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Der Mann, der Elbflorenz durch die Corona-Krise führt

Der Handball-Zweitligist aus Dresden beantragt Kurzarbeit für alle Mitarbeiter. Es drohen Verluste von über 100.000 Euro. Doch die Saison könnte weiterlaufen.

Karsten Wöhler ist als Manager beim HC Elbflorenz jetzt vor allem in Telefonkonferenzen und Gesprächen mit Mitarbeitern und Partnern des Vereins gefordert.
Karsten Wöhler ist als Manager beim HC Elbflorenz jetzt vor allem in Telefonkonferenzen und Gesprächen mit Mitarbeitern und Partnern des Vereins gefordert. © Thomas Kretschel

Dresden. Es ist eine Phase voller Unwägbarkeiten. Der HC Elbflorenz Dresden wartet wie alle anderen Handball-Zweitligisten und -Erstligisten auf die Fortsetzung der Saison. Die Handball-Bundesliga-Verband (HBL) hatte aufgrund der Corona-Pandemie am 12. März beschlossen, vorerst bis zum 22. April auszusetzen. 

Der Verein aus Dresden ist am Donnerstag nun mit Details an die Öffentlichkeit gegangen, wie er die Spielpause wirtschaftlich und sportlich überleben kann und will. Und das vor dem Hintergrund, dass Zuschauereinnahmen und Zahlungen der Sponsoren die zwei tragenden finanziellen Säulen sind. Der Saisonetat der Elbflorenz-Handballer liegt zwischen 1,5 und 1,6 Millionen Euro, auch wenn das so exakt niemand bestätigt. 

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Am Freitag, den 13.3. um 19.30 Uhr wäre die Playoff-Viertelfinal-Serie der Dresdner Eislöwen gegen die Löwen Frankfurt gestartet.

Weil die Einnahmen mindestens bis zum 22. April ausfallen, hat  der Klub rückwirkend ab 1. März für alle Spieler, Trainer und Mitarbeiter beim Arbeitsamt Dresden Kurzarbeitergeld beantragt. "Die nun anstehende Zeit ist eine große Herausforderung für uns alle. Für den HC Elbflorenz geht es ums Überleben. Es ist allen Beteiligten klar, dass es harte finanzielle Einschnitte geben wird", sagt HC-Manager Karsten Wöhler. 

Jedes Heimspiel bringt etwa 15.000 bis 20.000 Euro

"Umso mehr beeindruckt es mich und stimmt mich froh zugleich, dass ausnahmslos alle Spieler, Trainer und Mitarbeiter der Geschäftsstelle auch in diesen Zeiten als Team zusammenhalten und der Beantragung des Kurzarbeitergeldes zugestimmt haben", betont der 44-Jährige. 

In den Zeitraum der vorerst angedachten Spielpause fallen allein drei Heimspiele, insgesamt sechs Heimspiele wären es noch bis zum regulären Saisonende. Laut Wöhler rechnet der Verein, dessen Zuschauerdurchschnitt bislang bei 1.957 Besuchern liegt, pro Heimspiel normalerweise mit Einnahmen zwischen 15.000 und 20.000 Euro. Das zuletzt abgesagte Sachsen-Derby gegen Aue am 15. März war mit 2.600 verkauften Tickets bereits ausverkauft. 

Würde die Saison doch komplett abgebrochen werden wie beispielsweise im Eishockey, Volleyball und Basketball, entstünden den Dresdnern rein durch das Ticketing Einnahmeverluste von bis zu 120.000 Euro. Zudem drohen beim Szenario eines vorzeitigen Saisonabbruchs auch Rückforderungen von Sponsoren.

Der Plan des Trainers geht erst einmal nicht auf

Um die Ausgaben erst einmal zu minimieren, hat sich der Verein nun zu dem radikalen Schritt entschlossen. "Wann wir mit dem Kurzarbeitergeld vom Amt rechnen können und wie hoch die Zuschüsse ausfallen, vermag ich allerdings nicht zu sagen. Die Situation ist für uns alle neu. Aber wir sind dem Staat dankbar, dass es diese Möglichkeit gibt", erklärt Manager Wöhler. 

Die konkrete Frage, wie lange der HC Elbflorenz die aktuelle Lage finanziell und damit existenziell übersteht, will Wöhler nicht beantworten. "Das ist derzeit schwer zu sagen. Es gibt ja nach wie vor die Chance darauf, dass wir weiterspielen", sagt er. 

Jeder Profi der Zweitliga-Mannschaft hält sich derzeit individuell fit. "Es gibt eine Empfehlung vom Trainer", sagt Wöhler. Cheftrainer Rico Göde hatte noch vor zwei Wochen gehofft, am 26. März wieder mit dem Mannschaftstraining beginnen zu können. Die gegenwärtigen Einschränkungen schließen das allerdings noch einige Zeit aus. 

Nils Kretschmer und seine Profi-Kollegen sind jetzt Kurzarbeiter. Aber alle hoffen, dass die Saison noch weiterläuft.
Nils Kretschmer und seine Profi-Kollegen sind jetzt Kurzarbeiter. Aber alle hoffen, dass die Saison noch weiterläuft. © Roland Bonss

Wöhler und der Verein denken dennoch optimistisch. Und das heißt: Weiterspielen. Wann und wie - das wird am kommenden Montag wieder Thema sein, wenn die HBL mit den Vereinsvertretern die nächste Telefonkonferenz abhält. "Es ist ein sehr wertvoller Austausch, und wir helfen uns gegenseitig. Am Ende muss jeder Verein vor Ort mit seinen Partnern eigene Lösungen finden, welche ihm am besten helfen", lässt Wöhler durchblicken. 

Der Thüringer glaubt nicht an einen zeitnahen Abbruch der Saison. „Grundsätzlich ist es nach wie vor der Plan, die Saison noch zu Ende zu spielen, natürlich nur wenn es sowohl verantwortbar den Beteiligten gegenüber als auch spieltechnisch umsetzbar ist. Hierfür wurde eigens die Arbeitsgruppe Spielbetrieb mit Vertretern der HBL, des DHB und der Landesverbände ins Leben gerufen, um alle denkbaren Szenarien zu durchleuchten", betont Wöhler. 

Die Gespräche mit den Sponsoren laufen positiv

Auch von Sponsoren gebe es erste positive Signale. Der Verein arbeitet mit seinen Partnern an Plänen, sich in der Krise gegenseitig zu unterstützen. „Vorstellbar wäre natürlich, dass wir als Verein auch unseren Sponsoren in diesen Zeiten etwas zurückgeben, indem wir die Unternehmen mit unseren Ressourcen und Fähigkeiten unterstützen so gut es eben geht", sagt Wöhler. 

"Natürlich ist jeder Sponsor zunächst mit seiner eigenen Firma beschäftigt und trägt die Verantwortung für seine Mitarbeiter. Ich empfange aber positive Signale, dass auch in der Zukunft die Sponsoren zum HC Elbflorenz stehen", erklärt der Manager.

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Die Lage beim Tabellen-14. der zweiten Liga ist zumindest so bedrohlich, dass Wöhler auch um die weitere Unterstützung der Fans bittet. „Die Situation für den HC Elbflorenz ist ernst. Wir hoffen auf die Solidarität und Unterstützung unserer Zuschauer und Fans, damit Bundesliga-Handball in Dresden weiter möglich ist und auch die gute Arbeit im Nachwuchsleistungszentrum fortgesetzt werden kann", sagt er. Deshalb sein Anliegen: "Wir bitten höflichst darum, dass unsere Zuschauer ihre Tickets behalten und von Rückerstattungswünschen absehen."