merken
PLUS

Wirtschaft

Google will Sachsen zu KI-Experten machen

Alexander Krock, Google-Experte für Cloud Computing, eröffnete den diesjährigen Silicon Saxony Day.

Alexander Krock, Manager bei Google, steht vor Beginn seines Vortrags beim 14. Silicon Saxony Day im Konferenzcenter am Dresdner Flughafen International.
Alexander Krock, Manager bei Google, steht vor Beginn seines Vortrags beim 14. Silicon Saxony Day im Konferenzcenter am Dresdner Flughafen International. © dpa-Zentralbild

Künstliche Intelligenz (KI) scheint allgegenwärtig zu sein. Doch was ist der aktuelle Stand der Dinge? Auf den brachte Alexander Krock, Experte für KI bei Google Deutschland die rund 400 Teilnehmer des 14. Silicon Saxony Day, einem Netzwerktreffen der sächsischen Hochtechnologiebranche, am Dienstag in Dresden. 

In seinem Eröffnungsvortrag ging er der Frage nach, wie künstliche Intelligenz hilft, Prozesse zu optimieren und neue Dienste zu entwickeln und warum dabei Cloud Computing eine Schlüsselrolle spielt. Denn Maschinelles Lernen (ML), also das Lernen eines Software-Systems anhand von Daten, Beispielen und Erfahrungen, braucht sehr viel Rechenleistung. Über diese Hochleistungs-Hardware können die meisten Unternehmen in Sachsen nicht verfügen. Sie können stattdessen auf Rechenleistung aus der Wolke zurückgreifen, wenn sie Hochleistungs-Hardware von Google, Amazon oder anderen Anbietern mieten. Mit der Technologie von Google könnten KI-Systeme zudem um das 15- bis 30-Fache schneller trainiert werden, warb Krock in Dresden. Er leitet die „Customer Engineering Services“ von Google Cloud in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im Anschluss an den Vortrag fragte Sächsische.de nach:

Herr Krock, Sachsens Mittelstand ist laut Studien schlecht auf die Digitalisierung vorbereitet. Was sind ihrer Ansicht nach die Gründe dafür?

Eine der größten Herausforderungen ist häufig eine Wissenslücke bzw. Fehlinterpretation, was die digitale Transformation angeht: Wir beobachten, dass traditionelle Unternehmen die Digitalisierung oft als rein technischen Vorgang betrachten, der irgendwann abgeschlossen ist. Doch es gehört viel mehr dazu, der Weg zur digitalen Transformation fängt bereits beim Umdenken an. Was sind meine Möglichkeiten und wo in meinem Geschäftsmodell macht die Digitalisierung von Prozessen den entscheidenden Unterschied? Wie kann ich diese Herausforderungen mithilfe neuer Technologien meistern? Letztlich beginnt mit diesen Fragen ein Prozess, für dessen Erfolg es entscheidend ist, dass alle Mitarbeiter von Anfang an “mit auf die Reise” genommen werden.

Welche Herausforderungen müssen die Unternehmen meistern?

Gelegentlich zweifeln Unternehmen an ihrem Know-how. Sie müssen Veränderungen zulassen und ihre Organisation neu strukturieren. Das erfordert Mut und Widerstandsfähigkeit. Gerade die eigenen Mitarbeiter können hier helfen: Es gibt niemanden, der besser wüsste, welche Arbeitsabläufe optimiert werden können.

Der Grundstein für eine erfolgreiche digitale Transformation sollte lösungsorientiert und bewusst gelegt sein: Nur wenn man weiß, was verbessert werden soll, kann man es ändern. Aus diesem Einstieg können dann auch schnell weitere, neue Geschäftsmodelle entstehen – so beginnt ein kontinuierlicher Wandel, der die digitale Transformation auszeichnet.

Bei benötigten Experten für KI wird das Fachkräfteproblem immer größer. Kleine und mittelständische Firmen finden nicht die entsprechenden Mitarbeiter. Welche Lösungen bietet Google für den Mittelstand an, um dieses Problem zu mindern?

Es fällt vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen noch schwer, die relevanten Prozesse und Anwendungsbereiche für maschinelles Lernen (ML) und künstliche Intelligenz zu identifizieren. Ein erster Schritt kann eine “intelligente” Büro-Software sein. Damit können Mitarbeiter noch besser zusammenarbeiten. Daten sind gleichzeitig für alle Teammitglieder verfügbar, Dokumente können parallel bearbeitet werden – so bleibt mehr Zeit für wichtige Kernaufgaben. Darüber hinaus bietet Google für Unternehmen, die in den Bereichen KI und ML bisher wenig Erfahrung haben, vorgefertigte Tools an wie etwa Cloud Natural Language, welches Texte analysieren und verstehen kann. Oder nehmen wir Cloud Translation: Damit können Unternehmen auf die KI hinter Google Übersetzer zugreifen. Wir versuchen Maschinelles Lernen zu demokratisieren.

Was heißt das?

Mit AutoML stellen wir bei Google Cloud ein System zur Verfügung, mit dem der Anwender ohne viel Vorkenntnisse sein eigenes ML-Modell erstellen und trainieren kann.Damit demokratisieren wir KI- und ML-Funktionen für Unternehmen, die keine ausgewiesenen Experten wie Datenwissenschaftler beschäftigen, denen aber die komplett vor-trainierten Modelle nicht ausreichen.

Haben Sie ein Beispiel dafür?

Die Zoological Society of London (ZSL) nutzt KI zum Beispiel zur Analyse von Tieraufnahmen aus der Natur. So müssen Tiere in der Wildnis nicht mehr mühsam manuell gezählt werden, sondern werden automatisch anhand von Bildmaterial klassifiziert. Dies spart einige hundert Stunden Arbeit und gibt der ZSL die Möglichkeit, sich noch besser auf Tierschutzprojekte zu konzentrieren. 

Mehr zum Thema Wirtschaft