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Wie gefährlich sind Kasinos für Kinder?

Knapp 100 Meter von Harthas Oberschule entfernt, ist eine umstrittene Spielothek. Laut Gesetz zu nah. Doch welches Risiko birgt das Lokal für Jugendliche?

Zwischen Schule und Spielhalle müssen sich laut Gesetz 250 Meter befinden. In Hartha liegt die Entfernung bei gerade einmal
100 Metern. Ein Rechtsstreit läuft seit Jahren.
Zwischen Schule und Spielhalle müssen sich laut Gesetz 250 Meter befinden. In Hartha liegt die Entfernung bei gerade einmal 100 Metern. Ein Rechtsstreit läuft seit Jahren. © dpa

Hartha. Glücksspiel kann süchtig machen – ein Spruch, den man aus Funk und Fernsehen kennt. Vor allem Heranwachsende werden vor den Gefahren des Glücksspiels mithilfe des Jugendschutzgesetzes abgeschirmt. Doch die Einhaltung der Richtlinien nehmen nicht alle Besitzer von Spielotheken ernst.

So auch im Fall des „Spielecenter 2000“ an der Ecke Pestalozzistraße/Goethestraße in Hartha. Seit mittlerweile acht Jahren gibt es einen Rechtsstreit zwischen der Besitzerin des Kasinos und dem Freistaats Sachsen (DA berichtete). Grund dafür ist die Unterschreitung der Mindestentfernung: Zwischen einer Spielothek und einer Schule müssen mindestens 250 liegen. In Hartha sind gerade einmal 100 Meter. Die Inhaberin sehe keinen Grund, ihr Geschäft zu schließen.

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Doch die Gefahr für Kinder und Jugendliche ist gegeben, weiß der Döbelner Sozialpädagoge Johannes Beyer. Zwar sei die Nähe zu einer Schule nicht hauptsächlich der Grund für eine Spielsucht, doch es fange mit Kleinigkeiten an. „Wer Tag für Tag an einer Spielothek vorbeiläuft, will manchmal auch einmal hineinschauen“, sagt der Mitarbeiter Döbelner Diakonie. „Vordergründig ist es für die Jugendlichen vielleicht nicht das Geschäft mit Spielautomaten, sondern ein Treffpunkt mit den Freunden.“ Das könne jedoch auch schnell dazu führen, dass ein Betroffener sich von einem Freund leiten lasse und den Automaten auch einmal ausprobiere, meint Beyer.

Konkret schätzt der Mitarbeiter der Döbelner Diakonie die Nutzung von Smartphones und das Risiko der „Handysucht“ bei Heranwachsenden größer ein, als im Zusammenhang mit Glücksspiel. Zahlreiche Spiele auf dem Smartphone hätten das Potenzial, Kinder und Jugendliche in eine Abhängigkeit zu bringen. „Da spielen auch kostenpflichtige Spiele eine Rolle“, berichtet der Verhaltenstherapeut. „Wenn Nutzer bereits auf dem Handy Kasino-Spiele ausprobieren, dann kann das dazu führen, dass sie ihr Glück auch in der Realität versuchen möchten.“ Gerade dann sei die Nähe zu einer Spielothek auch gefährlich.

Ähnlich sieht das die stellvertretende Schulleiterin an der Pestalozzi-Oberschule in Hartha. „Das Lokal ist an der übernächsten Ecke und nicht in Sichtweite der Schule. Also kommen die Schüler höchstens auf dem Heimweg in Kontakt“, erklärt Heike Brüssau. „Doch die Spielhalle war bisher kein Thema an der Schule.“ Sie komme regelmäßig mit den Schülern auch in privaten Gesprächen in Kontakt und habe noch nie etwas von einem Besuch in einer Spielothek aufgefasst.

 Eher habe die Schule eine Herausforderung mit Smartphones. „Es gibt viele Schüler, die auf ihren Handys oft zocken“, berichtet die stellvertretende Schulleiterin. Zwar gelten an der Oberschule klare Regeln zur Benutzung von Handys auf dem Schulgelände, aber die Lehrer könnten nicht immer alles kontrollieren, meint Brüssau.

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Auch deshalb seien die Schule und die Diakonie bemüht, früh präventiv mit Heranwachsenden in Projekten und Workshops zu sprechen. Nicht nur zum Umgang mit dem Handy, sondern auch zur „allgemeinen Lebenskompetenz“. Dabei gehe es vor allem um die Stärkung der Persönlichkeit sowie die Stress- und Problembewältigung. „So soll verhindert werden, dass Jugendliche überhaupt erst in eine Sucht abrutschen“, erklärt Johannes Beyer.

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