merken
PLUS Leben und Stil

Wie gut schützen Schutzmasken wirklich?

Der Bedarf ist größer als das Angebot. Deshalb greifen jetzt viele zur Selbsthilfe.

Ein bisschen Spaß muss sein: Künstlerin Mansha Friedrich verschenkt selbst gehäkelte Atemschutzmasken mit auswechselbaren Stoff-Inlays.
Ein bisschen Spaß muss sein: Künstlerin Mansha Friedrich verschenkt selbst gehäkelte Atemschutzmasken mit auswechselbaren Stoff-Inlays. © Julian Stratenschulte/dpa

Nach Tschechien will ab Mittwoch auch Österreich die Pflicht zum Tragen von Schutzmasken einführen – zunächst aber nur zum Einkaufen. Kommt das auch auf Deutschland zu? Und was taugen selbst genähte Masken?

Wer sollte jetzt eine Schutzmaske tragen?

August Holder GmbH
Zuverlässigkeit und Erfahrung
Zuverlässigkeit und Erfahrung

Kettensäge kaputt oder Profi-Gerät für´s Wochenende gesucht? Bei HOLDER kein Problem: Onlineshop, Werkstatt und Leihservice sorgen für funktionierendes und passendes Gerät.

Eine einfache Schutzmaske ohne Filter behindert die Verbreitung infektiöser Tröpfchen beim Sprechen, Husten und Niesen. „Damit schützt man die anderen, aber nicht sich selbst“, sagte Christian Drosten, Virologe an der Berliner Charité. Allerdings würden nur grobe Tröpfchen abgehalten, das Einatmen eines mittelgroßen Aerosols sei damit wahrscheinlich nicht zu verhindern. Deshalb gelte es, auch mit Schutzmaske die gebotenen Sicherheitsabstände und Hygieneregeln einzuhalten.

Was unterscheidet einfache von medizinischen Schutzmasken?

Der Filter. Bei der sogenannten FFP3-Maske werde mithilfe eines speziellen Filters die Einatemluft so stark gefiltert, dass auch Viren nicht hindurch könnten, wie Hersteller informieren. Diese Masken dienen dem Selbstschutz vor Infektionen. Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, appelliert an alle, sich keine solchen Schutzmasken für den Alltag zu bestellen. Dafür seien sie nicht nötig und würden zudem für medizinisches Personal benötigt.

Schützen selbst genähte Masken genauso gut wie gekaufte?

Anleitungen zum Selbstnähen empfehlen die Verwendung von doppellagigem, kochfestem Baumwollstoff und eine Drahteinlage, um ein dichtes Abschließen zu ermöglichen. Diese und vereinzelt noch käuflichen Einmal-Schutzmasken dienen nur dazu, die Verbreitung von infektiösen Tröpfchen zu reduzieren. Auch ein Schal oder Tuch vor dem Mund erfüllen laut Peter Walger, Hygienearzt und Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, diesen Zweck. So gut wie FFP2 oder FFP-3-Masken schützen sie nicht. Eine Studie aus den USA hat gezeigt, dass selbst hergestellte Masken 74 bis 90 Prozent der Partikel durchließen, während das bei FFP2-Masken nur 0,12 Prozent waren.

Wie lange kann man eine dünne bzw. selbst genähte Schutzmaske tragen?

Wenn sie durchfeuchtet ist, schützt sie nicht mehr zuverlässig, sagen Infektiologen. Deshalb muss sie zu diesem Zeitpunkt gewechselt werden. Die Tragedauer hängt davon ab, ob viel gesprochen, gehustet oder geniest wird.

Kann man selbst genähte Masken mehrfach verwenden?

Ja, aber nur nach gründlicher Reinigung. Hygieneexperten empfehlen, die Maske bei 90 Grad in der Waschmaschine zu waschen oder auf dem Herd im Wasserbad fünf Minuten lang auszukochen. Deshalb eignet sich nur kochfester Baumwollstoff für die Herstellung.

