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Wie Hans Sagan für Kaiser Karl eine Schlacht gewann

Die Schuhmacher tragen den Doppeladler im Wappen. Aber was hat daskaiserliche Zeichen mit der Innung zu tun?

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Von Wolf Dieter Liebschner

Während die meisten Gewerke die traditionellen Zeichen ihres Berufes auf Wappen und Innungsfahnen tragen, schmücken sich die Schuhmacher seit Jahrhunderten mit dem durchaus nicht handwerksgemäßen Doppeladler.

Die Geschichte führt in graue Vorzeit zurück, in das Jahr 1370. Genau am 17. Februar, es war ein Sonntag, kämpften nahe der Ortschaft Rudau im damals Samland genannten Ostpreußen Truppen des Deutschen Ritterordens gegen Russen und Litauer. Die „Schlacht von Rudau“ war blutig und schien für die deutschen Eroberer mit einem bitteren Ende in die Geschichte einzugehen. Die Truppen der Ritter wichen zurück und gaben die Schlacht schon verloren. Da jedoch riss einer der jüngsten Soldaten die Fahne mit dem kaiserlichen Wappen an sich. So stürmte er erneut gegen die Feinde an, was seinen Mitkämpfern neuen Mut gab. Die Mannen des Ritterordens gewannen dadurch die Schlacht letztendlich noch.

Man ahnt es schon: Der kühne Kämpfer war im zivilen Leben ein Schuhmacher-Geselle. Er hieß Hans Sagan und stammte aus Kneiphof, einem von drei Orten, die später Königsberg, das heutige Kaliningrad, bildeten. Seinen Mut in der Schlacht ließ Kaiser Karl IV. nicht unbelohnt: Unser Held Hans durfte auf der Karriereleiter aufwärts klettern. Er wurde zum Altgesellen befördert. Zusätzlich erhielt er den Adelstitel.

Der Zunft der Schuhmacher aber erwies Kaiser Karl die Ehre, den herrschaftlichen Doppeladler im Wappen zu führen. In der Urkunde heißt es: „Da ihr Schuster durch Eure Tapferkeit bei Königsberg bewahret habet meines kaiserlichen Hauses Ehr und Ruhm, so soll meine Kaiserliche Gnade gegen Euch darin bestehen, daß Ihr und alle Schuster den Kaiserlichen doppelten Adler fort und fort auf Schild und Fahne führen sollt.“