merken
PLUS

Wie Garagendiebe die Grenzregion in Atem halten

Die Polizei hat erste Ermittlungserfolge, die Zahl der Einbrüche im Süden des Landkreis Görlitz ist allerdings nach wie vor hoch. Das Thema hat Priorität.

© Polizei

Von Anja Beutler

Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Mit einer Großaktion hat sich die Polizei Anfang Februar vier Nächte lang auf die Jagd nach Garagendieben begeben. Deutsche Landes- und Bundespolizei arbeitete dabei mit den Kollegen aus Tschechien zusammen: Gemeinsame Streifen kontrollierten vom 5. bis 9. Februar in Städten und Gemeinden entlang der tschechischen Grenze von Großschönau über Ebersbach-Neugersdorf bis Steinigtwolmsdorf dabei insgesamt 140 Fahrzeuge und 500 Personen (SZ berichtete).

Wie weit die Ermittlungen zu den seit Monaten anhaltenden Diebesserien insgesamt gediehen sind:

Hier in einer Übersicht

Geht die Zahl der Garageneinbrüche mittlerweile zurück?

Nein – das bestätigt auch die Polizei: „Bisher ist kein Rückgang der Straftaten erkennbar“, sagt Madeleine Urban, Sprecherin der Polizeidirektion Görlitz. Man verzeichne ein gleichbleibendes Niveau bei den sogenannten Garageneinbrüchen und sei deshalb verstärkt mit Einsatzkräften in der Region unterwegs. Dazu gehörte beispielsweise auch die viertägige Großaktion. Den einen, großen Fang oder Treffer hat die Polizei bei der Aktion nach eigenen Angaben nicht gemacht. Aber abseits dieser – auch für die Bürger – sichtbaren Aktion gebe es eben auch viele kleinere Einsätze, die verhindern sollen, dass die Diebe überhaupt zuschlagen, oder der Polizei helfen, die Täter gleich auf frischer Tat und somit gerichtsfest, zu schnappen.

Welche Orte und Wertgegenstände peilen die Diebe an?

Nach wie vor zählen Ebersbach-Neugersdorf, Seifhennersdorf, Großschönau, Zittau, Sohland an der Spree und Steinigtwolmsdorf zu den Hauptzielen der Täter, bestätigt Sprecherin Urban. Sie stehlen dabei besonders häufig komplette Reifensätze, Felgen, Werkzeuge, Rasenmäher, aber auch Autos und Zweiräder mit und ohne Motor. Mitunter suchen sie Garagenkomplexe oder Tatorte – wie im Fall Anfang Februar in Neugersdorf – auch mehrfach auf, weil sie weitere Beute vermuten.

Wie haben sich die Fallzahlen und die Schadenssumme entwickelt?

Im Revier Zittau-Oberland registrierten die Polizisten seit August 2017 insgesamt 235 Garageneinbrüche. Hinzu kommen im Revier Bautzen weitere 31 Fälle. Besonders viele Fälle registrierte die Polizei vom 4.Dezember 2017 bis 2. Januar 2018: Da zeigten Bürger im Revier Zittau Oberland allein 72 Fälle an – im Schnitt sind also zwei Garageneinbrüche pro Tag bekannt geworden. Nur in dieser Zeit summierte sich der Wert der gestohlenen Güter auf 60873Euro, teilte die Sprecherin mit. Hinzu kommen weitere 14936Euro Sachschaden.

Welche Erfolge hat die Polizei bislang zu verzeichnen?

Die Ermittler der Polizei konnten in den vergangenen Monaten nach ersten Festnahmen weitere Tatverdächtige ins Visier nehmen. Demnach stehen nun 15 tschechische Staatsbürger zwischen 20 und 48 Jahren im Fokus der Ermittlungen. Außerdem konnten die Polizisten im Dezember neun weitere Personen aufgreifen: zwei Deutsche, einen Polen und sechs Tschechen, teilte Polizeisprecherin Madeleine Urban mit. Insgesamt laufen derzeit rund 100 Verfahren, in nicht ganz der Hälfte von ihnen gibt es noch offene Spuren, deren Auswertung noch erwartet wird. Da den Tatverdächtigen jedoch zumeist mehrere Fälle angelastet werden, sind die Ermittlungen insgesamt sehr komplex und umfangreich.

Im November nahm die Polizei Verdächtige fest – sitzen sie in Haft?

Auf Unverständnis bei vielen Bürgern war die Freilassung einiger, im November auf frischer Tat gefasster Täter gestoßen. So sind beispielsweise drei Tschechen (20 und 27 Jahre), die Ende November in Seifhennersdorf gestohlen hatten und in Rumburk von der tschechischen Polizei gefasst wurden, nach wie vor auf freiem Fuß. Noch laufen die Ermittlungen, ob ihnen weitere Taten angelastet werden können. Ähnlich sieht es bei zwei 29 und 36 Jahre alten Garageneinbrechern aus, die im November im Zittauer Gebirge erwischt wurden. Auch hier laufen die polizeilichen Recherchen zu Verwicklungen in weitere Einbrüche derzeit noch. Einzig ein 37-jähriger Tscheche, der Ende November nach Hinweisen von Seifhennersdorfern in seinem Heimatland aufgegriffen wurde, sitzt dort noch in Untersuchungshaft – auch, weil er keinen festen Wohnsitz hat. Fünf Einbrüche wurden ihm schon kurz nach der Festnahme zugeschrieben, Verbindungen zu 13 weiteren Garageneinbrüchen haben die Ermittlungen inzwischen ergeben. Ein möglicher Gerichtstermin ist den deutschen Behörden derzeit nicht bekannt.

1 / 5