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Wie fahrradfreundlich ist Radeberg?

Eine neue E-Bike-Tankstelle und sichere Boxen am Bahnhof stehen für Radler bereit - doch es gibt Verbesserungsbedarf, sagen Fahrradclub und ein Ex-Stadtrat.

Steffi Kaufmann (li.) von der Enso und die Leiterin des Schlossmuseums Katja Altmann haben die neue E-Bike Ladestation im Schlosspark Klippenstein in Betrieb genommen.
Steffi Kaufmann (li.) von der Enso und die Leiterin des Schlossmuseums Katja Altmann haben die neue E-Bike Ladestation im Schlosspark Klippenstein in Betrieb genommen. © Marion Doering

Radeberg. Radfahren ist  beliebt: Immer mehr Einwohner von Radeberg steigen auf das Fahrrad um, um damit zur Schule und Arbeit zu fahren oder um eine Radtour zu unternehmen. Forscher der TU Dresden haben herausgefunden, dass in Radeberg immer mehr Fahrten mit dem Rad unternommen werden. Lag 2013 der Radverkehrsanteil in der Stadt bei neun Prozent, stieg er 2018 auf 11,5 Prozent, ein Plus von 28 Prozent. Vier Prozent der Fahrräder in Radeberg haben inzwischen eine elektrische Unterstützung. Wird die Stadt den veränderten Gewohnheiten gerecht? 

Lichtblick für E-Bike-Fahrer

Die Leiterin des Museums Schloss Klippenstein Katja Altmann trägt die Idee schon lange mit sich herum. "Wenn ich beispielsweise auf dem Elberadweg unterwegs bin, sehe ich, wie sehr die Zahl der E-Bikes zugenommen hat, dass fast jedes zweite Fahrrad schon einen Elektromotor hat. Für diese wachsende Gruppe von Touristen müssten wir etwas tun", sagte sie sich. Deshalb sollte schon bei der Neuplanung des Schlossgartens eine Ladesäule vorgesehen werden. Daraus wurde jedoch nichts. Doch im vergangenen Hebst kam Radebergs Wirtschaftsreferent Marco Wagner mit genau dieser Idee auf die Schloss-Chefin zu. "Ich war  begeistert. Die Enso erklärte sich bereit,  eine solche Säule aufzustellen."

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Vor wenigen Tagen war es soweit. Die E-Bike-Tankstelle konnte in Betrieb gehen. "Sie kann jetzt zu den Öffnungszeiten des Museums genutzt werden. Tanken ist hier kostenlos. Die Stadt Radeberg bezahlt den Strom. Die Ladesäule hat mehrere Schließfächer, in denen die Radfahrer ihren Akku verstauen und aufladen können. Gleichzeitig ist in den Fächern Platz für Dinge wie Fahrradhelm oder Rucksack. Wer seinen Akku lieber am Rad lassen will, kann diesen auch per Kabel laden. Man muss nur einen Euro als Pfand einstecken, das Fach schließen und schon wird geladen.

Die Ladestation kostet rund 5.000 Euro und verfügt über drei Steckdosen mit je 230 Volt. Nach Oybin, Ottendorf-Okrilla, Sohland an der Spree, Elstra und Neukirch/Lausitz ist es die sechste E-Bike-Ladesäule, die die Enso für eine Gemeinde in der Region errichtet.  "Während des Besuchs im Museum kann hier  der Akku  geladen  werden, aber auch jeder andere kann hier sein E-Bike aufladen. Eine sehr schöne Sache", sagt Katja Altmann. 

Fehlende Standplätze am Radeberger Bahnhof

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hat sich in den vergangenen Monaten dutzende Bahnhöfe in Sachsen angesehen und sie auf Fahrradtauglichkeit hin untersucht. Das Fazit für Radeberg: Der Bahnhof verfügt über zu wenige Fahrradabstellanlagen. Obwohl der Bahnhof mit fast 1.300 Einsteigern pro Tag eine der wichtigsten Stationen im Dresdner Umland ist, verfügt er über lediglich einhundert fahrradgerechte Vorderradhalter. Hinzu kamen im vergangenen Sommer zwölf Fahrradboxen. Darüber hinaus verfügt der Bahnhof über 30 einfache Vorderradhalter, die jedoch nicht diebstahlsicher sind. "Die Station erreichte damit in der Studie die Schulnote 4. Das ist etwas besser als der Durchschnitt in Sachsen, der liegt bei 4,5, im Landkreis Bautzen ist  er jedoch deutlich besser, er liegt bei 3,6", sagt Janek Mücksch, Mitglied im Vorstand des ADFC Sachsen. 

Nach seiner Einschätzung sind wetterfeste Abstellanlagen, die auch vor Diebstahl schützen, bei Radlern sehr gefragt. "Sie verhindern auch, dass Fahrräder wild an Geländern, Laternen oder Bäumen angeschlossen werden." Janek Mücksch sieht in Radeberg Verbesserungspotenzial: "Die Anlagen kosten wenig Geld, sind sehr platzsparend und erhöhen den Einzugsradius von Bahnhöfen enorm." 

Über 7.000 Personen kommen nach seinen Angaben täglich in die Stadt und rund 5.000 Radeberger verlassen ihren Wohnort, um zur Arbeit zu gelangen. Viele Pendler wollen für ihren Weg zur Arbeit das Rad mit der Bahn kombinieren, weiß Mücksch. Das ist aber nur dann sinnvoll möglich, wenn man das Fahrrad angstfrei am Bahnhof stehen lassen kann.

In vielen anderen sächsischen Städten ist die Situation nach Einschätzung des ADFC noch problematischer als in Radeberg. Rund 40 Prozent der Haltepunkte im Freistaat verfügen nicht über Abstellanlagen und bei weiteren 20 Prozent sind sie äußerst mangelhaft.

Radkonzept der Stadt Radeberg muss umgesetzt werden

Einer, der sich mit dem Thema Radverkehr in Radeberg bestens auskennt, ist Rolf Daehne. Als ehemaliger Stadtrat hat er maßgeblich am Radwegkonzept mitgearbeitet. Außerdem ist er Mitglied in der Arbeitsgruppe "Barrierefreies und Radfreundliches Radeberg". Seiner Einschätzung nach müssten wichtige, im Radwegkonzept schon vorgesehene Vorhaben, umgesetzt werden. "Ganz oben steht die Freigabe der Pirnaer Straße in beide Fahrtrichtungen für Radfahrer. Für alle, die vom Marktplatz aus Richtung Süden möchten, wäre das eine ideale Verbindung."

Ganz oben auf seiner Agenda steht die Verbesserung der Schulwege. "Kinder kommen häufig mit dem Fahrrad zum Unterricht. Durch sichere Verbindungen sollten wir noch mehr Mädchen und Jungen dazu animieren. Diese Radwege nutzen dann ja auch allen anderen Radebergern." 

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Insgesamt müsste nach seiner Einschätzung mehr für den Radverkehr gemacht werden. „Die Zahlen zeigen das, immer mehr steigen aufs Rad um. Fahrräder sind nicht mehr die klapprigen Modelle von früher, für jeden Einsatz gibt es heute das passende Fahrrad. Es ist bei vielen im täglichen Gebrauch. Dem müssen wir Rechnung tragen.“

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