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Wie „Fuleco“ die Funktionäre ärgert

Das bedrohte Gürteltier bringt der Fifa Millionen – und Ärger mit den Umweltschützern.

Von Sandra Weiss, Puebla

Doch, er hat was brasilianisch-spritziges, dieser Fuleco, wie er so zu Samba-Rhythmen fußballerische Kapriolen a la Neymar hinlegt. Kinder mögen das Maskottchen der WM, hat ein Test einer Werbeagentur ergeben. Warum, ist rasch klar: Ganz im Stile eines Transformers verwandelt sich das gelb-grüne Gürteltier in Windeseile in einen blauen Ball – wie die echten Gürteltiere, wenn sie sich bedroht fühlen. Anfangs fand auch die Fifa das Tierchen putzig. Inzwischen ist das nicht mehr so sicher, denn nicht einmal das Maskottchen kommt bei dieser WM ohne Polemik daher.

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Farblich deckt „Fuleco“ die Nationalflagge ab, das ist schon einmal ein Pluspunkt. Aber er hat noch mehr an politischer Korrektheit zu bieten: demokratisch vorbildlich durften die Brasilianer bei der Namensgebung mitsprechen. Ein bisschen zumindest. Zur Auswahl standen Amijubi, Zuzeco und Fuleco (Letzteres eine Kombination aus den Worten Fußball und Ökologie). Sie haben sich freundlicherweise für den Namen entschieden, der auch Ausländern einigermaßen flüssig über die Zunge geht. So weit, so gut. Wären da nicht die wirklichen Kugelgürteltiere, die Vorbild für „Fuleco“ standen.

Denn die sind vom Aussterben bedroht, was normalerweise nur eine Handvoll Umweltschützer interessiert. Die nordöstliche Dornensteppe Caatinga, in der „Fulecos“ echte Artgenossen leben, ist durch Jagd und die Ausweitung landwirtschaftlicher Anbauflächen im vergangenen Jahrzehnt um die Hälfte geschrumpft. Dank „Fuleco“ plötzlich ein Thema. Die brasilianische Regierung zeigte zumindest hier politisches Fingerspitzengefühl und verkündete jetzt einen Fünf-Jahres-Plan zum Schutz des Kugelgürteltieres. Zur Finanzierung würden die Brasilianer gerne die Werbeeinahmen der Fifa anzapfen, die gerade eine Million Stoff-Fulecos hat herstellen lassen – übrigens in China, was selbstredend nicht gut ankam in Brasilien. Doch die Fußball-Funktionäre winkten ab.

Zum Ärger der Fifa lassen die Umweltschützer aber nicht locker. „Für jedes Tor, das bei der WM geschossen wird, sollen die Fifa und die Regierung zusammen das Geld zahlen, das nötig ist, um zehn Quadratkilometer der Caatinga unter Schutz stellen“, forderte nun eine Gruppe Wissenschaftler Die Fifa wird begeistert sein.