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Wie gefährlich ist 5G?

Bekannte Professoren haben mit Meißner Bürgern über diese Frage diskutiert.

Solche 5G-Masten machen vielen Menschen Angst. Demnächst sollen immer mehr davon gebaut werden.
Solche 5G-Masten machen vielen Menschen Angst. Demnächst sollen immer mehr davon gebaut werden. © Tino Plunert

Meißen. 5G ist in aller Munde. Und führt bei vielen Bürgern zu Ängsten. Welchen Einfluss hat die 5. Generation des Mobilfunks möglicherweise auf die Gesundheit des Menschen? Um die Meißner über die Risiken und Chancen der neuen Technologie zu informieren, hatte die Stadt Meißen zu einer Veranstaltung in den Ratssaal mit mehreren Fachleuten eingeladen. Unter ihnen mit Alexander Lerchl und Frank Fitzek zwei Professoren. Zudem Peter Gamer vom Referat für Immissionsschutz des Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie.

100 Gäste hätten kommen können, rund 25 Interessierte waren da. „Es ist sehr schade, dass nur so wenig Leute da waren“, sagte Martin Schuster von der Wirtschaftsförderung Meißen und ergänzt, geworben hatte die Stadt, auf ihrer Homepage, in den sozialen Medien und in der SZ.

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Schade vor allem war, dass im Diskussionspodium nur 5G-„Befürworter“ saßen, Kritiker gab es keinen. So war die Veranstaltung auch nicht geplant, sagte Schuster. „Wir wurden mehrfach auch von 5G-Kritikern angesprochen. Wir hatten gehofft, dass es zur Diskussion kommt.“ Kritiker waren eingeladen, haben aber kurzfristig abgesagt, bedauerte der Wirtschaftsförderer.

Einführend hielt Bernd Theiss vom Magazin „Connect“ einen kleinen Vortrag über den neuen Mobilfunkstandard, und Peter Gamer informierte über das 5G-Experimentierfeld „Landnetz“, das mit rund 2.000 Quadratkilometern eines der größten in Europa ist. Es erstreckt sich von Köllitsch bis Nossen sowie von Dürrweitzschen bis Meißen. Weil damit auch Lommatzsch eingeschlossen ist, informierte sich deren Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP) an diesem Abend. „Ich bin beeindruckt, wie hochkarätig besetzt die Veranstaltung heute war“, sagte sie.

Eine Frau bringt 5G in Verbindung mit Hirntumor

Gamer erläuterte die Chancen für die Landwirtschaft. Sprach von der Digitalisierung zur Prozessoptimierung im Pflanzenbau und in der Tierhaltung. Von autonomen Fahrzeugen in der Landwirtschaft und von einer Landmaschinenvernetzung. Die Funkfrequenzen dabei lägen derzeit bei etwa 3,8 Giga-Hertz. Höhere Frequenzen, bis 25 Giga-Hertz, seien irgendwann einmal geplant, erläuterte Gamer. Zudem sagte er, gebe es ein "messtechnisches Begleitprojekt“, die Strahlenbelastung werde überwacht. „Und wir wollen Langzeitmessungen im Umfeld von 5G machen.“

In Köllitsch gab es bereits Vorbelastungsmessungen an Sendemasten. Diese ergaben, dass die festgelegten Grenzwerte um ein Tausendstel niedriger sind. Auf Nachfrage aus dem Publikum erläuterte der Biologie- und Ethikprofesser Alexander Lerchl von der Jacobs-University Bremen, dass diese Grenzwerte aufgrund der biologischen Wirkungen, die sie hervorrufen, festgelegt wurden. Und diese seien ausschließlich thermischer Natur. Ein Forschungsschwerpunkt Lerchls sind potenzielle schädliche Effekte von elektromagnetischen Feldern, wie sie durch Hochspannungsleitungen, Mobilfunk und Haushaltsgeräte entstehen. Seit Jahren liegt er mit seinen Ergebnissen im Streit mit dem schwedischen Onkologie-Professor Lennart Hardell, der mehrere Studien veröffentlichte, wonach Mobilfunkstrahlen krebserregend sein könnten. Dieses Thema griff auch eine Frau aus dem Publikum auf. Sie selbst hatte einen Hirntumor und sagte: „Es ist noch nicht ausreichend erforscht. Und ich bin deshalb sehr skeptisch.“ Lerchl verweist daraufhin auf die Zahlen des Statistischen Bundesamtes, wonach kein Anstieg, kein Trend für mehr Hirntumore in Deutschland bestehe. Derzeit sei nichts anderes als die Radioaktivität als Verursacher bekannt.

Keine End-zu-End-verschlüsselung

Mit 5G sollen höhere Datenraten mit höheren Frequenzen übertragen werden, nötig für autonomes Fahren oder Steuerung von Maschinen. Zudem biete diese Technologie eine höhere Flexibilität und Zuverlässigkeit. Eine End-zu-End-Verschlüsselung gibt es nicht, sagte Theiss. Doch „die war nie geplant“, erklärte Frank Fitzek von der TU Dresden. Dort ist er Inhaber der Deutschen Telekom Professur für Kommunikationsnetze. 5G ist ein Netz der Maschinen, erläuterte er.

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Das Fazit der Veranstaltung: Trotz hochkarätiger Beteiligung auf dem Podium fehlte ein fachkompetenter Gegenpart zu den Befürwortern. Nur so kann es zu einer sachlichen und fachlich guten Diskussion kommen.

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