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Dresden

Wie es zur Zwangsräumung in Striesen kam

Die Dresdner Wohnungsgenossenschaft Johannstadt hat eine Wohnung räumen lassen. Das sorgte für Protest und einen Polizeieinsatz. Die Geschichte eines Streits.

Die Gruppe „Unsere Straße – unsere Stadt“ wollte den Zugang zur Wohnung blockieren, das konnten die Polizeibeamten aber verhindern. Letztlich blieb
alles friedlich.
Die Gruppe „Unsere Straße – unsere Stadt“ wollte den Zugang zur Wohnung blockieren, das konnten die Polizeibeamten aber verhindern. Letztlich blieb alles friedlich. © Sven Ellger

Mehr als 40 Polizeibeamte waren am Mittwochmorgen vor einem Wohnhaus auf der Wormser Straße im Einsatz. Vor den sogenannten Rudolf-Schilling-Häusern in Striesen hatten sich gut 40 Demonstranten versammelt, um gegen eine Zwangsräumung zu protestierten. Mit einer Sitzblockade wollten sie verhindern, dass die Mitarbeiter einer Umzugsfirma in den Innenhof gelangen, um die Möbel aus der Wohnung zu holen. Letztlich blieb das ohne Erfolg – die Beamten konnten die Blockade auflösen.

Doch was steckt hinter dieser Räumung und der Protestaktion? Dazu aufgerufen hatte die Gruppe „Unsere Straße – unsere Stadt“, die mit großen Bannern und lauter Musik darauf aufmerksam machen wollte, dass sie Zwangsräumungen und eine mögliche Wohnungslosigkeit in der kalten Jahreszeit ablehnt. Doch das Amtsgericht hatte im Oktober dieses Jahres geurteilt, dass die Wohnung geräumt werden darf.

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Es ist bereits das zweite Urteil in einem langen Streit zwischen dem Mieter – einem jungen Mann Anfang 30, seinen Namen will er nicht öffentlich nennen – und der Wohnungsgenossenschaft Johannstadt (WGJ). Im ersten Prozess 2017 hatte der Dresdner geklagt, weil er seine Wohnung an Touristen untervermieten wollte.

Schwere Vorwürfe auf beiden Seiten

Per Gerichtsverfahren wollte er damals erreichen, dass die WGJ die kurzzeitige Untervermietung dulden muss, bekam allerdings kein recht zugesprochen. Daraufhin wurde er als Mitglied der Genossenschaft ausgeschlossen, die Klage auf Wohnungsräumung folgte.

Auf Internetplattformen wie Couchsurfing und Airbnb, über die private Unterkünfte gebucht und vermietet werden können, hatte er nach eigenen Aussagen die Wohnung angeboten, weil er selbst oft unterwegs sei und damit einen Teil seiner Mietausgaben decken wollte. Das wollte die WGJ aber nicht zulassen. Vorstand Alrik Mutze berichtet, dass es Beschwerden von Nachbarn gegeben habe, die sich von koffertragenden Gästen gestört fühlten.

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Beide Seiten erheben bis heute schwere Vorwürfe. So habe sich der Mann in Bezug auf den Vorstand und die Aufsichtsräte der üblen Nachrede schuldig gemacht, sagte Mutze. Das streitet der Mieter ab, sagt stattdessen, dass er lediglich einige Dinge in der Genossenschaft kritisiert und Vorschläge für Verbesserungen gemacht habe. Er fordert etwa mehr Mitbestimmung für jüngere Mieter. Gegen die Räumung hat der Dresdner Berufung eingelegt, am Mittwoch ist er bei Freunden untergekommen.

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