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Wie gefährlich ist das alte Linoleum-Werk?

Nach dem Chemieunfall in Kohlmühle wird die Sicherung des Geländes gefordert. Doch das ist nicht so einfach.

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© Marko Förster

Von Anja Weber

Die über 20 000 Forellen der Rathmannsdorfer Forellenzucht am Lachsbach sind nicht verseucht. Das ist für Gesellschafter Axel Tanneberger erst einmal die Hauptsache. Dass das so ist, hat er schwarz auf weiß von der Umweltbehörde. „Auf dem Datenblatt steht, dass die ausgetretenen Stoffe nicht fischtoxisch sind und auch dem Wasser nichts passiert ist“, sagt er. Das Ganze sehe nur unschön aus, und gut sei das bestimmt auch nicht, aber man werde nichts daran ändern können.

Forellenzüchter Axel Tanneberger hatte Glück: Seine Fische sind nicht verseucht. Aber Becken und Zuläufe müssen gereinigt werden.
Forellenzüchter Axel Tanneberger hatte Glück: Seine Fische sind nicht verseucht. Aber Becken und Zuläufe müssen gereinigt werden. © Marko Förster
Aus diesem rostigen Tank sickerte Weichmacher in die Kanalisation.
Aus diesem rostigen Tank sickerte Weichmacher in die Kanalisation. © Marko Förster

Auf jeden Fall hat das Unternehmen einen höheren finanziellen und auch materiellen Aufwand. Zum Beispiel müssen die Rinnen gereinigt werden, durch die das Wasser mit dem Weichmacher geflossen ist. Etwa fünf Kubikmeter davon gelangten letzten Freitag in die Sebnitz und dann in den Lachsbach (SZ berichtete). Verursacher ist das stillgelegte Betriebsgelände des ehemaligen Linoleumwerkes Likolit Kohlmühle. Wie der Weichmacher in den Fluss gelangen konnte, ist weiter unklar. Nach SZ-Informationen könnte ein Tank möglicherweise mürbe geworden oder auch mutwillig beschädigt worden sein.

Letztere Variante scheint wahrscheinlich, da das unübersichtliche Gelände des Öfteren von Vandalen aufgesucht wird oder von Dieben, die glauben, noch was herausholen zu können. Aufgrund seiner Lage an der Sebnitz kann das Gelände nicht komplett eingezäunt werden. Damit bleibt die Gefahr ungebetenen Besuchs. Das ist umso gefährlicher, da völlig unklar ist, welche Chemikalien noch auf dem Gelände lagern und wie toxisch diese sind.

„Ordnung muss auf jeden Fall gemacht werden“, fordert Axel Tanneberger. Und er hofft, dass aufgrund des Vorfalls die Umweltbehörden am Ball bleiben. Die Tanks mit dem Weichmacher müssten auf jeden Fall abgepumpt werden. „Das wäre wichtig. Und dann muss das Bachufer beräumt werden.“ Zuständig dafür wären die beiden ehemaligen Geschäftsführer des insolventen Likolit-Werkes. Die waren gestern allerdings nicht zu erreichen.

Dass aus dem Werk Stoffe in die Sebnitz abfließen, sei nichts Neues, weiß man in der nur wenige Kilometer flussabwärts gelegenen Forellenzucht zu berichten. Das sei schon zu DDR-Zeiten so gewesen. Zur Umweltkatastrophe sei es bislang nicht gekommen, und auch diesmal scheint alles noch einmal glimpflich verlaufen zu sein. Die Mitarbeiter der Forellenzucht hatten sich auch schon umgehört. Die Weichmacher sollen nach ihren Informationen die einzigen Stoffe sein, die im Werk noch gelagert werden. Doch genau weiß es niemand. Deshalb sind jetzt auch die Umweltbehörden in der Pflicht, der Sache nachzugehen.

Nach der Havarie wurden am Montag weitere Wasserproben genommen. Auch die von den Feuerwehren errichteten Sperren im Fluss bleiben noch stehen. „Erst wenn keine Einspülungen durch wassergefährdende Stoffe mehr zu erwarten sind, wird die Sperre aufgehoben“, sagt Birgit Hertzog, Leiterin der Abteilung Umwelt im Landratsamt Pirna. Unklar ist, wer für den teuren Spezialeinsatz der Feuerwehren aufkommen muss. Auch prüft das Landratsamt, ob Zwangsmaßnahmen gegen die insolvente Firma verfügt werden.