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Wie Gründer zu Geld kommen

UroTiss und HiperScan sind zwei Unternehmen, die der Technologiegründerfonds Sachsen fördert.

© Eric Münch

Von Bettina Klemm

Gerade ist Sören Liebig von der größten europäischen Fachmesse für Urologie aus Stockholm zurück. Dort hat er ein von seiner UroTiss GmbH entwickeltes Zelltransplantat vorgestellt. Dabei handelt es sich um einen Gewebeersatz, der aus Zellen aus der Mundschleimhaut der Patienten gezüchtet und zur operativen Behandlung von Harnröhrenerkrankungen eingesetzt wird. Für dieses Produkt hat die UroTiss die nationale Genehmigung erhalten. Dabei handelt es sich um die weltweit erste genehmigte Gewebezüchtung (Tissue-Engineering) in der Urologie. „Zuvor wurde das Produkt bei hundert Patienten an zehn spezialisierten Kliniken über drei Jahre erfolgreich eingesetzt“, sagt der Geschäftsführer Liebig. Nun strebt UroTiss die Zulassung europaweit und in den USA an.

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Der Jurist Liebig und seine Frau, die Ärztin Dr. Gouya Ram-Liebig, hatten 2005 die Firma gegründet. Anfangs forschten sie mit privaten Mitteln. 2008 erhielten sie Unterstützung über den Hightech-Gründerfonds des Bundes. „Parallel hat uns die Sächsische Aufbaubank unterstützt“, sagt Liebig.

2009 stieg die SIB Innovations- und Beteiligungsgesellschaft mbh, ein Tochterunternehmen der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, ein. Sie nutzt den Technologiegründerfonds, den der Freistaat Sachsen und die Sparkassen auflegen. Der hat ein Gesamtvolumen von 60 Millionen Euro. „Wir beteiligen uns mit Risikokapital an Unternehmen in der Regel zwischen 500.000 und vier Millionen Euro“, sagt SIB-Geschäftsführer Gregor Kampwerth. Bei zwei bis vier Projekten steigt die SIB jährlich ein. So wurden seit 2007 aus dem Gemeinschaftsfonds 36 Unternehmen, darunter zwölf Start-ups, unterstützt. Damit entstanden 326 Arbeitsplätze. Die SIB bringt als Partner neben Kapital auch Branchen- und Managementerfahrungen ein und unterstützt die Unternehmen in Sachen Strategie, Marketing und Controlling. Läuft ein Unternehmen, verkauft der Fonds seine Anteile, möglichst gewinnbringend. Allerdings kann das Geschäft auch schief gehen, so haben es sieben Firmen nicht auf dem Markt geschafft.

Bei der Firma UroTiss konnte die SIB 2010 die Anteile erfolgreich an das Dresdner Pharmaunternehmen Apogepha verkaufen. „Wir haben uns für die Beteiligung an der UroTiss GmbH entschieden, da uns mit der Entwicklung innovativer urologischer Arzneimittel ein gemeinsames strategisches Ziel verbindet und wertvolle Synergien genutzt werden können“, erklärt Henriette Starke. Sie ist Geschäftsführende Gesellschafterin der Apogepha.

Als ein weiteres Beispiel nennt SIB-Chef Kampwerth die HiperScan GmbH. Das Unternehmen entstand 2006 als Ausgründung aus dem Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme. Mit 700 000 Euro hat sich der Gründerfonds 2010 an dem Unternehmen beteiligt. „Zuvor haben
wir 2008 vom Hightech-Gründerfonds 500.000 Euro erhalten“, sagt Thomas Schäfter. Er gehört zur Geschäftsleitung der HiperScan. Weitere 400.000 Euro erhielt das Unternehmen im vergangenen Jahr von einem privaten Investor. Mit dem Geld konnte die HiperScan ein Gerät entwickeln und auf den Markt bringen, mit dem eine schnelle und kostengünstige Identifikation von Stoffen und Stoffgemischen möglich ist. Der sogenannte Nahinfrarot-Spektrometer „Apo-Ident“ wurde bereits über 400 Mal an deutsche Apotheken verkauft. Nun, so kündigt Schäfer an, ist die Internationalisierung geplant. Die HiperScan beschäftigt derzeit 27 Mitarbeiter.

Hat sich ein Unternehmen etabliert und ein marktreifes Produkt entwickelt, dann springen in der Regel auch Banken bei der weiteren Entwicklung ein. „Wir haben in Dresden etwa 150 Unternehmen im Jahr mit einem Kredit geholfen“, sagt Steffen Beer. Er leitet bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden den Bereich Geschäftskunden. Die Kreditspanne lag zwischen 5.000 und 3,6 Millionen Euro.

Seit wenigen Jahren gibt es auch in Deutschland das sogenannte Crowdfunding. Dabei partizipieren die privaten Geldgeber vom Erfolg des jeweiligen Unternehmens. Allerdings tragen sie auch das volle Risiko, wenn die Pläne nicht aufgehen.

So sammelte das Unternehmen Seedmatch eine Million Euro für das Dresdner Start-up-Unternehmen AoTerra ein. Das Geld stammt von 886 Privatpersonen. „Gemeinsam mit AoTerra hat Seedmatch den nächsten großen Meilenstein in Deutschland eingeleitet. Wir haben bewiesen, dass Crowdfunding durchaus eine Alternative in der Frühphasenfinanzierung von jungen innovativen Unternehmen darstellt“, sagt Seematch-Chef Jens-Uwe Sauer.