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Wie Facebook um sächsische Firmen wirbt

Facebook-Deutschlandchef Tino Krause gibt in Dresden Firmen Digital-Nachhilfe – und macht Werbung für den Konzern.

Tino Krause, 41, geboren in Jena, ist Facebook-Chef für Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Tino Krause, 41, geboren in Jena, ist Facebook-Chef für Deutschland, Österreich und die Schweiz. © APCO/Gregor Schläger

Von Lars Radau

Nein, sagt Tino Krause mit Nachdruck, eine reine Werbeveranstaltung sei das nicht. Vielmehr, betont der Manager gern, gehe es um die „digitale Befähigung“ von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Krause ist Facebook-Chef für Deutschland, Österreich und die Schweiz – und ist seit geraumer Zeit auf Tour – mit der Veranstaltungsreihe „Digital Durchstarten“.

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Die, sagt der 41-Jährige, soll vor allem ein Angebot sein: Der Konzern wolle Unternehmer und Unternehmen dabei unterstützen, „digitale Plattformen und Technologien erfolgreich einzusetzen“. Denn oft sei dieser Zielgruppe schon bewusst, dass die Digitalisierung „immense Potenziale“ schaffe, gleichzeitig aber auch eine „große Herausforderung“ darstelle. Denn um von digitalen Technologien profitieren zu können, brauche der Mittelstand die entsprechenden Kompetenzen. Hier wolle Facebook helfen – auch indem der Konzern zuweilen mit Partnern wie regionalen Industrie- und Handelskammern, Wirtschaftsförderungen, Verbänden und Innovationszentren zusammenarbeite und so ein auf die Bedürfnisse der Region zugeschnittenes Programm zusammenstellen könne.

In Deutschland in der Kritik

Davon ist indes an diesem Mittwochvormittag im Dresdner Ostrapark wenig zu merken. Zwar sind auf Aufstellern im Wandelgang etliche kleine und größere Firmen und Unternehmerinnen und Unternehmer präsentiert, die auch mithilfe von Facebook ihren Absatz deutlich gesteigert haben – keines der Beispiele kommt indes aus Sachsen. Dafür leuchten im Raum, in dem die Hauptbühne steht, prominent die Logos von Facebook und seinen Firmentöchtern, der Bilder-Plattform Instagram und dem Messenger-Dienst WhatsApp. Die digitalen Technologien, um die es hier geht, sollen vorzugsweise aus der Hand des Konzerns kommen – auch wenn Krause betont, dass man die Erkenntnisse des „Trainingsangebots“ natürlich „beliebig auf andere Plattformen übertragen“ könne. 

Die Workshops, die angeboten werden, drehen sich aber überwiegend darum, wie welcher der Facebook-Dienste etwa für Neukundengewinnung oder eine effektive Werbestrategie nutzbar ist. Ein Fachvortrag widmet sich auch dem Thema Datenschutz – unter anderem gehe es bei diesem Teil von „Digital Durchstarten“ darum, wie man seine Facebook-Seiten DSGVO-konform gestalten könne, sagt Krause.

Dabei steht der Konzern gerade selbst und gerade in Deutschland zum Thema Datenschutz in der Kritik – unter anderem vonseiten des Bundeskartellamtes. Das hatte im Februar verfügt, dass Facebook Daten seiner Dienste wie Instagram oder WhatsApp nur noch mit dem Konto des Nutzers verknüpfen dürfe, wenn dieser es ausdrücklich erlaubt. Auch die Sammlung von Daten von Drittwebseiten sollte von einer expliziten Einwilligung abhängig sein. Diesen Streit will das Kartellamt, das auch mit der „marktbeherrschenden Stellung“ von Facebook argumentiert, mittlerweile vor dem Bundesgerichtshof austragen. Der Konzern bestreitet dabei sowohl seine marktbeherrschende Stellung als auch überhaupt die Zuständigkeit des Kartellamtes. Zum „laufenden Verfahren“ will Krause indes keine Stellung nehmen.

Der Kritiker wechselt zum Kritisierten

Gleichzeitig betont der gebürtige Jenenser in einem kurzen Gespräch am Rande der Veranstaltung, dass er mit seinem Einsatz beim Thema Datenschutz „als Innovationsführer innerhalb des Konzerns“ wahrgenommen werden wolle. Das bedeute auch, zuweilen dicke Bretter zu bohren. „Das ist auch Teil meiner Motivation“, sagt Krause. Vor seinem Amtsantritt bei Facebook hatte der Manager eine der größten deutschen Mediaagenturen geführt – und häufig Kritik am Online-Netzwerk geübt.

Jetzt ist er an der Spitze – und wertet schon das als „gutes Zeichen“: Seine Position als Facebook-Chef für Deutschland, Österreich und die Schweiz war zuvor etliche Monate überhaupt nicht besetzt gewesen und wurde aus der Europa-Zentrale mit gemanagt. Dabei sei der DACH-Raum „ein starker und wichtiger Markt“. Krause hat sich nach eigenem Bekunden vorgenommen, den Einfluss der Region im Konzern auszubauen.

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Eine Herausforderung sei dabei ein Phänomen, dass auch alle anderen Regionen umtreibt: Facebook wandelt gerade wieder einmal sein Gesicht. Die Kommunikation in sozialen Netzwerken ändere sich, sagte Krause dem Handelsblatt. Früher sei es bei Facebook zugegangen wie bei einem Konzertbesuch – „man war sofort mit vielen Menschen gleichzeitig in Kontakt und hat alles mit ihnen geteilt“. Heute gehe es eher in Richtung digitales Wohnzimmer: „Die Nutzer kommunizieren viel stärker privat über Messenger oder in Gruppen.“

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