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Wie fährt der 1. Elektro-VW aus Zwickau?

Der lange angekündigte Verkauf des ID.3 beginnt. Wir haben Eigenschaften, Reichweite und Assistenzsysteme getestet.

Der ID.3 am Schnellladenetz.
Der ID.3 am Schnellladenetz. © Christoph Ulrich

Von Christoph Ulrich

Für VW ist es die Fahrt in eine neue Ära. Spätestens 2025 will der Konzern die Weltmarktführerschaft in der Elektromobilität übernehmen. Dazu muss auch der Start des neuen E-Autos gelingen: der in Zwickau gebaute vollelektrische ID.3. Lange stand das infrage, weil die Software nicht reibungslos funktionierte und das Coronavirus die Produktion lahmlegte. Doch jetzt hat der Verkauf begonnen, und im Herbst werden die ersten Fahrzeuge bei den Händlern sein.Die Volkswagen-Designer haben alles getan, um dem Auto ein freundliches Antlitz zu geben. 

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Die großen Scheinwerfer wirken wie menschliche Augen. Nähert sich der Fahrer dem Auto, wird er mit einem Augenaufschlag begrüßt – die LED-Technologie macht es möglich. Auch im Inneren spielt das Licht eine große Rolle. Neben einer indirekten Beleuchtung, die in zehn Farben ausgewählt werden kann, gibt es ID.Light – ein schmales Lichtband unter der Windschutzscheibe, das den Fahrer intuitiv unterstützt. Es signalisiert die Fahrbereitschaft. Wenn der ID.3 laut Navigation abbiegen soll, wandert das Licht in die entsprechende Richtung. Auch der Fortschritt eines Ladevorgangs wird mittels des Lichtbandes angezeigt.

In 7,3 Sekunden auf 100 km/h

Das Elektroauto, das eher die Maße eines VW-Golf hat, hält einen erstaunlich großen Innenraum bereit. Im Fahrerbereich ist viel Platz. Zwischen Fahrer und Beifahrer gibt es sinnvolle Fächer für Handy, Geldbörse und auch für Getränke. Die Karosserie mit einem relativ weiten Abstand wurde im Innenraum gut ausgenutzt. Auch das Panoramadach im Modell „Max“ trägt zum positiven Raumgefühl bei.

Doch die eigentlichen Überraschungen sind die Fahreigenschaften. Mit dem vollausgestatteten ID.3 „Max“, der praktisch alle derzeit verfügbaren Assistenzsysteme an Bord hat, lernt der Fahrer die neue Normalität des Autofahrens mit einem Elektroauto. Das beginnt mit dem Heckmotor, mit dem VW zu seinen Wurzeln zurückkehrt, denn auch der Käfer wurde am Heck angetrieben. Hinzu kommen die Batterien im Unterboden, die für einen tiefen Schwerpunkt sorgen. 

Beides zusammen macht den ID.3 zu einem flotten, agilen und handlichen Fahrzeug, das satt und sicher auf der Straße liegt. Der Elektromotor mit 150 kW (204 PS) sorgt für eine ordentliche Beschleunigung, wobei sein Drehmoment sofort anliegt, sobald das Gaspedal getreten wird. Nach VW-Angaben beschleunigt das Auto von null auf 100 Stundenkilometer in 7,3 Sekunden. An der Ampel lässt es alle anderen hinter sich und erreicht in knapp 3,4 Sekunden bereits 60 Stundenkilometer. Die Höchstgeschwindigkeit ist der Reichweite zuliebe auf 160 Stundenkilometer begrenzt.

Das Cockpit mit LED-Beleuchtung.
Das Cockpit mit LED-Beleuchtung. © Ingo Barenschee/VW

Die Assistenzsysteme sorgen für eine gewisse Gelassenheit beim Autofahren. Windgeräusche hört der Fahrer kaum, und auch die Reifengeräusche halten sich selbst auf der Autobahn in Grenzen. Zum entspannten Fahren trägt vor allem auch der „Travel Assist“ bei, der die Sensorsysteme des Fahrzeugs gemeinsam nutzt und so schon erahnen lässt, wie autonomes Fahren einmal funktionieren wird. Das System nimmt dem Fahrer das Beschleunigen und Bremsen weitgehend ab und hält das Fahrzeug in der Spur. Der Fahrer muss dazu das Lenkrad nur leicht berühren. 

Selbst wenn man die Hände vom Lenkrad nimmt, ist der ID.3 eine Zeit lang in der Lage, selbst zu fahren. Von den immer wieder diskutierten Software-Problemen war in dem gut ausgestatteten Testfahrzeug nichts zu spüren. Die Bedienung läuft größtenteils über Tasten auf dem Multifunktionslenkrad und den 10-Zoll-Touchscreen, dessen Bedienung gewöhnungsbedürftig ist, aber nach etwas Übung gelingt. Auch mit der Sprachbedienung „Hallo ID“ lässt sich einiges regeln, zum Beispiel die Heizung oder die Sendereinstellung am Radio.

Bis zu 160 km/h schnell.
Bis zu 160 km/h schnell. © Foto: Hardy Mutschler/VW

35.000 neue LadepunkteAnfangs muss der Fahrer entscheiden, welche Fahrstufe er wählt. Bei D (Drive) gleitet das Auto dahin, und der unbestromte E-Motor dreht frei mit. In der Fahrstufe B speist die E-Maschine als Generator Strom in die Batterie zurück. Auch beim Bremsen wird Energie zurückgewonnen. Die Rekuperation kann die Reichweite beträchtlich erhöhen. VW garantiert, dass die Batterie nach acht Jahren im Betrieb oder 160.000 km Fahrstrecke noch mindestens 70 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität erreicht.

Das Basismodell des ID.3 ist mit einer 58-kWh-Batterie ausgestattet, die eine Reichweite von bis zu 420 Kilometern ermöglicht, mit der größten Batterieausstattung 550 Kilometer. Das ist allerdings auch eine Preisfrage. Das Basismodell beginnt bei 35.574,95 Euro. Der ID.3 „Tour“ mit der höchsten Reichweite kostet 48.432,44 Euro. Alle Modelle sind für die höchste Förderstufe beim Umweltbonus zugelassen, so dass sich der Preis um 9.480 Euro reduziert, sofern die Förderung beantragt wird.

Käufer müssen darauf setzen, dass die Ladeinfrastruktur zügig ausgebaut wird. Allein der VW-Konzern wird mit seinen Handelspartnern in den nächsten Jahren 35.000 Ladepunkte in Europa selbst installieren. Auch das Schnellladenetz von Ionity an den europäischen Autobahnen wird zügig ausgebaut. Zusammen mit dem ID.3 bringt VW unter der Marke „We Charge“ ein umfassendes Paket für komfortables Laden auf den Markt. Es nutzt das größte Ladenetzwerk Europas mit derzeit rund 150.000 Ladepunkten. Eine entsprechende App bietet den Zugang und findet in der Regel die nächste freie Lademöglichkeit.

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Nach rund 100.000 Kilometern hat das Auto nach Angaben von VW eine bessere CO2-Bilanz als ein entsprechendes Verbrennerfahrzeug. Aus Ländern wie den Niederlanden oder Norwegen, die etwas länger Erfahrung mit Elektromobilität haben, sei die Nachfrage besonders hoch, sagt VW-Sachsen-Chef Thomas Ulbrich. Auch für Deutschland zeigt sich die VW-Spitze optimistisch, dass nun endlich der Durchbruch für die E-Mobilität gelingt.

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