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Dresden

Wo dürfen Hochhäuser gebaut werden?

Im März soll das Leitbild dafür fertig werden. Ein Neubau wäre danach nicht so hoch genehmigt worden.

Die vorbereitenden Arbeiten laufen bereits: An der Fristz-Löffler-Straße soll die neue Hauptverwaltung von Drewag und Enso entstehen. Das Hochhaus soll 51 Meter hoch werden und 14 Etagen haben.
Die vorbereitenden Arbeiten laufen bereits: An der Fristz-Löffler-Straße soll die neue Hauptverwaltung von Drewag und Enso entstehen. Das Hochhaus soll 51 Meter hoch werden und 14 Etagen haben. © gmp Architekten

Dresden. Seit vorigem Jahr wird intensiv am Dresdner Hochhausleitbild gearbeitet, auch die Bürger sind mehrfach einbezogen worden. Jetzt ist das Projekt auf der Zielgeraden, soll noch im ersten Quartal fertig werden. Dann wird es im Stadtrat diskutiert, Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) rechnet damit, dass es im zweiten Halbjahr 2020 beschlossen werden kann.

Was genau wird in der Richtlinie geregelt?

Mit dem gerade entstehenden Handbuch liegen sowohl für das Stadtplanungsamt als auch für Investoren klare Kriterien für den Bau von Hochhäusern vor. Es gibt die Gebiete vor, in denen überhaupt hohe Häuser entstehen können. Das sind neben Bereichen rund um den Hauptbahnhof und am Altarm der Weißeritz zwischen Nossener Brücke und Freiberger Straße auch die Gebiete Dobritz und Niedersedlitz, wo keinerlei Blickachsen zur Innenstadt gestört werden. Außerdem können an der Grunaer Straße sowie der Stübelalle bestehende höhere Gebäude erneuert werden.

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Für die Johannstadt empfehlen die Autoren des Hochhausleitbildes, Stadtplaner Christian Blum und Architekturhistoriker Christoph Schläppi aus Zürich, eine niedrigere Bebauung, wenn die jetzigen Häuser saniert werden müssen. Denn die bestehenden Hochhäuser stören von der Waldschlößchenbrücke, den Elbschlössern oder der Bergstation der Schwebebahn erheblich die Sichtbeziehungen auf die Altstadt.

Absolute Tabuzonen für Hochhäuser sind die Elbwiesen und die direkte Nähe zu Kulturdenkmalen.   

Wie hoch dürfen einzelne Häuser werden?

Grundsätzlich unterscheidet das Dresdner Leitbild drei Gruppen von Hochhäusern. Die erste sind höhere Häuser von 22 bis 38 Meter Höhe, die zweite wirkliche Hochhäuser bis 52 Meter Höhe und die dritte sind sogenannte Akzente wie die Türme des Residenzschlosses oder der Frauenkirche sowie der Rathausturm mit 70 bis 97 Metern Höhe.

Konkret könnte am Hauptbahnhof ein Ensemble von mehreren Häusern entstehen. Während am Wiener Platz West nur ein höheres Haus bis 38 Meter möglich ist, um den Blick vom Fichteturm auf die Altstadt-Silhouette nicht zu verstellen, könnte am Wiener Platz Ost ein Hochhaus bis 52 Meter Höhe gebaut werden.

Auch an der Weißeritz sind abhängig vom Standort höhere Häuser sowie Hochhäuser denkbar. Für den Neubau des neuen Verwaltungsgebäudes am Ferdinandplatz sind in Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt 34 Meter für den Turm festgelegt worden.

Wie sollen Hochhäuser gestaltet sein?

Im Leitbild sind klare Gestaltungskriterien formuliert. Grundsätzlich sollten sich Hochhausneubauten in ihre Umgebung einfügen. Gewünscht ist eine schlanke, turmartige Form mit einem Sockelgeschoss. Sogenannte Scheibenhochhäuser mit längsrechteckiger Form kommen nicht infrage. Das Material sollte sich an der Umgebung orientieren.

Christoph Schläppi sagt, Extravaganz ist bei der Gestaltung zu vermeiden und meint damit beispielsweise verspiegelte Glasfassaden. Sie sind nicht nur aufgrund klimatischer Veränderungen weder erwünscht noch sinnvoll. Zudem sollen die Erdgeschosszonen möglichst öffentliche Bereiche mit breitem Nutzungsmix bieten, damit Stadt und Gebäude interagieren. 

Wie rechtssicher ist das Leitbild?

Es kann nur eine Empfehlung sein, sagt der Baubürgermeister. "Aber ich gehe davon aus, dass die meisten dieser Projekte einen Bebauungsplan benötigen und wir mit den Bauherren dann aufgrund des Leitbildes verhandeln."

Christian Blum sieht das Hochhausleitbild als Instrument, das sowohl für das Stadtplanungsamt als auch für den Investor Planungssicherheit schafft. Viele andere Kommunen, die so etwas nicht zur Verfügung haben, hätten wenig Argumentationsspielraum bei Bauanfragen.

Sein Kollege Christoph Schläppi lobt Dresden dafür, dass die Richtlinie erstellt wird. Denn eigentlich ist die Stadt aufgrund verfügbaren Raumes nicht auf Hochhäuser angewiesen, um sich quantitativ zu entwickeln. "Umso besser, dass auf Qualität geachtet wird." Hochhäuser sollen nur dort entstehen, wo sie aus städtebaulicher Sicht wirklich erwünscht sind. 

Passen alle Neubauten ins Konzept?

Nicht ganz. Ein Neubau, der fast fertig ist, würde nach dem Hochhausleitbild nicht mehr so hoch gebaut werden dürfen: das Wohnhaus am Straßburger Platz, hinter dem Einkaufszentrum SP1, das rund 40 Meter hoch ist. Möglich wäre heute dort maximal ein höheres Haus bis 38 Meter, sagt Stefan Szuggat, der Leiter des Stadtplanungsamtes. Doch genau an dem Standort hatte sein Amt dem Investor ein höheres Haus als das von ihm geplante empfohlen.

An anderer Stelle passt es jedoch, wie beim geplanten Verwaltungsneubau von Enso und Drewag an der Fritz-Löffler-Straße, der 51 Meter hoch wird. Für einen weiteren Drewag-Bau, der im Kraftwerk Mitte entstehen soll, gibt es jetzt Klarheit. Der vorgesehene Turm kann bis 38 Meter hoch werden, also nur ein höheres Haus. Die Gestaltungskommission hatte der Drewag empfohlen, mit der weiteren Planung abzuwarten, bis das Leitbild fertiggestellt ist.

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