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Wie giftig ist der Rauch überm Gewerbegebiet Kodersdorf?

Hier werden jede Menge Abgase in die Luft geblasen. Die sieht man. Vor allem bei einer bestimmten Wetterlage. Und das sagen die Unternehmen dazu.

Bedrohlich sieht es aus, wenn die Abgase aus dem Gewerbegebiet Kodersdorf mit den tief stehenden Wolken verschmelzen.
Bedrohlich sieht es aus, wenn die Abgase aus dem Gewerbegebiet Kodersdorf mit den tief stehenden Wolken verschmelzen. © André Schulze

Von der B 115 aus hat man das Gewerbegebiet Kodersdorf gut im Blick. Ein Unternehmen neben dem anderen hat sich hier angesiedelt. Überall wird produziert. Rohstoffe werden veredelt, in eine andere Form gebracht, in Endprodukte oder Zulieferteile verwandelt. Mit anderen Worten: Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Und entstehen Nebenprodukte, auch Abgase. 

In dem fast voll belegten Industriestandort fallen besonders viele davon an. Zwei der Betriebe, die aufgrund ihrer Branche und der Größe ihrer Werke am Standort Kodersdorf jede Menge Abgase in die Luft blasen, sind der Leichtmetallfelgenhersteller Borbet und der Holzveredler HS Timber Productions, früher Holzindustrie Schweighofer. Vor allem die Rauchschwaden, die von dem Gelände des Rohholzverarbeiters in den Himmel steigen, sind bei bestimmtem Wetter wie eine Glocke über dem Gewerbegebiet zu sehen. Dann nämlich, wenn die von Meteorologen so genannte Inversionswetterlage herrscht, gibt es dieses spezielle Gebilde über dem Standort an der B 115. 

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Dabei kommt es nicht mehr zum Austausch der Luftschichten, wie es im Normalfall üblich ist. Vielmehr liegt die kältere Schicht stabil unter der wärmeren. Im Internet-Lexikon Wikipedia heißt es dazu: "Infolge der Abschirmung kann es vor allem bei Inversionen über Ballungszentren zu einer Ansammlung von Luftschadstoffen und anderen Beimengungen in der kühleren, unteren Schicht kommen." Eine besonders starke Erscheinungsform sei der Smog.

Beim Holztrocknen entsteht Wasserdampf

Doch gibt es diese Luftverschmutzung auch in Kodersdorf? Thomas Kienz ist kaufmännischer Leiter bei HS Timber Productions. Die Produktion in seinem Werk ist äußerst energieintensiv. Um noch mehr Kapazität in der Trocknung zu bekommen, wird derzeit ein neues Heizkraftwerk errichtet. Im Frühjahr 2020 soll es fertig sein. Nach der Inbetriebnahme sollen sämtliche 560.000 Kubikmeter Schnittholz, die pro Jahr das Werk verlassen, auch hier getrocknet werden. Bisher liegt die Quote bei 87 Prozent. Entsprechend groß ist der Anfall von Wasserdampf, der in die Luft entweicht. "30 bis 40 Meter steigt er hoch, dann vermischt er sich", erklärt Kienz. Nur bei der beschriebenen Inversionswetterlage ist das anders. Dann ist die große Menge Wasserdampf wie eine Wolke über dem Gewerbegebiet zu sehen.

Natürlich entstehen auch beim Verbrennen der Biomasse Abgase, die unter dem Begriff Holzgas zusammengefasst werden. "Das riecht ganz anders als in der Kohleverbrennung und wird einer permanenten Kontrollmessung unterzogen", stellt Kienz klar. Kohlenmonoxid dürfe nicht im Abgas sein, Kohlendioxid und Staub nur in geringen, vorgeschriebenen Mengen. Mit einer elektronischen Messsonde, die sich im Abgasstrom befinde, behalte man die Werte stets im Auge. Ob dabei wiederum alles mit rechten Dingen zugeht, wird bei HS Timber Productions in regelmäßigen Abständen von einer Spezialfirma aus Thüringen unter die Lupe genommen. Deren offizieller Messbericht geht an die zuständige Behörde. Im Falle der Unternehmen in Kodersdorf ist dies das Umweltamt des Landkreises Görlitz.

Borbet Sachsen hat 20 überwachungspflichtige Quellen

Ganz ähnlich sieht das bei Borbet Sachsen aus. Hier hat Torsten Krautz als Leiter der Abteilung Arbeits- und Umweltschutz den besten Überblick. "Wir haben 20 überwachungspflichtige Quellen", berichtet der Fachmann. Immerhin wird hier Aluminium im großen Stil gegossen, gibt es Schmelz-, Warmhalte- und Tunnelöfen sowie mehrere thermische Nachverbrennungsanlagen. "Dabei", erzählt Krautz, "wird der Luftstrom quasi noch einmal verbrannt, damit Lösungsmittel nicht in die Umwelt gelangen." Und er nennt einige Beispiele für das, was den Betrieb in gasförmigem Zustand verlässt und permanent mit Grenzwerten belegt ist: Stickoxide, Fluoride, Chloride und sogenannter Gesamtkohlenstoff. Darüber hinaus wird die Feinstaubkonzentration überprüft.

"Für all das fahren wir ein sehr umfangreiches Überwachungsprogramm", erklärt Torsten Krautz. Ausgeführt wird das - wie beim Nachbarn HS Timber - von einer behördlich zugelassenen Spezialfirma, die alle drei Jahre mit der entsprechenden Messtechnik anrückt. "Wir als Betreiber der Produktionsanlagen müssen das sicherstellen und auch bezahlen", erläutert der Fachmann für den betrieblichen Umweltschutz. Ganz wichtig: Die kontrollierten Aggregate müssen dabei unter Volllast laufen, um repräsentative Werte abzubilden. Darüber hinaus wird regelmäßig über interne Messungen, Bewertungen und Überprüfungen sichergestellt, dass die Grenzwerte eingehalten werden.

Umweltamt im Kreis behält den Überblick

Dass es dann durchaus auch zu Auflagen vom Umweltamt des Landkreises kommen kann, hat Borbet in der Vergangenheit bereits erlebt. "2017 haben wir uns um die Reduzierung des Staubausstoßes gekümmert. So etwas ist aber ganz normal. Die Kontrolle der Abgaswerte gehört wie die Produktion zum Betrieb eines solchen Werkes einfach dazu", weiß Krautz.

Auch für das Umweltamt im Kreis sind solche Dinge nichts außergewöhnliches. Schon beim Erteilen von Baugenehmigungen seien in der Regel immissionsschutzrechtliche Genehmigungen notwendig. "In den Antragsunterlagen müssen die technologischen Prozesse, die eingesetzten Stoffe und die beim Betrieb der Anlagen verursachten Luftschadstoffemissionen beschrieben werden", stellt Kreissprecherin Julia Bjar klar. Dies sei die Grundlage für die Kenntnis des Umweltamtes über die Situation in den einzelnen Betrieben in diesem Bereich.

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