmalkriterien erfülle und somit auch kein Kulturdenkmal sei. „In der vergangenen Zeit wurden wesentliche bauliche Eingriffe vorgenommen, und damit ging die Authentizität des Objektes verloren“, erklärte dazu das Bautzener Landratsamt auf SZ-Anfrage.

Vor etwa 100 Jahren hatte der jüdische Altwarenhändler Siegfried Sussmann das Haus in der Töpferstraße, das spätere Lausitzer Druckhaus, erworben. Er betrieb dort eine Handlung mit Eisen, Metall und Altpapier. Mittlerweile erinnert vor dem Gebäude ein Stolperstein an seine Frau. In dem Komplex war auch die Betstube der Israelitischen Religionsgemeinschaft.

Auf dem Grundstück liegt allerdings noch ein anderes Gebäude, und das ist geschützt: ein Gartenhaus an der Stadtmauer, etwa aus dem Jahr 1770 aus der Zeit des Biedermeier. „Das Gartenhaus ist eine echte Perle“, sagt Roland Zetsch. Er denkt darüber nach, was daraus werden kann.

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