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Corona-Sommer in der Hafenstraße

Die meisten Veranstaltungen musste der Verein absagen. So konnte sich die Hafenstraße anderen Projekten widmen.

Schweren Herzens musste Ralf Urban die drei größten Veranstaltungen absagen. Das hinterlässt nicht nur ein finanzielles Loch.
Schweren Herzens musste Ralf Urban die drei größten Veranstaltungen absagen. Das hinterlässt nicht nur ein finanzielles Loch. © Claudia Hübschmann

Meißen. Auch wenn die Veranstaltungen der letzten Wochen abgesagt werden mussten, hinter der blauen Fassade der Hafenstraße ist es lebendig wie eh und je. "Wir haben niemanden in Kurzarbeit geschickt", erklärt Ralf Urban, Vorstand der Hafenstraße. "Wieso auch? Hier gibt es immer genug zu tun." Im ersten Stock werden die letzten Holzspäne vom Regalumbau weggefegt, nebenan surrt eine Nähmaschine und in den Gemüse-Beeten vor dem Haus ist gar kein Platz mehr.

In der geschenkten Zeit, konnte auch die 50-seitige Infobroschüre überarbeitet werden. Was die Hafenstraße leistet, soll komprimierter und verständlicher erklärt werden. Denn auch nach 30 Jahren hat der Verein das Gefühl, in seiner tatsächlichen Vielfalt nicht  richtig wahrgenommen zu werden. Es ist aber auch schwierig: "Man könnte fast sagen, wir sind ein Mehrgenerationenhaus, wobei das auch nicht ganz passt", kommt auch Kerstin Urban ins Grübeln. "Zu DDR-Zeiten wäre Kulturhaus der passende Begriff gewesen."

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Jedes Jahr aufs Neue muss der Verein deutlich machen, dass es in der Hafenstraße um mehr als günstige Bierpreise geht. Sonst steht die existenzielle finanzielle Förderung der Stadt auf dem Spiel. Ralf Urban sieht sein soziokulturelles Zentrum hauptsächlich als Kulturschmiede: Denn für nahezu jede Idee und Herzensangelegenheit bietet der Verein eine Bühne und seine Unterstützung an. So ist auch das "Hellfest" entstanden. Aus dem Satz: 'Ich hätte da zwei Bands, die kosten auch nicht viel' und mit der Unterstützung der Hafenstraße, hat sich ein Metalkonzert entwickelt, auf dem mittlerweile auch Szenegröße spielen. Dieses Jahr hätte es zum siebten Mal stattgefunden. 

Keine Hygienekonzept fürs Kunstfest

Doch coronabedingt musste der Verein ausgerechnet seine drei größten Veranstaltungen streichen. Auch das Kunstfest hat Ralf Urban letztendlich schweren Herzens absagen müssen – für eine Veranstaltung dieser Größenordnung lässt sich einfach kein vernünftiges Hygienekonzept finden: "An 20.000 Besuchern Murmeln verteilen und den Friedhof abzusperren, ist einfach nicht umsetzbar." So muss der Kunstmarkt an der Johanneskirche in diesem Jahr abgesagt werden. Auch in der Bilanz hinterlässt das  deutliche Spuren. "Tatsächlich haben wir keine großen Verluste. Unsere Einnahmen des Wochenendes wären hauptsächlich für die Gage der Bands zurückgeflossen", erklärt Ralf Urban. Nur mache es sich in einem Förderantrag immer besser, wenn ein Verein auch Eigeneinnahmen erwirtschaftet.  

Zwar kann die Hafenstraße wieder Nachhilfe und Gitarrenunterricht anbieten, aber damit lasse sich kein großes Geld verdienen. Doch nach dem Coronajahr würden die Förderstellen dafür Verständnis haben. Viel schwerer als die Corona-Krise falle es ins Gewicht, dass es kaum noch Fördermöglichkeiten für Kinder- und Jugendarbeit gibt, worauf mittlerweile allerdings der Fokus der Hafenstraße liegt. 

Daran möchte die Vereinigung auch festhalten: "Viel zu viele Kinder nehmen außer ihrem Smartphone nicht mehr viel in ihrer Umgebung wahr", bedauert Ralf Urban. "Wir wollen zeigen, was unsere Stadt alles zu bieten hat." In den Sommerferien soll deshalb gemeinsam mit den Kindern wieder das sagenhafte Stadtbuch von Meißen entstehen. Ein Projekt, wo Kinder die Sehenswürdigkeiten aus ihrer Sicht malen und erklären. Schon jetzt gibt es eine Veranstaltungsreihe, die den Kindern zeigen soll, was unsere  Natur alles zu bieten hat. So sind die Kinder in Zeiten von Schulschließungen endlich wieder an die frische Luft gekommen.

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Dass auch Veranstaltungen in den Räumlichkeiten der Hafenstraße wieder  möglich sind, verdankt der Verein seinem großen Gemeinschaftsraum, wo Abstandsregeln ohne Probleme eingehalten werden können. Viel schwieriger sei es, die neuen Verhaltensregeln verständlich zu begründen: "Da kennt man die Kinder schon so lange und auf einmal dürfen wir uns trotzdem nicht mehr herzen. Kindern das verständlich zu machen, ist eine große Herausforderung", berichtet Kerstin Urban.

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