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Wie geht gesundes Altern, Herr Professor?

Der Chef des Uni-Zentrums für Gesundes Altern Dresden über Wehwechen, den konstruktiven Umgang mit Einschränkungen und einen Plan B.

Knochen, löchriger als Käse. Prof. Lorenz Hofbauer zeigt einer Patientin die Auswirkungen der Osteoporose.
Knochen, löchriger als Käse. Prof. Lorenz Hofbauer zeigt einer Patientin die Auswirkungen der Osteoporose. © Robert Michael

Die Sächsische Zeitung startet morgen mit einer monatlichen Kolumne zum Thema „Gesünder altern“. Autor ist Professor Lorenz Hofbauer, der das Universitätszentrum für Gesundes Altern an der Uniklinik Dresden leitet. Über Probleme des Älterwerdens und die Chancen eines solchen Zentrums sprach er im Interview.

Herr Professor Hofbauer, was ist schon gesund am Altwerden?

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Gesund , oder sagen wir besser normal ist, dass vieles im Alter nachlässt und langsamer geht. Das wollen viele Senioren heute aber nicht mehr wahrhaben und akzeptieren – besonders die Babyboomergeneration, die immer schon zugepackt hat und zu den Machern gehört. Einerseits ist das gut so, denn sie sind dann willens, etwas gegen die Wehwehchen zu tun. Andererseits sind sie auch schneller frustriert, obwohl das Alter auch Vorteile hat.

Welche denn?

Es gibt mehr Gelassenheit. Durch die Lebenserfahrung haben Senioren oft eine ganz andere Sicht auf die Dinge und die Probleme des Alltags. Man hat nicht mehr den Druck, anderen etwas beweisen zu müssen.

Die Lebenserwartung ist heute so hoch wie nie zuvor. Wozu braucht es dann noch ein Zentrum für Altersmedizin?

Genau aus dem Grund. Die über-65-Jährigen stellen in Deutschland heute mehr als ein Drittel der Bevölkerung. Und die sind im normalen Krankenhausbetrieb oft etwas verloren, weil sie vielleicht schlechter sehen und sich nicht mehr so gut orientieren können. Hier ist unser Zentrum eine Alternative. Zudem wollen heute selbst hochbetagte Menschen so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung bleiben, statt ins Pflegeheim zu gehen. Damit aber geriatrische, also Alterserkrankungen, richtig behandelt werden können, braucht es Spezialisten wie uns.

Sie sprachen von Wehwehchen. Was sind typische Alterskrankheiten, die Sie behandeln?

Es sind Verschleißerkrankungen wie Arthrose, aber auch Osteoporose und Muskelschwund, wodurch die Hinfälligkeit zunimmt und Verletzungen nach Stürzen folgenschwerer sind. Gangschule, Sturzprophylaxe und Medikamente können die Knochenfestigkeit steigern. Ein weiterer Schwerpunkt sind innere Erkrankungen – von Herzschwäche und Lungenerkrankungen über Diabetes bis hin zu Krebs. Tumorerkrankungen werden bei uns mit dem speziellen Blick auf das Alter behandelt, das heißt, es kommen weniger aggressive Therapieverfahren zum Einsatz, und die Lebensqualität ist das oberste Gebot.

Und wie ist es mit der Lebensqualität bei Demenz?

Demenz ist im hohen Alter leider sehr häufig. Doch es gibt unterschiedliche Arten, zum Beispiel eine Form, die durch kranke Gefäße, Bluthochdruck und Diabetes ausgelöst wird. Wird hier die zugrunde liegende Krankheit richtig behandelt, lässt sich auch Demenz gut verhindern. Bei der Alzheimer Krankheit gibt es aber trotz intensiver Forschung und klinischer Studien noch keine guten ursächlichen Therapien. Die bisher eingesetzten Medikamente können nur vorübergehend den Verlust der Gedächtnisleistung etwas hinauszögern.

Die meisten alten Menschen nehmen doch ohnehin viel zu viele Medikamente.

Das stimmt. Viele über-75-Jährige nehmen sechs bis zehn verschiedene Mittel gleichzeitig, dazu noch selbstgekaufte Schmerz- und Schlafmittel. Da ist es oft unklar, ob ihre Beschwerden nicht sogar von den Medikamenten selbst kommen. Eine speziell geschulte Stationsapothekerin prüft das bei uns. Auch ob sich die Medikamente vertragen, und vor allem, wie sie sich reduzieren lassen.

Sollten Patienten zuerst zum Hausarzt gehen und gleich ins Zentrum für Altersmedizin?

Ganz klar, zum Hausarzt. Er ist oft jahrelanger Ansprechpartner und sollte es auch bleiben. Denn er hat eine wichtige Lotsenfunktion. Um im Zentrum für Altersmedizin behandelt zu werden, braucht es ohnehin eine Überweisung vom Haus- oder Facharzt. Wir sichten die Befunde und wählen aus, welcher fachliche Bereich und welches Format für die Behandlung infrage kommen – Ambulanzen, Tageskliniken oder der stationäre Bereich, wo auch die sogenannte geriatrische, frührehabilitative Komplexbehandlung stattfindet, zum Beispiel nach einem Schlaganfall oder einem Hüftbruch. Diese dauert zwei bis drei Wochen und ist sehr personalintensiv. Ziel ist es, möglich viel verlorene Mobilität und Selbstständigkeit wieder aufzubauen.

Haben Sie einen Geheimtipp für gesundes Altern?

Sogar mehrere. An erster Stelle steht die Achtsamkeit. Dazu gehört ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und reichlich Flüssigkeit. Viele ältere Menschen sind mangelernährt. Sie haben weniger Appetit und können schlechter kauen. Ist ein Gewichtsverlust einmal eingetreten, wird er im Alter selten wieder aufgeholt. Achtsamkeit heißt aber auch, mit seinen Ressourcen zu haushalten, um Stürze zu verhindern.

Also eher Passivität und Schonung?

Nein. Übervorsichtig und ängstlich jede Bewegung zu vermeiden, führt in eine Abwärtsspirale. Irgendwann traut man sich gar nichts mehr zu. Ein gesundes Maß an Belastung ist nötig, um seine Kräfte zu erhalten.

Und die anderen Geheimtipps?

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Interessen. Ein Hobby oder eine Beschäftigung, die Freude schenkt, gepaart mit einem stabilen sozialen Netz aus Familie und Freunden sind wichtig für den Erhalt der geistigen und körperlichen Fähigkeiten. Der dritte Tipp heißt Bewegung. Da die Muskulatur sich schnell abbaut, sind Kraft, Ausdauer und Balance wichtig – auch um einen sicheren Stand zu haben und Stürzen vorzubeugen. Ein guter Seniorensport ist Tanzen. Er vereint alle drei Disziplinen, macht obendrein noch Spaß und sorgt für soziale Kontakte. In einer Gruppe ist das auch dann möglich, wenn man keinen Partner mehr hat. Tägliches Laufen oder Wandern tun Körper und Seele gut. Gut ist es auch, sein Alter anzunehmen, sich über die Dinge zu freuen, die man noch tun kann. Ich nenne das, einen Plan B zu haben statt traurig über Verluste zu sein. Das schenkt Zufriedenheit – eine Voraussetzung für gesundes Altern.

Das Gespräch führte Stephanie Wesely.