Wird auch in Deutschland eine Maskenpflicht kommen?

Für Deutschland sieht die Bundesregierung keine solche Notwendigkeit, wie ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums am Montag auf der Bundespressekonferenz informierte. Dieses Szenario sei allenfalls denkbar, wenn es um die schrittweise Lockerung der Einschränkungen gehe. Allerdings soll in Jena das Tragen eines Schutzes Pflicht werden. 

Wie ist die Versorgungssituation mit Masken bei uns?

Die aktuelle Versorgungslage in Deutschland – aber auch in ganz Europa und weltweit – sei sehr angespannt, so das Bundesgesundheitsministerium, obwohl in vielen Bereichen der Industrie die Produktion auf Masken und Schutzkleidung umgerüstet würde. Die Bundesregierung will jetzt Masken im Schnellverfahren kaufen. Dabei finden keine Verhandlungen statt. Gesundheitsminister Jens Spahn sagte, man biete „faire und feste Preise für alle, die uns aus dem In- und Ausland mit Schutzmasken und -kleidung beliefern.“ Dem Sächsischen Sozialministerium zufolge sind die ersten Lieferungen bereits eingetroffen. Sie würden unverzüglich in den Gesundheitssektor, insbesondere an die Krankenhäuser, gegeben.

Was unternimmt der Freistaat,um mehr Masken zu bekommen?

Der Freistaat ist bemüht, die erforderliche Schutzausrüstung im notwendigen Umfang zu beschaffen. „Bislang konnten Beauftragungen für OP-Masken, textile Schutzmasken, FFP2-Masken und sonstige Schutzkleidung ausgelöst werden“, informiert eine Sprecherin des Sächsischen Sozialministeriums. Die Lieferungen seien aber noch nicht eingegangen. Es sei ein 14-Tage-Bedarf bestellt worden. In erster Linie werden Krankenhäuser, Gesundheitsämter und Ärzte beliefert. „Leider muss die Ware priorisiert vergeben werden“, so die Sprecherin.

Fertigen auch Firmen aus Sachsen Schutzmasken an?

Weiterführende Artikel

Sachsen kämpft gegen Corona-Spekulanten

Sachsen kämpft gegen Corona-Spekulanten

Nur fünf Prozent der Offerten für Viren-Schutzkleidung sind aufrichtig. Der Rest versucht, aus der Corona-Krise Profit zu ziehen.

So nähen Sie sich einen Mundschutz selbst

So nähen Sie sich einen Mundschutz selbst

Die Dresdner Designerin Dorothea Michalk erklärt Schritt für Schritt, wie es geht. Doch helfen Stoffmasken überhaupt?

Keine flächendeckende Maskenpflicht

Keine flächendeckende Maskenpflicht

Am Osterdienstag soll neu beraten werden. Ob es dann um eine Exitstrategie oder eine Verschärfung der Maßnehmen gehen wird – völlig offen.

Nur jeder 16. Corona-Test ist positiv

Nur jeder 16. Corona-Test ist positiv

Viele Sachsen klagen über zu wenige Tests. Doch Labormediziner begrüßen die strenge Auswahl der Testpersonen.

Informationen der Seite Textil-Network zufolge fertigen in Sachsen zum Beispiel Firmen für Radsport- oder für Berufsbekleidung Mundschutz an. Auch Heimtextilienhersteller und die Theaterschneiderei oder andere Textilbetriebe haben aufs Mundschutz- und Schutzkleidungnähen umgestellt. Regional gibt es auch private Initiativen von Menschen, die Schutzkleidung herstellen. „Diese Initiativen, die direkt vor Ort helfen, begrüßen wir sehr. Sie können aber nicht die medizinischen Masken ersetzen, die vereinzelt geliefert werden, so das Ministerium.

Aktuelle Informationen rund um das Coronavirus in Sachsen, Deutschland und der Welt lesen Sie in unserem Newsblog.

Mehr zum Thema Leben und Stil