merken
PLUS

Wie groß ist die Chance auf ein Polizeirevier?

Radeberg hätte gern wieder mehr als einen Polizei-Standort. Ein neuer Minister weckt dabei Hoffnungen.

© Thorsten Eckert

Von Jens Fritzsche

Anzeige
Sorgenfrei unterwegs mit dem Care-Paket

Unterwegs mit dem neuen Seat Ibiza: Jetzt den Kleinwagen mit großen Ansprüchen selber testen und von den vielen Features überzeugen.

Radeberg. Mit jedem Ministerwechsel starten ja traditionell auch jede Menge Versuchsballons vor Ort, um Entscheidungen des Vorgängers vielleicht wieder aufheben zu können. Und so ließ natürlich jüngst auch Radebergs OB Gerhard Lemm (SPD) bei seiner Rede zum Neujahrsempfang einen solchen Ballon Richtung Sachsens neuen Innenminister Roland Wöller (CDU) steigen. Lemm bat den zum Neujahrsempfang gekommenen Ex-Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) als hiesigen Landtagsabgeordneten Minister Wöller auszurichten, dass Radeberg gern sein Polizeirevier wieder zurückbekommen würde. Nach der Polizeistruktur-Reform unter Ex-Innenminister Markus Ulbig (CDU) war ja bekanntlich Radebergs Revier zum „Polizei-Standort“ abgestuft und dem Revier Kamenz unterstellt worden. Seither hagelt es regelmäßig Kritik, man müsse lange auf die Polizei warten – und überhaupt scheint das Sicherheitsgefühl in Radeberg unter dieser Herabstufung zu leiden. Auch, wenn die Statistik in Sachen Straftaten und Aufklärung eine andere Sprache spricht – wie jüngst zum Beispiel ja die erfolgreiche Ermittlung der Brandstifterin auf dem Radeberger Eschebach-Areal zeigte.

Präsenz erhöhen

Zu Wochenbeginn nutzten nun aber auch Kommunalpolitiker in Radebeul und Coswig die Chance, auf den alten Status ihrer Polizeireviere zu pochen, die seit einigen ebenfalls nur noch Polizeistandorte sind. Wie groß sind denn nun aber die Chancen tatsächlich, dass der neue Innenminister an der Strukturschraube dreht?

Eher gering. Das zumindest macht Jan Meinel aus dem Innenministerium auf SZ-Nachfrage deutlich. „Auch, wenn wir natürlich jeden einzelnen Wunsch konkret betrachten müssen – aber eine Rückkehr zur alten Struktur würde ja dem eigentlichen Ansinnen der Reform zuwiderlaufen“, so der stellvertretende Ministeriumssprecher. Es gehe ja eben genau darum, nicht wieder neue sogenannte bürokratische Wasserköpfe aufzubauen, „sondern wir wollten mit der neuen Struktur ja die Präsenz der Polizei vor Ort auf den Straßen erhöhen“. Und dazu sei es im Prinzip egal, wie sich das Ganze vor Ort nenne – wichtig sei, dass es genügend Polizisten gebe. „Und daran hat es ja in der Vergangenheit gekrankt, das ist ganz klar einzuräumen“, nimmt der Sprecher kein Blatt vor den Mund. Macht aber auch deutlich, „dass wir ja daran bereits arbeiten und den Weg für jährlich 700 neue Polizisten freigemacht haben“.

Noch aber reiche das allerdings nicht aus, um die gleichzeitig höheren Abgänge älterer Polizisten in den Ruhestand zu kompensieren. 2019, verweist Jan Meinel auf die Statistik, werde sich das drehen. Dann wird mit einem Plus von 227 Beamten gerechnet. 2022 werden es gar rund tausend zusätzliche Polizisten sein. Und dann, so ist der Sprecher überzeugt, werde man auch diese höhere Polizistenzahl auf der Straße sehen. Zudem verweist Jan Meinel auf die Möglichkeit, „bei Problemen einfach den Kontakt zu den Revierchefs zu suchen“. Wenn es in einer Stadt Probleme mit der Polizeipräsenz oder eventuell auch Kriminal-Schwerpunkte gebe, „kann ein Bürgermeister ja durchaus die Verantwortlichen ansprechen, im Falle von Radeberg die Revierleiterin in Kamenz“.

Es wird sich also zeigen, ob die Wünsche nach einer Rückkehr zur alten Struktur zumindest in größeren Städten wie Radeberg erhört werden.